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Interview: Softwareentwicklung – Open Source – St. Petersburg

Von   /  11. März 2009  /  Keine Kommentare

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Roland Fesenmayr – Vorstand der OXIDeSales AG in Freiburg erläutert im Interview mit dem Sankt Petersburger Herold die Standortvorteile von St. Petersburg und wie OXID als Hersteller einer Free Open Source Software Geld verdient.

SPH: Guten Morgen Herr Fesenmayr, was interessiert einen deutschen Softwarehersteller an Russland, speziell St. Petersburg ?

RF: Für uns hat Russland ein großes Potential – hier gibt es sehr viele Kunden, und ebenfalls viele gute Softwareentwickler, die einen Beitrag leisten können.  Und dennoch sind die russischsprachigen Märkte mit 300 Mio. Einwohnern für viele mittelständischen Unternehmen immer noch eine „TERRA INCOGNITA“.
Große Player wie Metro, OBI, Bosch und Siemens sind dagegen seit langem vor Ort. OXID ist zwar noch ein junges Unternehmen, in seinem Bereich eCommerce aber bereits auch ein Marktführer – daher interessieren wir uns natürlich für die Möglichkeiten im Osten. Last not least habe ich gelernt, dass im Jahr 2008 Russland nach Deutschland auf Platz der 2 der größten eCommerce Märkte kam. (Anm. der Red.: noch vor Großbritannien)

SPH: Die weltweite Finanzkrise hat auch Russland bereits fest im Griff. Warum sondieren Sie gerade jetzt das Terrain ?

RF: Wir haben im Oktober unsere neue Softwaregeneration mit viel Beifall von Kunden und Fachkreisen auf den Markt gebracht. Nach unserer Erfahrung in der IT-Industrie sind Krisenzeiten immer gute Zeiten für Innovationen. Die Unternehmen und IT-Verantwortlichen treffen ihre Entscheidungen undogmatischer und sind offener für neue Ideen. Das ist ein ideales Umfeld um mit unseren eShop Produkten beim Geld verdienen zu helfen.

SPH: Was ist an Sankt Petersburg vorteilhafter als z.B. Moskau ?
RF: Führende Softwareunternehmen und Outsourcing Firmen kommen aus St. Petersburg oder haben ihre Wurzeln hier, (Uebersetzungsoftware-Prompt, SUN oder Outsourcingspezialisten wie Reksoft uvam. ). Ein Großteil unserer Softwareentwicklungseinheit sitzt in Litauen, wir haben also bereits einige Litauische Mitarbeiter die z.T. auch gut Russisch sprechen.

Zudem sind unsere Vertriebspartner aus Sankt Petersburg und nicht Moskau. Aber auch andere Gründe wie das Miet- und Lohnniveau in Moskau oder die Distanz zu den wichtigen Sibirischen Entwicklungszentren spielen eine Rolle. Da wir auch in Deutschland aus einer geografischen Randlage, Freiburg, kommen, wissen wir ja, dass es nicht zwingend ein Vorteil ist sich Zentrum zu positionieren. Für Softwareunternehmen zählt vor allem auch die Lebensqualität der Umgebung – auch um dauerhaft gute Mitarbeiter zu gewinnen. Sankt Petersburg wäre ein interessanter Kompromiss aller Faktoren.

SPH: Sie sind der Hersteller der erfolgreichsten Shop Software in Deutschland, seit 3 Monaten haben Sie Ihre in Fachkreisen vielbeachtete Software in einem neuen Lizenzmodell auch als OPEN SOURCE zu Verfügung gestellt und bereits Preise dafür gewonnen.
Für uns nicht-Spezialisten – Verschenken Sie jetzt Ihr Produkt einfach an Ihre Kunden ?

RF: (…lacht) Das werden wir inzwischen nicht mehr so oft gefragt.
Wir haben uns für den Schritt zur OPEN SOURCE entschieden, weil wir daran glauben, dass Open Source mittlerweile der bessere Weg ist qualitativ hochwertige Software zu entwickeln.
OPEN SOURCE ermöglicht einer sehr breiten Schicht von Personen und Unternehmen ein Produkt zu verwenden, es bei Bedarf zu ändern und weiterzuentwickeln. Sogar der Weiterverkauf mit eigenen Add-ons ist möglich, bspw. für Hostingprovider oder Modulentwickler. Auch die Nutzer der freien „Community Edition“ tragen zum Thema bei. Sie entwickeln neue Module, passen an ERP Systeme an, stellen gute Anwendungstipps ins Forum, machen eine neue Sprachversion, sind Pioniere in einer bestimmten Branche, oder tragen durch die Nutzung einfach zur Verbreitung des Produkts bei.

Sobald jedoch ein Unternehmen strategisch im eCommerce Bereich tätig ist, sind wir als ein verantwortlicher Hersteller gefragt: wir geben kommerziellen Support und definierten Service, übernehmen also Verantwortung für das Produkt. Das ist zumeist der Hauptgrund, dass sich der Betreiber eines Webshops dann für eine proprietäre Lizenz, entscheidet. Die Lizenzkosten, die diese proprietäre Lizenz kostet, spielen dann nur noch eine untergeordnete Rolle und werden als selbstverständlich angesehen.
Es ist interessant, dass man diese Entscheidung FOSS („free and open source“) in Form der Community Edition, oder proprietäre Lizenz, in Form der OXID eShop Professional Edition, wirklich an der unterschiedlichen Erwartungshaltung uns als Hersteller gegenüber fest machen kann. Denn in Funktionsumfang sind CE und PE komplett identisch!

Unser großes mandantenfähiges Produkt, die OXID eShop Enterprise Edition, ist dagegen immer noch eine rein kommerzielle Lizenz und wird z.B. von EDEKA, SAT1 und PREMIERE eingesetzt.

SPH: Was empfehlen Sie einem mittelständischen deutschen oder russischen Unternehmen in St. Petersburg: Kaufen oder selber machen?

RF: Wenn das Unternehmen sich auf den Vertrieb ohne Kopfschmerzen konzentrieren
möchte, empfehlen wir die „Kauf“-Version und einen guten lokalen Vertriebspartner. Damit
kann sich das Unternehmen auf die eigentliche Aufgabe fokussieren: „UMSATZ“.

Anwender, die bereits Erfahrungen mit OPEN SOURCE Produkten und Communities haben,
experimentierfreudig sind, und über die nötige Zeit und Know-How verfügen, kommen auch
mit der Open Source Version, der OXID eShop Community Edition weiter.
Die Entscheidung für die OXID eShop CE kann dabei auch einfach ein Schritt sein, die OXID
Shopfamilie kennenzulernen, im Bereich eCommerce erste Erfahrungen zu sammeln und die
Kauf-Entscheidungsprozesse im Unternehmen vorzubereiten.

SPH: Wann können wir Sie in St. Petersburg ggf. mit einer Niederlassung erwarten ?
RF: Noch nicht in allernächster Zukunft, wir arbeiten daran.

SPH: Vielen Dank für das Gespräch.
RF: Herzlich gern.

Das Interview führte Markus Müller,

Bildmaterial OXID eSales.

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