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Hunderte Festnahmen an Petersburger Antikorruptionsdemo

Von   /  14. Juni 2017  /  Keine Kommentare

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eva.- Dem Aufruf des Oppositionspolitkers Alexei Nawalnys folgten am 12. Juni tausende PetersburgerInnen und versammelten sich trotz Verbot auf dem Marsfeld. Nach der Weigerung, die Kundgebung an einer anderen Stelle fortzusetzen, griff die Polizei ein und nahm hunderte Personen fest –  ein Grossteil von ihnen mussten auf der Polizeiwache übernachten, weil die Gerichte überlastet waren.

Die Anzahl der Protestanten wurde je nach Quelle auf zwischen 10.000 und 15.000 Personen geschätzt. Schon auf der Höhe der Blutkirche hatten die Behörden offensichtlich mit Absperrungen und Baumaschinen den Zugang zum Marsfeld eingeschränkt, so dass sich eine riesige Menschenmenge anstaute, die sich nur sehr langsam, wenn auch diszipliniert den Weg durch das Nadelöhr bahnte.

Der grösste Teil der Demo-Teilnehmer hielt sich an den Aufruf des „Fonds gegen Korruption“ und tummelte friedlich und ohne jegliche politische Transparente oder Flaggen über das Marsfeld. Nur hier und dort war ein Nawalny-Anstecker oder eine kleine Ente am Revers zu sehen, die zum Maskottchen der Antikorruptionsbewegung geworden ist.

Ein Teil der Menge, darunter viele junge Menschen kletterten auf die Mauern um die „Ewige Flamme“, einige Zaungäste sassen mit Russland-Fahnen auf den Parkbänken und beobachteten das Geschehen. Auf dem Marsfeld fand zur selben Zeit eine patriotische Veranstaltung zum „Tag Russlands“ statt, die jedoch frühzeitig abgebrochen wurde.

Katz- und Mausspiel

Nach etwas mehr als einer Stunde begann die Polizei, die Menge aufzufordern, sich an die genehmigten Standorte, darunter der Udelny Park am nördlichen Stadtrand zu begeben und dort weiter zu demonstrieren. Als niemand darauf reagierte, begann Omon-Polizei rigoros Demo-Teilnehmer abzuführen. Dabei hatten sie alle Mühe, die Mauern um das Denkmal von den Protestanten frei zu machen, denn diese rannten fort und eroberten sich ihre Plätze zurück, sobald die Polizei weg war – ein Katz- und Maus-Spiel begann. Auf der Seite zum Sommergarten kesselte Omon-Sonderpolizei Demonstranten ein und führte sie ab.

Begeisterung weckte eine riesige, aufblasbare Ente, die in die Menge geworfen wurde und von den Leuten mit lauten Rufen in die Luft geschleudert wurde. Die Ente war während der letzten Antikorruptionsdemo im März populär geworden als Symbol für den Ententeich, den Premierminister Medwedew angeblich auf seiner luxuriösen Datscha angelegt haben soll. Doch schliesslich wurde auch das knallgelbe Ding der Menge entrissen und von Beamten in Zivil  als Beweisstück weggebracht. Wie sich später herausstellte hatten Aktivisten der Politkunst-Gruppe „Woina“ die Ente angefertigt.

Nacht auf der Wache verbracht

Die Verhaftungen wurden von „Skandal!“-Rufen begleitet. Andere skandierten „Russland ohne Putin!“ oder „Das ist unsere Stadt!“ Dabei wurden zahlreiche Leute willkürlich verhaftet, die sich noch wegen der vorhergehenden Veranstaltungen auf dem Marsfeld befanden. Die Festgenommenen wurden gepackt und zu Bussen gebracht, auf denen „Udelni Park“ als Fahrtrichtung angeschrieben war. Die meisten sollten daraufhin eine Busse oder zwischen fünf und zehn Tagen Arrest wegen Widerstand gegen die Staatsgewalt und Teilnahme an einem unerlaubten Meeting aufgebrummt kriegen.

Doch bis dahin mussten in St. Petersburg über 500 Personen die Nacht auf den Polizeiwachen verbringen. Insgesamt wurden während den Protestaktionen in ganz Russland 1790 Personen festgenommen – das sind Rekordzahlen. Laut dem Antikorruptionsfonds entfielen davon 1550 auf St. Petersburg und Moskau. Unter den Festgenommenen befindet sich auch der Organisator Alexei Nawalny, der in Moskau zu 30 Tagen Arrest verurteilt wurde, weil er die Leute dazu aufgerufen hatte, statt auf der Route auf dem Sacharow-Prospekt, auf der Twerskaja-Strasse aufzumarschieren.

Bilder: Eugen von Arb/ SPB-Herold

www.fontanka.ru

www.newsru.com

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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