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Karelischer Menschenrechtler Dmitrjew von Pädophilie-Vorwurf freigesprochen

Von   /  6. April 2018  /  Keine Kommentare

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eva.- Nach einem jahrelangen Verfahren wurde der Historiker und Leiter der Menschenrechtsorganisation „Memorial“ in Karelien Juri Dmitrjew vom Vorwurf der Pädophilie freigesprochen. Trotz allem erhielt er eine Strafe wegen unerlaubtem Waffenbesitz, obschon diese Anschuldigung nicht weniger fadenscheinig war.

Dmitrjew war 2016 in Petrosawodsk verhaftet worden, weil man ihn beschuldigte, er habe pornografische Bilder seiner Adoptivtochter angefertigt. Obschon schnell klar war, dass das Verfahren jeglicher Grundlage entbehrte und offensichtlich politisch motiviert war, musste Dmitrjew ein psychiatrisches Gutachten, die vorübergehende Trennung von seiner Tochter und ein erniedrigendes Gerichtsverfahren über sich ergehen lassen.

Das einzige Beweismittel waren Bilder seiner nackten Tochter, die er für die Vormundschaftsbehörde anfertigen musste, um nachzuweisen, dass sie gut ernährt und nicht misshandelt wurde. Sie waren nirgends veröffentlicht worden, aber trotzdem wussten jene Unbekannten davon, die kurze Zeit vor seiner Verhaftung in seine Wohnung eingedrungen waren und sich an seinem Computer zu schaffen gemacht hatten.

Unbekannte drangen in Dmitrjews Wohnung ein

Dieser äusserst dubiose Hintergrund wurde während des Verfahrens nicht aufgeklärt. Doch schon bei seiner Verhaftung sagte Dmitriew, dass der Prozess gegen ihn wegen seiner Arbeit für „Memorial“ angestrengt worden sei. Dmitrjew ist ein grossen Kenner der stalinistischen Verbrechen in Karelien und verfasste mehrere Bücher zu diesem Thema. Vielen ist er auch bekannt als Leiter von Exkursionen zu den zahlreichen Schauplätzen der Greueltaten dieser Region.

Die Organisation „Memorial“, die Informationen über die Verbrechen des totalitären Regimes sammelt, ist dem russischen Staat schon lange ein Dorn im Auge und wurde darum auch als „ausländischer Agent“ eingestuft. Es wird vermutet, dass die Veröffentlichung einer Namensliste mit beteiligten NKWD-Mitgliedern durch „Memorial“ der Auslöser für Dmitrjews Anklage war.

„Illegaler Waffenbesitz“ erwies sich als historischer Fund

Das psychiatrische Gutachten stellte keinerlei perversen Neigungen bei ihm fest, so dass dieser Anklagepunkt sofort fallengelassen werden musste. Doch wegen „unerlaubtem Waffenbesitz“ wurde er trotz allem zu drei Monaten gemeinnütziger Arbeit verbrummt. Die „Waffe“ bestand bezeichnenderweise aus den funktionsuntüchtigen Bestandteilen eines Gewehr, das Dmitrjew während einer historischen Ausgrabung gefunden hatte.

Bild: Wikimedia Commons

www.newsru.com

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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