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Kesseltreiben gegen Fernsehkanal „Doschd“ nach provokativer Blockade-Umfrage

Von   /  7. Februar 2014  /  Keine Kommentare

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TOPTICKER.- Der regierungskritische Fernsehkanal „Doschd“ (deutsch „Regen“) sorgte am Gedenktag zum Ende der Leningrader Blockade vor 70 Jahren mit einer Umfrage auf seiner Webseite für einen handfesten Skandal. Den Lesern wurde die Frage gestellt, ob mit einer Kapitulation Leningrads 1941 womöglich hunderttausende von Hungeropfern hätten vermieden werden können.

Ein Sturm der Empörung kam aus dem Petersburger Parlament, wo bis auf eine kleine Minderheit sämtliche Abgeordneten von der Staatsanwaltschaft eine Untersuchung dieser „provokativen und beleidigenden Umfrage“ und Konsequenzen bis zur Schliessung des Senders forderten. Obwohl der Sender die Umfrage nach kurzer Zeit von seiner Homepage entfernte und sich für die provokative Umfrage entschuldigte, schalteten NTW-Plus und Beeline die Übertragung des Kanals in vorauseilendem Gehorsam ab.

Ausserdem wurden in den letzten Tagen verschiedene Petersburger Bezirksgerichte mit einer Flut von Klagen erboster Blockade-Opfern unterzeichnet waren, die vom Kanal Schadenersatz forderten. Insgesamt wurden bisher 23 Anzeigen erstattet, die teilweise fast gleichzeitig bei den Gerichtsinstanzen eingingen, von denen sieben jedoch bereits zurückgewiesen wurden.

Klage formuliert, Taxe bezahlt

Bei ihren Recherchen fand die Internetzeitung Fontanka.ru heraus, dass die Klägerinnen und Kläger aktive Unterstützung durch die Regierungspartei „Einiges Russland“ erhielt. So anerbot man den Klägern nicht nur „moralische“ Unterstützung, sondern half ihnen auch bei der Formulierung der Anzeige und bezahlte die Gerichtstaxe. Eine der Befragten erzählte, wie sie im Büro des Stadtabgeordneten von „Einiges Russland“ Sergei Andenko die Anzeige verfasst habe. Der Politiker wollte sich dazu nicht äussern.

Wie aus den Gesprächen ersichtlich wurde, haben die meisten der Veteranen keine Ahnung, auf welche Summe sie den Fernsehsender verklagen wollen und wie der Gerichtsprozess weitergehen wird. Bei einer Rückweisung durch die Petersburger Gerichte will man jedoch direkt in Moskau klagen. (eva)

Bild: www.tvrain.ru

www.fontanka.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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