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Kommentar: G-20 – Sie kamen, schwatzten und gingen

Von   /  7. September 2013  /  Keine Kommentare

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Von Eugen von Arb

Der Gipfel ist vorbei, die Party ist vorüber, die Gäste sind grösstenteils nach Hause geflogen. Trotz der Unterzeichnung eines seitenstarken „Petersburger Plans“ erarbeiteten die Vertreter der G-20-Staaten enttäuschend wenig Konkretes. Die Uneinigkeit in der Syrienfrage überschattete den Gipfel, und niemand bemühte sich besonders, sie zu verbergen.

Budget-Disziplin, Kampf gegen Arbeitslosigkeit und Protektionismus sowie Solidarität in der Währungspolitik – die abgegebenen Versprechungen des Petersburger Summits gleichen verdächtig jenen, die schon in den Jahren zuvor abgegeben wurden und von den Unterzeichnerstaaten mit wechselndem Erfolg in die Tat umgesetzt wurden und werden.Es versteht sich von selbst, dass das Treffen nicht auf die Verabschiedung dieser politischen Allgemeinplätze verwendet wurde.

Syrien, bzw. das trozige Beharren auf den längst bekannten Standpunkten dominierte das Geschehen in Strelna. Besonders US-Präsident Obama gab sich alle Mühe, seine Eigenständigkeit zu betonen, in dem er wenn immer möglich die von russischer Seite angebotene Infrastruktur umging. So benutzte er als einziger Teilnehmer zur Fahrt zum Konstantinspalast keine Mercedes-Limousine mit russischen Nummernschildern, sondern seinen eigenen Cadillac. Seine Statements gab er vom eigenen Podest mit US-Wappen ab, und sogar den Tee trank er aus seinem eigenen (ziemlich hässlichen) Riesenplastikbecher mit der Aufschrift „President of the United States.

Angesichts solch offensichtlicher Ablehnung der russischen Gastfreundschaft konnte man kaum auf Gemeinsamkeiten hoffen. Offenbar hatte der Amerikaner die nicht nicht lange zurück liegende Snowden-Affäre noch nicht verdaut. Ausserdem kamen sowohl Obama wie auch sein englischer Bundesgenosse Cameron mit abgesägten Hosen nach Petersburg. Dem letzteren hatte soeben das eigene Parlament die Unterstützung für einen Militärschlag gegen Syrien versagt. Und auch Obama kann gemäss Umfragen nur auf eine dünne Mehrheit für ein neues Nahost-Abenteuer zählen.

Trotz der frostigen Atmosphäre, die auch ein bombastisches Bankett mit Feuerwerk auf der Zarenresidenz Peterhof nicht aufzuwärmen vermochte, kamen beide mit ihrem Gastgeber Wladimir Putin ins Gespräch, wenn auch ohne jegliche Annährerung (zumindest offiziell). Wirklich gut aufgelegt war als einziger Wladimir Putin, der als Assad-Freund angesichts der bröckelnden Anti-Syrienfront ein leichtes Spiel hatte.

Der übertriebene Akzent auf die Syrienfrage führte leider auch zu einer Verkürzung des politischen Spektrums. Im Vordergrund standen die grössten und mächtigsten Staaten, die immer im Rampenlicht stehen. Man hatte den Eindruck eines G6-8 – wo war der Rest geblieben? Sie konnten sich lediglich der Anti- oder Pro-Syrien-Koalition anschliessen, oder kleinlaut ihre Neutralität erklären.

Bei solch magerer Kost blieb den Medien lediglich die Beschäftigung mit Belanglosigkeiten -zum Beispiel mit der Zahl von 26 Tonnen Lebensmitteln, welche die Journalisten gemäss einer Regierungsstatistik während des Summits angeblich verdrückt haben sollten – pro Kopf 17 Kilogramm. Das löste Empörung bei den einen, Kopschütteln bei den anderen aus – wie so manches an diesen zwei Tagen.

Bild: Eugen von Arb/ SPB-Herold

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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