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GM-Abzug: Opel steigt aus Russland aus

Von   /  20. März 2015  /  Keine Kommentare

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spn./eva.- Der US-Autogigant GM baut seine Präsenz in Russland drastisch ab. Die Marke Opel zieht sich komplett ab. Der Konzern verweist dabei auf rein wirtschaftliche Gründe. Tatsächlich gehen seine Verkäufe am russischen Markt schnell zurück. Ford möchte die Nische einnehmen, doch sind die Erfolgsaussichten für den Sollers-Konzern zweifelhaft.

Ein GM-Sprecher bestätigte der Agentur Ria Novosti, dass das Produktionswerk im Gebiet St. Petersburg Ende Juni stillgelegt werden soll. Im laufenden Jahr wird auch die Produktion in Nischni Nowgorod eingestellt. Das Produktionswerk in Kaliningrad hatte nach eigenen Angaben bereits im März das Fließband gestoppt. Jetzt will GM nur noch solche Autos in Russland verkaufen, die im Ausland gebaut wurden. Das Angebot wird dabei deutlich reduziert. Lediglich teurere Marken wie Cadillac sowie Chevrolet Tahoe, Camaro und Corvette bleiben erhältlich. Die preiswerteren Chevrolet- und alle Opel-Modelle verlassen den russischen Markt mit seiner „unklaren langfristigen Perspektive“, wie der Konzern erklärte.

Konzernchef Dan Ammann erläuterte: „Dass wir unser Geschäftsmodell in Russland ändern, ist Teil unserer globalen Strategie mit dem Ziel, einen langfristigen Erfolg auf den Märkten zu sichern, auf denen wir präsent sind.“ Im Jahr 2014 waren die GM-Verkäufe in Russland um 26,4 Prozent zurückgegangen. In den ersten zwei Monaten 2015 schrumpften sie sogar um 74,6 Prozent. Artjom Dejew, Chefanalyst von AMarkets, sagte im Gespräch mit der Onlinezeitung Gazeta.ru: „Der GM-Abzug ist natürlich ein Schock“. Offenbar sei dieser Abgang nicht kurzfristig, denn die Großkonzerne hätten keinen Glauben mehr daran, dass sich der Automarkt mittelfristig erholen würde, hieß es.

Opel hatte gute Marktposition

Oleg Dazkiw, Entwicklungsdirektor des Branchendienstes auto-dealer.ru, kommentierte für die Onlinezeitung: „Im Vergleich zu koreanischen und europäischen Herstellern haben US-Konzerne generell ganz wenig in Russland investiert. Es gab mehr Worte als reale Taten. Die Marktpräsenz nordamerikanischer Marken wie Cadillac war minimal. Mit Opel hatte GM dagegen sehr gute Marktpositionen. Deshalb ist diese Entscheidung eine Überraschung. Würde der Konzern die Cadillac-Produktion völlig einstellen, wäre das logischer gewesen. Auch mit Chevrolet kam es ziemlich überraschend.“

Die russische Regierung reagierte mit Bedauern über den Rückzug des Autokonzern, gab jedoch zu bedenken, GM könnte den Schritt im Fall eines erneuten Aufschwungs bereuen. Anderer Meinung war der Auto-Spezialist und Radio-Moderator beim Sender „Echo Moskwy“, Alexander Pikulenko. Er verstehe den Rückzug von GM in einem Land mit einem so ungünstigen politischen Klima für Unternehmen. Als Beispiel wies er auf Forderungen von Duma-Abgeordneten hin, Autohersteller zu neuen Abgaben zu verpflichten oder ihre Betriebe zu nationalisieren.

Ford buhlt um GM-Händler

Ford Sollers will nach dem Rückzug von General Motors (GM) die frei werdende Nische auf dem russischen Automobilmarkt einnehmen, schrieb die Zeitung „RBC“. Der US-Konzern will den GM-Kunden Service und Trade-in-Varianten anbieten. Außerdem plant Ford Sollers eine Kooperation mit den Autohändlern in den Regionen. Nach Angaben von Ford Sollers sollen Kunden beim Kauf eines neuen Ford-Fahrzeugs einen Rabatt von rund 770 Euro bekommen, wenn im Gegenzug ein Gebrauchtwagen der Marken (Trade-In) abgegeben wird, die in Russland nicht mehr verkauft werden.

In Russland gibt es rund 310 Opel- und Chevrolet-Autohändler. Nach dem GM-Rückzug droht der Hälfte von ihnen die Schließung. Trotz des Angebots von Ford Sollers lassen sich die Händler Zeit für den Umstieg auf eine neue Marke. Wie der Geschäftsführer des Autohändlers Avtomir, Vitali Groschenkow, sagte, werden neben Ford auch anderen Marken als Ersatz für GM erwogen.

Chevrolet steigt auf Ende Jahr aus

Auch in den russischen Regionen sind die Autohändler noch unschlüssig in Bezug auf den neuen Vertragspartner. „Wir haben drei Marken – Opel, Chevrolet und Chevrolet-Niva… In Bezug auf Chevrolet, wie es in der Pressemitteilung heißt, soll die Marke bis Jahresende den russischen Markt verlassen. Das bedeutet jedoch nicht, dass sie sich jetzt schon zurückziehen“, sagte Alexander Pinajew vom GM-Autohändler in Kursk. Ihm zufolge wird das Unternehmen nach dem Verkauf aller Fahrzeuge aus dem Lager mit anderen Marken handeln, die nicht unbedingt Ford sein müssen.

Für Ford Sollers wird es wohl nicht einfach werden, die frei werdende Nische zu besetzen. Die Verkaufszahlen von Opel und Chevrolet lagen im vergangenen Jahr bei 188.200 Autos. Ford Sollers kann nicht mehr als 125.000 Autos produzieren. In diesem Jahr will Ford mindestens vier neue Modelle auf den russischen Markt bringen, darunter die neuen Ford Mondeo, Ford Focus und Ford Fiesta. Das könnte attraktiv für Händler sein, die erst seit kurzem mit GM kooperieren.

Der Bau eines Autohauses kostet rund sechs bis sieben Millionen US-Dollar, schwarze Zahlen schreiben die Händler gewöhnlich erst nach sieben bis acht Jahren. Händler, die erst seit einigen Jahren Opel und Chevrolet verkaufen, müssen jetzt zu einer neuen Marke wechseln, um ihre Investitionen zu amortisieren.

Bild: Der sowjetische Schiguli (rechts) hat sich auf dem russischen Automarkt als zäher als Opel erwiesen. (Foto: Lisa Risager/ Wikimedia Commons)

www.sputniknews.com

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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