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Hör mal Hin, was der Krieg mit ihnen angerichtet hat – eine Ausstellung

Von   /  26. Februar 2017  /  Keine Kommentare

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Von Andreas Rossbach

Die Klanginstallation„Horchposten 1941 я слышу войну“ beschreibt den Zweiten Weltkrieg – aus russischer und aus deutscher Sicht. Besuchern des jeweiligen Landes soll die Nazizeit und der Krieg aus dem Blickwinkel des ehemaligen Feindes eröffnet werden.

„Die deutsche Idylle ist vorbei, jetzt beginnt die deutsche Tragödie des Krieges. Gestern haben die Deutschen gegenüber von der Apotheke zwei Männer und eine junge Frau gehängt, wegen Plünderung“, sagt eine Frauenstimme aus Kopfhörern. Die Besucher der Installation „Horchposten 1941 я слышу войну“ im Staatlichen Museum für politische Geschichte Russlands in Sankt Petersburg sitzen auf Stühlen in einem Raum und hören intime Texte von Zeitzeugen des zweiten Weltkrieges.

Geschichte wird in Geschichten erzählt, um sich an die Schrecken des Ostfeldzuges des Zweiten Weltkrieges, insbesondere die Leningrader Blockade, zu erinnern. Doch die, die damals dabei waren, werden immer weniger. Was bleibt an Erinnerung, wenn uns niemand mehr davon erzählen kann? Wird der Krieg vergessen werden?

Vergangenheit deuten

Nein, „Geschichte ist an sich etwas dynamisches, was auf unsere Gegenwart einwirkt, diese Gegenwart können wir nur gestalten, indem wir uns darüber klar und bewusst sind, dass in der Art und Weise wie wir die Vergangenheit deuten und welche Bedeutung wir ihr geben, wir unsere Gegenwart auch verändern“, sagt Jochen Langer, der zusammen mit Andreas Westphalen für das Konzept, die Textauswahl und die Regie der Installation verantwortlich ist.

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Die Vergangenheit ist gegenwärtig und der erste und zweite Weltkrieg habe die Grundlage für die tecktonischen Verschiebungen des 20 Jahrhunderts gelegt und diese würden uns gerade auf die Füße fallen, so Langer. Krieg ist ein hochaktuelles Thema, das spiegelt sich etwa im Ukraine- oder Syrien-Konflikt wider.

Hören, was im Kopf des anderen vor sich geht

Die interaktive Installation ist eine intime und akustische Textlandschaft, in der man die Erinnerungen von Leuten hört, die erzählen was sie im Krieg erlitten, erlebt und getan haben. Durch die gesprochenen Texte bekommt man einen unmittelbaren Zugang zu den Gedanken dieser Menschen. „Wir treten so in einen Dialog, zwischen Texten und Hörern, einen Dialog mit den Menschen, die sich in dieser Textlandschaft bewegen und fördern einen Dialog zwischen zwei Völkern, die momentan in einer politischen Situation sind, in der reden und einander zuhören und verstehen wollen die elementaren Dinge sind, um unsere Gegenwart zu gestalten“, erklärt Langer.

Hörbeispiel:

Die Kernidee der Regisseure: ein Perspektivwechsel, die Klanginstallation soll den russischen und deutschen Besuchern nicht nur die Erfahrung der Kriegsgeneration im eigenen Land präsentieren, sondern auch ermöglichen, den Blickwinkel des ehemaligen Feindes einzunehmen. Dadurch gibt die Installation die Gelegenheit zu einem dialogischen Erinnern, jenseits der typischen nationalen Blickwinkel. Hinzu kommt, dass die Autoren die mediale Überflutung in Kriegserinnerungskultur umgehen wollten, deswegen haben sie sich bewusst nur auf den Klang der Stimmen zu reduzieren.

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Der Klangraum der interaktiven Installation ist in insgesamt fünf Zonen aufgeteilt: das sowjetische und das deutsche Hinterland, die Front beziehungsweise das jeweilig kontrollierte Gebiet beider Länder sowie im Zentrum die Blockade von Leningrad. Der Besucher kann sich frei durch den Raum bewegen und seinen persönlichen Parcours wählen. So kann er beispielsweise im deutschen Hinterland die Propaganda und die Ausarbeitung des „Generalplan Ost“ verfolgen, und im sowjetischen Hinterland den Horror der deutschen Belagerung der Stadt Leningrad aus der Perspektive der eingeschlossenen Menschen hören.

Hörbeispiel:

 

Der interkulturelle Dialog hat bereits 2014 begonnen. Zuerst haben wurde nach Tagebüchern und Briefen sowie Zeitdokumenten aus Wirtschaft, Presse und der politischen und militärischen Administrative beider Länder begonnen. Dann wurden ausgewählten Texte über einen Zeitraum von Schauspielern beider Nationen eingesprochen.

Vom Radio ausgestrahlt

Neben der Klanginstallation wird „Horchposten 1941 я слышу войну“ auch von Deutschlandfunk, Radio Echo Moskau und dem Westdeutschen Rundfunk im Mai als Hörspiel ausgestrahlt. Die Sender haben das Projekt koproduziert. Das Projekt wurde von der Friedrich-Ebert-Stiftung, Zeit-Stiftung und der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ (EVZ) unterstützt.

Selbstverständlich gibt es auch heute immer noch Kriege, die viel zu viele Menschenleben kosten: Bürgerkriege mit und ohne Fremdintervention, Kriege reicher Länder gegen arme, und versteckte Kriege. Trotzdem: Wir leben in einer Zeit des relativen Friedens, auch wenn das Wort so umstritten ist, wie die Definition von Krieg. Während uns Arbeiten wie „Horchposten 1941 я слышу войну“ helfen, nie zu vergessen, was passiert ist, ist es ebenfalls an der Zeit, unsere gegenwärtige Welt wertzuschätzen, schützend zu erhalten und noch besser zu machen.

Bild: Vasily Yablokov, DW

Bis 22. März. Staatliches Museum für politische Geschichte Russlands, ul. Kuibysheva 2-4. Tel. 233-70-52. Eintritt 200 Rubel. www.polithistory.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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