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Im Internet: russische Literatur online

Von   /  9. Juli 2015  /  1 Kommentar

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Buch von Ginsberg ueber die Lyrik und Dostojewskijs Spieler

mm – Russland ist im Bereich der IT Ausbildung eine der weltweit führenden Nationen. Doch wenn ein gutgemeintes Projekt mit hohem Budget aufkommt, fallen diese Experten unter den Tisch und dass Ergebnis kann dann so aussehen wie das Portal der „Nationalen Elektronischen Bibliothek“.
Wenn es einmal mehr des Beweis von staatlicher Ineffizienz und Haushaltsmittelverschwendung bedarf, dann steht die „NEB“ leider ganz vorne auf der Liste.

Ein Portal wie das Schloss von Kafka

Der Journalist Jewgenij Chaknasarow hat im Selbstversuch das seit 2004 betriebene Projekt zur Digitalisierung der russischen Nationalen Bibliothek ausprobiert und kommt dabei zu sehr ernüchternden Schlussfolgerungen.

Aus gesetzlichen Gründen müssen die User, wie beim Betreten der echten Bibliothek einen elektronischen „Propusk“ (Zugangserlaubnis) beantragen, welcher u.A. Passnummer, Akademischem Grad, Aufenthaltsstatus und Meldedaten abfragt.

Hat man den Aufwand hinter sich sollte man theoretisch Zugriff auf 1,6 Millionen digitalisierter Bücher und Dokumente haben. Doch diese im Portal aufzufinden ist aufgrund der verwirrenden und unlogischen Strukturierung fast unmöglich.

Seine Versuche Bücher von Tatjana Tolstoi, Sachar-Prilepina zu lokalisieren schlug fehl, aber auch die die gepflegten Zeilen von Puschkins Eugen Onegin, obwohl viele Ausgaben gelistet werden, waren „wie von der Geheimpolizei Nikolais des Ersten“ vor dem Volk versteckt.

Findet mann dann endlich ein Buch das einem interessiert, dann sieht mann es of nicht. Zuerst muss mann langsamen langsam laden um kurz darauf festzustellen, dass die Server der Webseite im Nirwana hängen und das Buch einfach nie erscheint.

Budget im Durschnitt 6 Millionen Euro pro Jahr

Für ein Projekt das allein 2013 ein Budget von 256 Millionen Rubel (6 Millionen Euro nach damaligem Kurs) und 326 Millionen im letzten Jahr verbraucht, ist das einmal mehr ein Beweis für staatliche Ineffizienz. Oder, was Gott behüten möchte, doch eine weitere Gelegenheit sich am Staat zu bereichern ohne wirklich zu liefern?

Die Betreiber verstecken sich hinter dem Projektstatus, der die Lösung als Beta Test-Software ausweist. Ein Grund mehr noch Jahre „weiterzuentwickeln“ und Steuergeld aufzubrauchen?

Alternativen

Beruhigend ist die Tatsache, das im RuNet ausreichend Literatur zu Verfügung steht.

Dem geneigten Leser russischer Literatur stehen eine bunte Vielfalt ausreichend funktionierende Bücherportale zu Verfügung.

– Der Marktführer ist das Portal von Maksim Moschkow „lib.ru“ mit über 6 Millionen Besuchern und 12-15 Tausend Büchern, welche jedoch nicht heruntergeladen werden können.
– Das Portal „filibusta.net“ hat z.Zt. 5.6 Millionen Besucher und über 312000 Bücher online.
– Kostenlose Bücher gibt’s auch auf „tululu.org“ mit 1,3 Millionen Besuchern.
– Mehr Schein als Sein gibt’s in der selbsternannten „größten“ Bibliothek des RuNet zu finden. Aber 790 000 Bücher sind auf aldeberan.ru zu finden
– Zeitschriften und Periodika sind im elektronischen Lesesaal des „magazines.russ.ru“ einzusehen. Hier finden Sie 22 Tausend Texte und Artikel welche von knapp 600000 Besuchern pro Monat eingesehen werden.
– Zu guter Letzt ein Spezialportal für Wissentschaftliche Literatur. Auf „sci-lib.com“ finden sich Fachliteratur online.
– Philosophen und Religionswissenschaftler seien auch die Webseite „imwerden.de“ empfohlen.
– Neben knapp 50.000 deutschprachigen Ausgaben sind auch fast alle russischen Klassiker sind im Projekt Gutenberg „gutenberg.org“ zu finden.

Fazit, alle online Bibliotheken sind besser als die offizielle nationale elektronische Bibliothek.

Bild und Redaktion: Markus Mueller, Santk-Petersburger Herold

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  • Veröffentlicht: 2 Jahren vor auf 9. Juli 2015
  • Von:
  • Zuletzt geändert: Juli 9, 2015 @ 10:00 am
  • Rubrik: Aktuell, Kultur

1 Kommentar

  1. Für Deutschschsprachige ist immerhin einiges auf anderen Webseiten zugänglich – zum Beispiel Dostojewski beim Gutenberg-Projekt:

    http://gutenberg.spiegel.de/autor/fjodr-michailowitsch-dostojewski-130

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