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Gouverneur Poltawtschenko auf PR-Tour bei den Bloggern

Von   /  16. August 2012  /  Kommentare deaktiviert für Gouverneur Poltawtschenko auf PR-Tour bei den Bloggern

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TOPTICKER.- Nach monatelangem Schweigen scheint der Petersburger Gouverneur Georgi Poltawtschenko gesprächig geworden zu sein. Er traf sich mit 19 der bekanntesten Blogger Russlands und diskutierte mit ihnen die brennendsten Probleme der Stadt – dahinter wird eine PR-Kampagne vermutet.


Noch vor einer Woche war das Stadtoberhaupt für sein „verstecktes“ Regieren kritisiert worden, nun trat Poltawtschenko plötzlich an die Öffentlichkeit. Doch blieb es nicht bei einer Regierungssitzung – er suchte sogar den Kontakt, mit jenen, die ihn am ärgsten kritisiert hatten – die Blogger selbst.

Während eines Empfangs im Neubau der Eremitage im Generalstab im Beisein des Museumsdirektors Michail Piotrowski versuchte er mit den Stimmen aus dem Internet persönlich in ein lockeres Gespräch zu kommen. Gleichzeitig zog er eine Bilanz über sein erstes Regierungsjahr.

Poltawtschenko liebt das Volk und nicht die Medien

Das Resüme der Begegnung konnte man anschliessend in den Internet-Tagebüchern der geladenen AutorInnen lesen. Wie der Blogger „Fima Psuchopadt“ schreibt, hat Poltawtschenko die Blogger als einen der fortschrittlichsten Teil der Gesellschaft bezeichnet.

Das stimme nicht mit der Aussage von Ministerpräsident Medwedew überein, der kürzlich äusserte, dass Diskussionen im Internet wenig mit der Wirklichkeit gemeinsam hätten, so der Blogger.

Des weiteren wurde bekannt, dass der Gouverneur die Presse nicht sehr mag und sich möglichst wenig mit Journalisten, aber dafür mit um so öfter mit Menschen treffe. Die Möglichkeit, sich unbeschwehrt mit einfachen Leuten abzugeben, habe Poltawtschenklo, erklärte „Fima Psuchopadt“ – schliesslich erkenne ihn noch heute niemand auf der Strasse.

Wer lebt besser, die Städter oder die Menschen in der Region?

Auf das Thema Vereinigung der Stadt Petersburg mit dem Leningrader Gebiet angesprochen, sagte Poltawtschenko, das sei erst möglich, wenn die Menschen in der Region denselben Lebensstandard erreicht hätten wie die Städter – und trat damit tief in den Fettnapf.

Der Gouverneur des Leningrader Gebiets Alexander Drosdenko gab sich ab dieser Aussage betupft und konterte gleich mit einer Statistik, die beweisen sollte, dass der Lebensstandard in seiner Region weit höher sei als in Petersburg.

Regierungssitzung am selben Tag

Poltawtschenko versuchte den Eindruck zu vermitteln, er habe die Lage in der Stadt unter Kontrolle – nach einem Jahr kenne er die vordringlichsten Fragen der Stadt, die gelöst werden müssten. Zu ihnen zählt er die Verkehrsprobleme, die Auflösung der Kommunalwohnungen – und die Erhaltung des historischen Stadtzentrums.

Es wird vermutet, dass der plötzliche Auftritts Poltawtschenkos nicht sein persönlicher Entschluss, sondern eine Idee der PR-Firma „Gorod-22“ war, die das angeschlagene Prestige des Politikers aufpolieren soll.

Am selben Tag fand eine Regierungssitzung im Smolny statt, an der bekannt wurde, dass die Stadt grosse Mühe hat, die Budgetvorgaben einzuhalten. Poltawtschenko schärfte den Vorstehern der Ministerien ein, die Bilanz einzuhalten und gab zu verstehen, dass Verstösse personelle Konsequenzen haben würden.

Niedrigere Steuern für höhere Löhne

Gleichzeitig überraschte der Gouverneur mit einem ebenso unkonventionellen wie umstrittenen Angebot an die Wirtschaft: Da das Lohnniveau in Petersburg seiner Meinung nach zu langsam steige, sollten jene Firmen, welche die Gehälter erhöhten, mit Steuervergünstigungen belohnt werden.

Der Vorschlag ist unerwartet, weil die fehlenden Steuergelder in der Stadt schon lange ein Thema sind. Inwiefern sich die Lage durch eine Erhöhung der Kaufkraft der Bevölkerung beheben lässt, ist fragwürdig.

Bild: www.gov.spb.ch

www.neva24.ru

www.fontanka.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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