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Homophobie: Gesellschaftskritisches Stück des Raikin-Theaters behindert

Von   /  15. Februar 2016  /  Keine Kommentare

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eva.- Die Aufführungen des Theaterstücks „Sämtliche Blau-Nuancen“ von Konstantin Raikin, die das Theater „Baltijski Dom“ am 13. und 14. Februar zeigte, wurden durch Bombendrohungen und religiöse Fanatiker gestört. Das Publikum liess sich dadurch nicht stören und nahm sämtliche Unannehmlichkeiten geduldig auf sich.

An beiden Abenden wurde die Aufführungen durch falschen Bombenalarm unterbrochen, und erst nachdem der gesamte Theatersaal mit Polizeihunden durchsucht worden war, konnten die jeweils 800 Zuschauer wieder in den Saal. Ausserdem standen vor dem Theater Mitglieder der homophoben „Volkskirche“ Pikett und versuchten die Theatergäste davon abzubringen, sich das Stück anzuschauen.

Die Aussage des Stücks „Sämtliche Blau-Nuancen“ („Vse ottenki golubovo“) ist ebenso deutlich wie mutig. Es stellt den gesellschaftlichen Spiessrutenlauf dar, den ein russischer Jugendlicher durchläuft, nachdem er sich als Homosexueller geoutet hat. Zuerst versuchen seine Eltern ihn „umzustimmen“. Sein Vater, ein Berufssoldat bekennt, dass er weder Tod noch Feind fürchte, aber dennoch Angst vor seinem homosexuellen Sohn habe.

In der Psychiatrie „zu Tode geheilt“

Sein Versuch, den Sohn durch eine Prostituierte „auf den Geschmack“ zu bringen, schlägt ebenso fehl wie all die anderen gut gemeinten „Ratschläge“ von Freunden und Bekannten. Schliesslich wird der Sohn in einer psychiatrischen Klinik „zu Tode geheilt“. Die zeitgenössische Inszenierung enthält zahlreiche kritische und satirische Andeutungen auf die Homosexualität in Russland.

Zum Beispiel wird Tschaikowskis Schwanensee gespielt, ein Stück, das in diesem Zusammenhang zweierlei Botschaften enthält: Zum einen war der grosse russsische Komponist homosexuell und litt zeitlebens darunter, dass er seine Neigung verstecken musste.

Homophobe russische Gesellschaft

Zum anderen gilt „Schwanensee“ in Russland als Synonym für das Vertuschen und Verdrängen von Problemen, weil das sowjetische Fernsehen während des Putschs von 1991 anstelle von Nachrichten ununterbrochen eine Aufzeichnung des Balletts im Bolschoi Theaters sendete.

Tatsächlich ist die russische Gesellschaft stark homophob, was kürzlich eine Umfrage erwies. Darin bekannten 81 Prozent der Befragten, dass Homosexualität bei ihnen Missbehagen auslöse, während nur 12 Prozent daran nichts Schlimmes fanden. Petersburg wurde weltweit bekannt durch seinen homophoben Stadtabgeordneten Vitali Milonow, den Autor des „Verbots der Homosexuellen-Propaganda“, das heute in ganz Russland gilt.

Bild: Pressebild Raikin-Theater

www.fontanka.ru

www.echo.msk.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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