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Kahlschlag beim Petersburger „Kanal-100“

Von   /  15. Juni 2015  /  Keine Kommentare

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eva.- Rund 60 Mitarbeiter des Petersburger Fernsehkanals „Kanal-100“ haben seit Beginn des Umbaus ihre Posten gekündigt – freiwillig oder unfreiwillig. Jenen, die aus Unzufriedenheit über den neuen Kurs gegangen sind, warf die Leitung des Senders öffentlich Faulheit vor – sie hingegen protestieren gegen den Kurswechsel vom Qualitäts- zum Boulevardjournalismus, der ihrer Meinung nach stattfindet.

Bereits nach dem Tod des Gründers und Besitzers der Baltischen Mediagruppe Oleg Rudnow war ein radikaler Umbau beim „Kanal-100“ und auch bei den anderen Medien vorausgesagt worden. Seit Januar leitet der Moskauer Medienmann Aram Gabreljanow die Fernsehstation, und stösst mit seinem neuen Profil auf Kritik bei vielen angestammten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Auf Ende Mai haben rund sechzig von ihnen die Redaktion verlassen – davon 18 Operateure, die übrigen Redakteure, Korrespondenten u.a.

Die Befragten äusserten gegenüber Fontanka.ru, dass man früher die von Oleg Rudnow gepflegte Politik verfolgt habe, nach der die Anliegen und Probleme der Petersburger Bevölkerung in den Beiträgen an erster Stelle standen. Das neue Leitbild habe damit nichts mehr zu tun, sondern nur noch auf Quotenfang dank Sensationen, Skandalen und Verbrechen auf.

Tatsächlich hatte sich der Kanal in den Jahren seit seiner Gründung 2003 durch eine professionelle und ausgewogene Berichterstattung von den übrigen Kanälen abgehoben, die sich immer mehr den Boulvardthemen verschrieben hatten. Schon ab dem 1. Juli wird das Nachichtenangebot des „Kanal-100“ radikal gekürzt und zu einem grossen Teil durch Spielfilme ersetzt. Dadurch wird die Petersburger Medienlandschaft um eine kritische Stimme ärmer – der Kanal hatte während seiner achtjährigen Existenz auch über politisch heikle Themen berichtet.

www.fontanka.ru

Weitere Artikel zu diesem Thema:

Petersburger Medienzar Oleg Rudnow gestorben

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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