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Karelischer Menschenrechtler Juri Dmitrjew verhaftet

Von   /  21. Dezember 2016  /  Keine Kommentare

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eva.- Der Leiter der karelischen „Memorial“-Sektion, Juri Dmitrjew wurde am 13. Dezember wegen angeblicher Anfertigung von Kinderpornografie verhaftet. Er bezeichnet die Anschuldigungen als Provokation von Seiten staatlicher Behörden wegen seines Engagements.

Der 60-jährige Historiker wurde in seiner Wohnung in Petrosawodsk verhaftet. Die Polizei beschlagnahmte Computer und Telefon und holte seine 11-jährige Adoptivtochter Natascha aus der Schule, schreibt die Deutsche Welle.

Mittlerweile hat sich Sergej Kriwtschenko, Mitglied des Menschenrechtsrats des Präsidenten und Vorsitzender der Organisation „Memorial“ in den Fall eingeschaltet. Nach seinen Angaben wird als Beweisstück ein Bild angeführt, auf dem Dmitrjews Tochter Natascha und seine Enkelin nackt im Badezimmer zu sehen sind – ein völlig normales Familienbild, wie Kriwtschenko meinte.

Drohanrufe und Einbruch

Das Bild hatte Dmitrjew auf seinem Computer gespeichert, aber nirgends veröffentlicht. Am Tag vor Dmitrjews Verhaftung war jedoch jemand in seine Wohnung eingedrungen und hatte den Computer eingeschaltet. Er hat seine Verhaftung bereits angefochten, doch das Gericht hat die Untersuchungshaft vorläufig auf zwei Monate angesetzt. Bei einem Schuldspruch drohen ihm bis zu 15 Jahre Haft.

Dmitrjew war vor seiner Verhaftung mehrmals telefonisch von Unbekannten bedroht worden, nachdem „Memorial“ im November eine Namensliste mit tausenden von NKWD-Mitarbeitern während der Stalinzeit im Internet veröffentlicht hatte. Ausserdem hatte er am Gedenkbuch der karelischen Repressionsopfer in den Jahren 1930-40 mitgearbeitet. Dmitrjew wird als „unbequeme“ Persönlichkeit bezeichnet, die ungeschminkt seine Meinung äussert und darum der Obrigkeit lästig geworden sein könnte.

Bild: Youtube

www.dw.com

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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