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„Ich kam als Gast in Euer Land gereist“ – Antifaschisten in der Sowjetunion

Von   /  4. März 2014  /  Keine Kommentare

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Von Kerstin Strey

Im staatlichen Museum für politische Geschichte Russlands ist noch bis zum 9. April die zweisprachige (russisch und deutsch) Wanderausstellung ‚„Ich kam als Gast in euer Land gereist“ – Deutsche Antifaschisten in der Sowjetunion 1933-1956‘ zu sehen. Sie ist das Ergebnis jahrelanger wissenschaftlicher, archivalischer und bibliographischer Arbeit des  aus Angehörigen der Opfer und Historikern bestehenden Arbeitskreises „Sowjetexil“. Zu sehen war die Ausstellung auch in mehreren Bundesländern der Bundesrepublik sowie in Moskau, Novosibirsk, Tomsk,  und in Kasachstan in Astana und Karaganda.

Die Geschichten 15 verschiedener Familien werden erzählt und durch persönliche Zeugnisse wie  Fotos, Briefe,  persönlichen Zeitungen und Tagebuchaufzeichnungen sowie von offiziellen Dokumenten wie Verhörprotokollen, Urteilen und Erschießungslisten ergänzt. Die Schicksale der fünfzehn Familien ähneln sich alle in ihrem Verlauf:

Ein neues Zuhause in der Sowjetunion

Mit Hoffnungen kamen sie in die Sowjetunion, als Lehrer, Facharbeiter, Wissenschaftler, Ärzte oder Künstler; sie entflohen der Wirtschaftskrise mit der Hoffnung Arbeit zu finden, emigrierten aus politischer Überzeugung oder nach 1933 als politisch Verfolgte. In der Sowjetunion bauten sie sich ein neues Leben auf: Sie fanden Arbeit, ihre Kinder gingen zur Schule, lernten Russisch, hatten Freunde, und wurden meist sozialistisch erzogen.

Die Sowjetunion wurde zum neuen Zuhause, Deutschland war den Kindern fremd geworden. Die Lebensbedingungen waren besser als in Deutschland, wo sie keine Arbeit finden konnten, ihre Kinder nicht so erziehen durften, wie sie wollten, oder verfolgt wurden.

1936 wendete sich das Blatt

Doch ab 1936 wendeten sich die Schicksale der Familien; sie wurden Opfer des stalinistischen Regimes. Als Deutsche waren sie von fortan „Staatsfeinde“. Sie wurden in Arbeitslager gesperrt, nach Sibirien oder Kasachstan verbannt, viele von ihnen kamen ums Leben. Die Kinder wurden getrennt und in Heime verfrachtet. Im berüchtigten Moskauer Hotel „Lux“ wartete damals eine ganze Gruppe deutscher Antifaschisten darauf, vom NKWD zum Verhör abgeholt zu werden. Niemand wusste, ob er zurückkehren würde oder als „Trotzkist“ oder „Agent“ ins Lager gebracht oder erschossen würde.

Das schlimmste Schicksal erwartete jene prominenten Personen aus SPD und KPD, wie Margarete Buber-Neumann, die 1939 nach dem Abschluss des Hitler-Stalin-Paktes von der Sowjetunion an Nazideutschland ausgeliefert wurden und geradewegs in den Tod oder in KZ-Haft wanderten.

Zerrissene Familien

Erst nach Jahren konnten überlebende Familienmitglieder wieder vereinigt werden,  die Rückkehr nach Deutschland  war frühestens  1950 möglich. Für die Eltern war es die alte Heimat, für die Kinder ein fremdes Land. Alle gezeigten Fotos und Dokumente entstammen dem Familienbesitz der Betroffenen sowie deutschen und russischen Archiven. Gefördert wird die Ausstellung von der Rosa Luxemburg – Stiftung  und der „Gedenkstätte Deutscher Widerstand“.

Bild: Kerstin Strey/ SPB-Herold

Bis 9. April. Staatliches Museum für politische Geschichte Russlands, ul. Kuibysheva 2-4, in der Vorhalle (Eintritt frei). Tel. (812) 233 – 70 – 52  (nur Russisch). Öffnungszeiten: Freitag bis Dienstag:  10 – 18 Uhr, mittwochs:  10 – 20 Uhr, donnerstags geschlossen.

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Schwerpunkt AVANTGARDE: Vom Musterbau zur Mausefalle – das Haus der politischen Gefangenen

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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