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Kommentar: Greenpeace in Russland – gut kalkuliertes Politspektakel im kalten Norden

Von   /  13. November 2013  /  1 Kommentar

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Von Eugen von Arb

Gestern wurden die 30 Greenpeace-Aktivisten, welche am 18. September beim Versuch, eine Ölplattform in der Barentsee zu entern, verhaftet worden waren, nach fast zwei Monaten Haft in Murmansk nach Petersburg verlegt. Das und die Tatsache, dass die Anklage der russischen Justiz mittlerweile von „Piraterie“ auf „Rowdytum“ herabgestuft wurde, sind deutliche Zeichen für ein baldiges Ende des Politspektakels.

Zwar „summt“ es immer noch in den Medien und in den diplomatischen Etagen, und noch immer geht die Rede von einer möglichen Höchststrafe von sieben Jahren Haft für die Greenpeace-„Rowdys“ und von Paragraphen im UN-Seerecht, die anerkannt oder nicht anerkannt werden. Aber im Prinzip ist längst klar, dass es sich um ein Spektakel mit klarer Rollenverteilung und klaren Regeln handelt: Von russischer Seite ist längst klar, dass kein Gericht, sondern der Kreml den Verlauf des Prozesses steuert. Russland plustert sich auf, um seinen Macht- und Rohstoff-Anspruch in der Arktis zu markieren, selbst wenn es um die internationalen Gewässer geht.

Es wird die Greenpeace-Aktivisten solange wie möglich in der Zelle schmoren, bzw. frieren lassen, denn sie sollen den Zorn der neuerstandenen Grossmacht ausreichend zu spüren bekommen. „Rowdytum“ ist ein Gummibegriff, und dementsprechend lässt sich auch die Haftzeit fast beliebig dehnen. Gleichzeitig ist der „Dehnungsbereich“ begrenzt – denn nicht nur die Festtage, sondern vor allem die Olympiade in Sotschi liegen nah, und die Moskauer Regierung will und kann sich keinen internationalen Skandal oder Boykott während des Grossanlasses leisten.

Diese Tatsache war Greenpeace sicher schon bei der Vorbereitung der Protestaktion bekannt. Ausserdem waren nicht zufällig AktivistInnen aus mehr als zehn Ländern an Bord der „Arctic Sunrise“. Eine Verurteilung der Greenpeace-Crew würde dementsprechend die Beziehungen Russlands zur halben Weltgemeinschaft belasten, und daran ist in Moskau niemand interessiert. Dass mit den Russen nicht zu spassen ist, weiss man bei Greenpeace schon von früheren Aktionen – darum wurden mit Sicherheit sämtliche Teilnehmer der Expedition auf „russische Verhältnisse“ vorbereitet und waren sich bewusst, worauf sie sich einlassen.

Nun haben alle ihre Show gehabt, und es wird Zeit für einen sauberen Abgang, damit die Greenpeace-Leute zuhause feiern können und Putin sein Image als gestrenger und zugleich gerechter und gütiger Landesvater bewahren kann. Der russische Greenpeace-Fotograf, der sich unter den Verhafteten befindet, hat die besten Chancen, beim nächsten World Press Photo-Wettbewerb ausgezeichnet zu werden, und damit hat alles seine Ordnung. Für die nächste Aktion wird sich Greenpeace vermutlich wieder eine etwas wärmere Gegend aussuchen – zum Beispiel dort, wo Shell, BP, Texaco oder Total mit ihren Bohrinseln das Meer verdrecken. Und wieder werden alle mitspielen.

Bild: Wikimedia Commons

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

1 Kommentar

  1. Werner Hintze sagt:

    Vielen Dank!
    Wenn es so kommt wäre das schön. Eine Grund zur Hoffnung für die Gefangenen.
    Hoffentlich behalten Sie recht.

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