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In Petersburg ist der „Garagenkrieg“ ausgebrochen

Von   /  29. Mai 2008  /  1 Kommentar

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eva.- Seit dem vergangenen Wochenende sind auf den Grundstücken zweier Garagen-Kooperativen an der Moskauer Chaussee und am Dunaiski Prospekt Feuer ausgebrochen, wobei neben Garagen auch drei Autos verbrannten. Beide Gelände hätten von ihren Besitzern sowieso anfang Juni geräumt werden müssen, weil sie als Baugrund an Unternehmen vergeben worden waren. Da die Brände gleichzeitig an mehreren Orten ausbrachen, vermuten die Garagenbesitzer nun, dass damit einfach der Räumprozess beschleunigt und sie vom Grundstück verjagt werden sollten. Die Firma „Torgowi Dwor“, welche bei der Moskauer Chaussee anstelle der Garagen einen Business-Komplex bauen will, hat sich bereits vor Beginn der Untersuchung öffentlich gegen Verdächtigungen gewehrt: Man habe mit den Bränden nichts zu tun – der Zwischenfall schade nur dem Prestige des Unternehmens.

Im Primorsker Stadtteil haben heute nach einer Meldung der Internetzeitung Fontanka.ru rund 500 Betroffene auf der Strasse gegen die Auflösung ihrer Garagen protestiert. Im Gegensatz zu den beiden anderen Standplätzen wurden sie nur wenige Tage vor der geplanten Räumung informiert. Auch wurde ihnen keine finanzielle Kompensation angeboten. Damit ist der Petersburger „Garagenkrieg“ in eine heisse Phase getreten. Die Stadtregierung hatte im Februar zwar ein Konzept zur Lösung des Garagenproblems angekündigt, bis heute jedoch keine konkreten Massnahmen eingeleitet. Die Garagenfrage ist nicht nur deshalb brisant, weil in Petersburg chronischer Parkplatzmangel herrscht, sondern weil die Garagen von vielen als Abstell- oder Bastelraum oder gar als Warenlager genutzt werden.

www.fontanka.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

1 Kommentar

  1. mm sagt:

    Die interessante Frage ist, wem das Land den gehört(e). Soweit ich das mitbekommen habe sind die Garagen als Eigentümergemeinschaften organisiert, die z.B. wie eine ehemalige „Kolchose“ das Land nutzen kann, eben nur als Garage statt es beackern. Eine Genossenschaft die aber nicht Landeigentümer ist.

    Wenn die Stadt, Eisenbahn, oder der Staat der Eigentümer ist und Verträge mit den Garagengesellschaften „hatte“ist das vermutlich juristisch einwandfrei und legal.

    Kündigunsschutz für Mieter im deutschen Sinne gibt es ja nicht. Vertragsende ist Vertragsende. Daher sind Eigentumswohnungen auch der wirklich einzige Schutz vor sehr „kurzfristigen“ Kündigungen und mit ein Grund des wuchernden Privatwohnungsbaus, der wohl bald ein Garagenbauboom zu Luxuspreisen nach sich zieht. Fakt ist, das solche Garagen je nach Lage bereits mit bis zu 5000 – 10000 Dollar gehandelt wurden, eben weil sie als nützliche Lager für Klein Businesses, Hobbyraum etc. sind. Wer erst vor kurzen gekauft hat, fühlt sich mit Sicherheit geprellt.

    Die Aversion der Politik gegen solch unkontrollierte Kleinstbusiness hat sich in der Metro und auf den Strassen ja bereits sichtbar gemacht. Die Kleinen Buden und Kioske sind alle entfernt und durch Ladenketten und Franchises ersetzt.

    Interessant ist auch, das die Politik da keine Alternativen bieten möchte oder neue Garagenplätze ausweist. Aber wenn ich mich in die lage der Entscheider versetzte kann ich das für mich schon verstehen. Im Vergleich zu einem sauberen Neubau ist ein unkontrollierter Freiraum der Kleinbürger auch lästiger. Mit wenigen grossen „Kapitalisten“ verhandelt es sich ja auch viel einfacher als mit tausenden Kleinkapitalisten, die nicht ein mal wissen wie man ein Konto im Steuerausland aufmacht, geschweige davon wie man Online Geld von einem Konto auf ein anderes überweist.

    Sie sind halt einfach nicht geschäftsfähig diese Garagenbesitzer!

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