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„JunArmia“ – die uniformierte Jugend kehrt in die russische Gesellschaft zurück

Von   /  15. April 2019  /  Keine Kommentare

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eva.- Nach knapp dreissig Jahren wird die russische Jugend wieder uniformiert. Die staatlich finanzierte „Junarmija“ („Jugend-Arme“) eröffnet im ganzen Land Ausbildungszentren. Die patriotische Schulung der Organisation hält ausserdem in Schulen, Firmen und sogar Klöstern Einzug.

Im Rahmen eines Pilotprojekts werden die ersten sieben von 500 landesweit geplanten Zentren in Moskau, St. Petersburg, Nowosibirsk, Rostow am Don, Jekaterinburg, Astrachan und Uljanowsk eröffnet, schreibt das Petersburger Magazin „Gorod812“. Die Organisation, die Jugendliche im alter zwischen 8 und 18 Jahren umfasst und den sowjetischen Organisationen „Junge Pioniere“ und die Komsomol nachempfunden ist, existierte früher auf privater Basis, und erhielt 2016 per Präsidentenerlass einen offiziellen Status.

Mittlerweile gehören ihr mehr als 300.000 Mädchen und Jungen an, bis 2020 soll die Millionengrenze erreicht werden. Zwar soll die Mitgliedschaft weiterhin freiwillig sein, doch wird der Anreiz auf die Jugend für einen Beitritt laufend erhöht, zum Beispiel dadurch, dass Mitglieder an Schulen, zusätzliche Punkte fürs Abschlusszeugnis (EGE) erhalten und dadurch einen erleichterten Zugang zur Uni bekommen.

Ausbildung am Gewehr und Kampftechniken im Lager

Neu sollen auch Organisationen der russisch-orthodoxen Kirche sowie ganze Firmen als Mitglieder in die „JunArmia“ aufgenommen werden. Letztere werden in erster Linie Rüstungsbetriebe sein. In den Direktiven der Organisation werden die Nato, die USA, die Europäische Union und eine Reihe radikaler islamischer Organisationen als Hauptbedrohung Russlands aufgeführt.

Wie schon zur Sowjetzeit treffen sich die Jugendlichen in den Räumlichkeiten der früheren Jugendpalästen zur ideologisch-patriotischen Schulung und erhalten eine vormilitärische Ausbildung. Ausserdem organisiert die „Junarmija“ während der Schulferien Lager, wo den Mitgliedern unter anderem Kampftechniken und der Umgang mit dem Gewehr beigebracht wird. Federführend ist der jetzige russische Verteidigungsminister Sergei Schoigu.

Auflösung einer Demo als „Theateraufführung“

Nach der Wiedereinführung der Schuluniform in Russland per Gesetz, ist die „Junarmija“ ein weiterer Schritt in Richtung Gleichschaltung der Jugend. Von Beobachtern wird die politische Beeinflussung und der mögliche Missbrauch der Jugend für politische Ziele mit Hilfe dieser Organisation kritisiert.

Am 9. Mai 2017 nahm die „Junarmija“ in ihren khaki-braunen Uniformen und roten Berets erstmals an der Siegesparade auf dem Roten Platz teil. Im Februar geriet die Organisation in die Schlagzeilen als ihre Mitglieder in Jekaterinburg die Auflösung einer Protestaktion in Form einer Theateraufführung demonstrierte.

Bild: Wikimedia Commons/www.mil.ru

www.newsru.com

www.online812.ru

 

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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