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Kommentar: Aufstand gegen das „Sotschi-Bashing“

Von   /  17. Februar 2014  /  2 Kommentare

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Von Andrej Iwanowski, Redaktionsleiter, Ria Novosti

Nun ist den Europäern der Kragen geplatzt: Sie haben die monatelange totale „Russland-Bashing“-Medienkampagne, die im Vorfeld der Winterspiele in Sotschi entfaltet wurde, satt. Den Rest gab ihnen die tendenziöse Berichterstattung über die Eröffnungszeremonie in Sotschi. Auf einmal kam die Erkenntnis, dass sie von den „instrumentalisierten“ Medien womöglich verblödet werden. Und die Europäer rebellieren!

Heute wimmeln die sozialen Netzwerke von schreienden Kommentaren der empörten Medienkonsumenten. Am stärksten wurde dabei wohl auf die ZDF-Kommentatoren Anne Gellinek und Wolf-Dieter Poschmann eingedroschen. Hier nur ein paar Zitate:

„Musste das wirklich sein, bis zum Schluss diese Hetze. Herr Poschmann sollte sich mal lieber an München 1972 erinnern. Gratulation den Russen zu dieser wunderbaren Veranstaltung.“

„Was sollten bitte alle diese Angriffe gegen Russland? Die Kommentatoren waren zum Kotzen! Klang so, als ob sie einfach jeden gegen Russland aufhetzen wollten. Was ich noch schlimmer fand: die haben sich offen über das Land und die Leute lustig gemacht. Ist inakzeptabel!“

„Wie tief sind wir eigentlich gesunken, dass wir jetzt schon eine wunderschöne, farbenfrohe und einfach brillante Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele mit ideologischem Quark und Kleingeistigkeit niedermachen müssen?“

Ähnlich war auch der Ton der meisten Kommentare zum „Spiegel“-Bericht über die Eröffnungszeremonie:

„Typisch überzogene Arroganz des Westens, der nicht bemerken will, dass er längst in Orwellschen Welten versunken ist. Demokratie und Rechtsstaat, die wir so unbedarft in die Höhe halten, sehen anders aus.“

„In der aktuellen Berichterstattung habe ich so oft noch den Eindruck, dass alte Feindbilder jegliche Vermittlung von sachlicher Information verhindern, wie zu Zeiten des Kalten Krieges. Aus Russland kann nichts Gutes kommen, es muss alles schlecht sein. Genauso, wie im Gegensatz dazu alles aus Amerika gut und glorienreich ist.“

„Die Eröffnungsfeier war doch große Klasse. Fraglich ist, ob wir so ein Großereignis stemmen könnten. Man braucht nur auf den Berliner Großflughafen BER zu schauen. Ich finde, die Russen machen das 1A!“

Damit die Deutschen nicht denken, dass nur sie auf diese Weise indoktriniert wurden – und letzten Endes rebellieren mussten – hier ein Beispiel aus England. Der von Hohn und Häme geprägte Artikel in „The Daily Telegraph“ über die Eröffnungszeremonie löste ebenfalls einen Empörungs-Tsunami von Kommentaren aus.

“I am also very disappointed to read such an article in the Telegraph. I saw an online translation of the performance while my brother had a chance to be in Sochi and watch it from there. Both of us were really surprised and astonished of what we’ve seen! From the flow of the story to music and fireworks – I’m pretty sure that this is one of the greatest shows I’ve ever seen! But in this article the beauty and the atmosphere of the Olympic event were just ignored and instead replaced with some political jokes, bile and narrow-mindedness.”

“It is unfortunate that the media nowadays pick on the negatives and fail to appreciate the positives- the beauty, the hard work put in by the thousands of people who worked on the project. Well done Russia, doesn’t matter the ring that did not illuminate, that will be overlooked by the dazzle and the sheer beauty that followed. God bless Russia and its people!”

“Fabulous opening ceremony, interesting, educational and colourful, really
enjoyable.”

Die von den Medien prophezeite „Katastrophe“ in Sotschi ist also bis jetzt ausgeblieben. Werden nun auch die Medien ihren Ton wechseln? Schwer zu glauben – aber wer weiß?

www.rian.ru

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Kommentar: Sotschi – eine “Katastrophe”?

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

2 Kommentare

  1. eva sagt:

    Hetze ist sicher falsch, Kritik muss aber auch möglich sein, allerdings sollte man in diesem Fall kein Spiel(e)-Verderber sein. Ich denke nicht, dass alle westlichen Medien falsch über Russland berichten. Es gibt eben verschiedene Meinungen, und auch über unangenehme Themen muss berichtet werden, damit etwas passiert. Ich bin gegen „Russland-Bashing“ ebenso wie gegen „Russland-Cuddling“. Auch die russische Berichterstattung über andere Länder ist manchmal nicht fair und der Drang, die Dinge so zurechtzurücken wie man sie gerne haben möchte, gibt es überall. Natürlich sollten in erster Linie die Russinnen und Russen selber die Missstände in ihrem Land kritisieren, das Problem ist einfach, dass dies immer schwieriger wird, weil die Kontrolle von oben zunimmt.

  2. Michael Meyer sagt:

    Diese Hetze ist doch nicht neu.
    Ganz im Gegenteil. Etwas abgeschwächt war sie nur zu der Zeit, als einige russische Präsidenten mehr westlichen Einfluß fördern wollten.
    Seit aber Russland wieder mehr einen eigenständigen Weg geht, wird die Propaganda hier wieder lauter.
    Es gibt sicher viel an Russlands Politik und auch an den Großbauprojekten in Sotschi zu kritisieren. Nur sollten das zuallererst die Russen selbst machen.
    Einem anderen Land mit Arroganz und Häme entgegenzutreten, fördert ganz sicher nicht die bilateralen Beziehungen. (Schäbig ist das obendrein.)
    Wir haben hier genug eigene Probleme, von denen nur zu oft abgelenkt wird. Unsere Nachrichtensendungen sind bestenfalls ein Witz. Über Vieles wird gar nicht berichtet und über den Rest oft sehr verzerrt.
    Und so sehe ich mich weiterhin gezwungen, Informationen überwiegend aus ausländischen Quellen zu beziehen. Oft eben auch aus den russischen.

    PS. Meinen Glückwunsch an Russland für die gelungenen olympischen Spiele! Auf dass die Paralympics ebenso gut gelingen mögen!

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