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Harsches Vorgehen gegen demonstrierende Feministinnen am russischen Frauentag

Von   /  11. März 2017  /  Keine Kommentare

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Von Andreas Rossbach

Am Weltfrauentag wurden mehrere Feministinnen bei friedlichen Protestaktionen in St. Petersburg und Moskau festgenommen. Die Frauen verhielten sich friedlich, sangen Lieder und hielten Plakate hoch. Obschon die Aktionen nicht von den Behörden genehmigt worden waren, empörte sich die Öffentlichkeit über die oft grobe Reaktion der Polizei.

“Alle Menschen sind Schwestern” sang die Menschenmenge, die sich an der Malaya Sadovaya Ulitsa in St. Petersburg versammelt hatte. Hunderte waren am 8 März zu der mit den Behörden nicht abgestimmten Demonstration gekommen. Frauen und Männer versammelten sich, um sich gemeinsam für die Rechte der Frauen stark zu machen. Dabei ging es um Frauenthemen, wie etwa die kürzlich verabschiedete Gesetzesänderung zu häuslicher Gewalt oder Ungleichheiten und Diskriminierung am Arbeitsmarkt.

Alles begann friedlich, die TeilnehmerInnen sangen ausgelassen ihre Lieder, etwa “Die Mauern werden verschwinden” oder „Ich gehe wohin ich will und wann ich will“. Inmitten der Menschentraube stand eine Aktivistin mit einem Plakat, das den Sturz des Patriarchats symbolisieren sollte und ihr später von der Polizei abgenommen wurde.

Polizei griff noch vor Marschbeginn ein

Doch dabei blieb es nicht, denn bevor sich der Protestzug in Bewegung setzen konnte wurden bereits drei Feministinnen gewaltsam von der Polizei festgenommen. Nach Angaben der Gruppe OVD-Info, die Festnahmen von Aktivisten in Russland dokumentiert, wurden bis zum Ende der Aktion in St. Petersburg  sieben Frauen festgenommen.

Nach der ersten Verhaftung setzte sich die Menschenmenge in Bewegung und marschierte den Newski Prospekt entlang in Richtung Dworzowaja Ploschad. Und weil der Protest nicht von den Behörden genehmigt wurde, stets unter der strengen Beobachtung der Polizei, die die TeilnehmerInnen filmte und stichprobenartig die Ausweise vieler Leute kontrollierte. Problematisch waren vor allem Plakate, denn laut russischem Gesetz ist es nicht erlaubt, Plakate mit Sprüchen mit sich zu tragen, wenn es sich um einen nicht angemeldeten Protest handelt.

“Schämt euch!” – “Lasst die Frauen frei!”

Dass die Polizei so hart durchgriff, stieß dennoch bei den meisten Menschen, die gekommen waren auf Unverständnis. Immer wieder kam es unterwegs zu Festnahmen unter den lauten Buhrufen der Menschenmenge, die den Polizisten zurief “Schämt euch!” oder “Lasst die Frauen frei!”. Ein Teilnehmer sagte “Schau mal was auf dem Plakat steht, da steht doch nur Feminismus ist Humanismus”.

Der Protestmarsch endet schließlich etwa 2,5 Stunden später am Palastplatz. Der Journalist David Frenkel postete am späten Abend aus der Polizeistation 78 in der Chevoskaya ulitsa, dass insgesamt 14 Feministinnen festgenommen worden waren und etwa sechs Stunden nach Beginn der Aktion wieder freigelassen wurden.

Auch in Moskau wurden Aktivisten verhaftet

Auch in Moskau kam es bei einer Protestaktion am 8. März zu Verhaftungen. Unter den Festgenommen am Weltfrauentag waren nach Angaben der Webseite von OVD-Info auch zwei Journalistinnen der Oppositionszeitung „Nowaja Gaseta“ und eine Fotografin. Sie waren zur Befragung auf eine Polizeiwache gebracht worden.

Eine der Aktivistinnen, die Performance-Künstlerin Jekaterina Nenaschewa, veröffentlichte ein Video von der Protestaktion bei Facebook und schrieb dazu “Feministinnen aus Moskau und St. Petersburg, die den Kreml erobert haben, gratulieren euch zum 8. März”. Die Feministinnen in Moskau spielten mit den Spruch auf dem Plakat auf die Zarin Katharina die Große an. Die letzte Herrscherin Russlands starb 1796, also vor über 200 Jahren. Laut dem Fernsehsender TVrain.ru stand auf anderen Transparenten “Eine Frau als Präsidentin!” oder etwa “Wir sind die Mehrheit!”.

Bilder: Andreas Rossbach

www.ovdinfo.org

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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