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Jahrhundertzeuge Baron Eduard von Falz-Fein gestorben

Von   /  26. November 2018  /  Keine Kommentare

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eva.- Im Alter von 106 Jahren starb bei einem Brand in seinem Haus in Lichtenstein der deutsch-russische Baron Falz-Fein. Der Geschäftsmann, Journalist, Funktionär und Sportsfreund behielt seine russische Heimat in Erinnerung und lobbyierte und sponsorte zugunsten zahlreicher Projekte.

Euduard Falz-Fein wurde 1912 im heute ukrainischen Gawrilowka (Gouvernement Cherson) als Sohn deutsch-russischer Aristokraten geboren, die unter anderem mit der Familie des russischen Schriftstellers Wladimir Nabokow verwandt war. Sein Vater war Grossgrundbesitzer und wandelt seinen Grundbesitz Askanija-Nowa (Neu-Askanien) in einen der ersten und grössten Naturschutzreservate der damaligen Zeit um.

Nach der Oktoberrevolution wurde der Familienbesitz von den Bolschewiki beschlagnahmt, und die Familie konnte nur mit Glück ihrer Verhaftung in St. Petersburg entkommen. 1919 gelang ihr die Flucht über Bulgarien nach Berlin und später nach Paris, wo Eduard Falz-Fein aufwuchs und studierte. Die Mutter, die in Russland zurückgeblieben war, wurde hingerichtet, der Vater starb kurz nach der geglückten Flucht aus Kummer über den Verlust in Deutschland.

Sportsfreund und Souvenirverkäufer

In den Dreissigerjahren kam Falz-Fein, der als Korrespondent für eine französische Autozeitschrift arbeitete, nach Lichtenstein, wo er sich mit Hilfe von Aristokratenkreisen niederliess. 1935 gründete er das Olympische Komitee Lichtensteins und ermöglichte dank geschicktem Lobbying die Teilnahme des Fürstentums an den Winterspielen 1936. Sein Geld verdiente er mit Souvenirshops, die seine Firma „Quick“ im Fürstentum betriebt und die dank zunehmendem Tourismus florierten.

Falz-Fein vergass niemals seine russische Heimat und engagierte sich als Vermittler und Sponsor in zahlreichen Russland-Projekten. So gilt er als eine Schlüsselfigur bei der Rekonstruktion des verschwundenen Bernsteinzimmers im Petersburger Katharinenpalast, das 2003 zur 300-Jahre-Feier eröffnet wurde. Ausserdem engagierte er sich für das Suworow-Denkmal, das 1999 zum 200-Jahr-Jubiläum von Suworows Alpenüberquerung eingeweiht wurde.

Zahlreiche Kunstwerke aus der Zarenzeit zurückgekauft

An zahlreichen Auktionen kaufte er wichtige Kunstwerke aus der Zarenzeit zurück, und schenkte sie dem russischen Staat. Für sein Engagement wurde er vielfach ausgezeichnet. In seinem Lichtensteiner Haus, das den Namen des Landbesitzes seines Vaters „Askanija-Nowa“ empfing er zahlreiche Persönlichkeiten aus Russland und erzählte ihnen aus seinem interessanten Leben. Das Familienarchiv übergab er nach der Jahrhundertwende dem Ethnografischen Museum in St. Petersburg.

Bild: Wikimedia Commons/ Iwan Popoff

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  • Veröffentlicht: 3 Wochen vor auf 26. November 2018
  • Von:
  • Zuletzt geändert: November 26, 2018 @ 6:31 pm
  • Rubrik: Aktuell, Kultur

Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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