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Kadyrow-Brücke scheidet die Petersburger Geister

Von   /  14. Juni 2016  /  Keine Kommentare

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eva.- Die neue Brücke über den Duderhof-Kanal im Süden Petersburgs soll laut Regierungsbeschluss nach dem ersten Präsidenten Tschetscheniens, Achmat Kadyrow, benannt werden. Eine umstrittene Persönlichkeit – wie sein Sohn, der jetzige autoritäre Herrscher Tschetscheniens Ramsan Kadyrow. Nun fordern Zehntausende Petersburger ein Referendum.

Der Vorschlag für den Brückennamen an den Petersburger Gouverneur kam laut Gazeta.ru von Genadi Fomenko, Mitglied der Petersburger Sektion des Kriegshelden-Rats der Sowjetunion und der Russischen Föderation. Dieser rechtfertigte seine Idee damit, dass Achmat Kadyrow 1999 dazu beigetragen habe, durch eine friedliche Lösung des Tschetschenien-Konflikts viele Opfer zu vermeiden.

Offenbar hatte Fomenko bei seiner Eingabe die allrussische Kriegshelden-Vereinigung übergangen, deren Leitung erst aus den Medien davon erfuhr. Präsidiums-Mitglied Alexei Machotin erteilte der Idee eine klare Absage und argumentierte damit, dass Achmat Kadyrow vor seiner Rolle als „Friedensbringer“ auf Seiten der tschetschenischen Separatisten zum „heiligen Krieg“ gegen die russischen Truppen aufgerufen hatte, der tausenden von russischen Soldaten das Leben kostete. Ausserdem, so meinte er, habe Achmat Kadyrow keinerlei Beziehung zu St. Petersburg gehabt.

Kadyrow erhielt nur ein Prozent der Stimmen

Letzteres scheinen die meisten Petersburgerinnen und Petersburger zu unterstützen, denn in einer Umfrage erhielt der tschetschenische Präsident, der 2004 bei einem Bombenattentat getötet wurde und postum von Präsident Putin zum „Held Russlands“ erklärt wurde, nur ein Prozent der Stimmen. 25 Prozent würden die Brücke „Duderhof-Brücke“ taufen, 10 Prozent „Brücke der Helden“, 8 Prozent „Perlenbrücke“ und 3 Prozent „Viktor Zoy-Brücke“, nach dem Petersburger Rockidol.

Die Brücke scheint das ganze Tschetschenientrauma in der Bevölkerung wieder aufleben zu lassen. Davon zeugt auch ein Graffiti-Porträt des Obersten Juri Budanow, der wegen der Misshandlung und Vergewaltigung eines 18-jährigen tschetschenischen Mädchen im Jahr 2000 zu einer Haftstrafe verurteilt wurde. Er wurde frühzeitig entlassen und bald darauf von Unbekannten in Moskau erschossen.

Petition und Referendum

Ein Grossteil des Widerwillens gegen den Namen Kadyrow entstammt auch der weit verbreiteten Antipathie gegenüber dem jetzigen tschetschenischen Präsidenten Ramsan Kadyrow, dessen Herrschergehabe und Umgang mit politischen Gegnern berüchtigt sind. Mittlerweile fand auf dem Marsfeld eine Demonstration gegen die Kadyrow-Brücke statt. Über 30.000 Stadtbewohner fordern ein Referendum, darunter Politiker wie der Jabloko-Abgeordnete Boris Wischnewski und der Regisseur Alexander Sokurow. Über 80.000 Personen haben eine Petition gegen den Brückennamen unterzeichnet.

Bild: Birulik/ Wikipedia Commons

www.gazeta.ru

www.fontanka.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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