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„Give a Guy a Green“ – wie Carlsberg-Bier mich durch mein Leben begleitet

Von   /  21. Februar 2009  /  Keine Kommentare

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Markus Müller – Die ganz außerordentlich gute Jahresbilanz der Baltika Brauerei hat mich bei der Recherche an längst vergangene Zeiten meiner Vita erinnert. Darum Heute einmal ein ganz persönlicher Wirtschaftsbericht der anderen Art.

11% mehr Gewinn, 0.7% Marktanteil ausgebaut und solide Finanzen. Seit 2008 ist Baltika die Marke mit dem höchsten Hektoliterausstoß in Europa. Und somit BRAND № 1. Die Baltika Breweries Holding ist eine Tochter der Dänischen Carlsberg Brauerei. Mit knapp 13% (incl. Baltika) Anteil am Weltmarkt ist die Carlsberg die Nummer 5 der Brauereigroßkonzerne.

Dabei hätte die Geschichte von Carlsberg auch anders ausgehen können – alles begann in einem kleinen Land in Afrika, welches 1966 gerade seine Unabhängigkeit feierte, und beim Schreiben merke ich, dass die Marke mich auch später an alle wichtigen Stationen meines Lebens begleitet hatte, ohne das ich es bis zur heutigen Recherche realisierte.

Die erste Begegnung mit „Green“ – so heißt die  beliebteste der drei Carlsberg Marken ( GOLD, BROWN & GREEN ) in Malawi war jedenfalls genauso eindrücklich positiv wie mein erstes sowjetrussisches Bier (Shigolowskoe Nr ?, 1988 in Minsk). Shigolowskoe gehört inzwischen auch zu Baltika und somit zu Carlsberg Imperium.

C&C – Cash & Carry – Commonwealth oder Comunism ?

Der „Life Präsident Ngwazi Dr. Mzulu Hastings Banda“ hat die Unabhängigkeit von den ehemaligen Kolonialherren der Kolonie „Njassaland“ mehr oder weniger geschenkt bekommen. Es war gerade nicht mehr modern sich mit Kolonien zu schmücken und nachdem Indien seine Freiheit unter Gandhi friedlich erstritten hat, bestand die Gefahr das sich eine Kolonie nach der anderen dem Kommunismus zuwendet. Da halfen die Briten lieber aktiv Ihr Imperium in ein freieres Commonwealth zu überführen. Der auserkorene neue Präsident, Jahrgang 1896, musste also überredet werden „nicht in Rente zu gehen“ und das gemütliches Heim in London zu verlassen um als Präsident der Republik eingesetzt zu werden.

So kam es, dass der in London als Arzt praktizierende Fan britischer und preußischer Tugenden das Land  – soweit man das sagen kann – als wohlwollender Diktator regieren konnte.  Gegen Ende seiner Amtszeit im Jahr 1993 war er bereits so senil wie Breschenew und die Macht hatte bereits seine Entourage in den Händen. Der knapp 100 Jährige wurde nur noch als Grüssaugust vorgeschoben.  Bis es jedoch soweit war,  reiste er Jahr für Jahr zur „Crop Inspection – Erntekontrolle“ übers Land, verkündet den Untertanen das jetzt gerade wieder Zeit zum Säen bzw. Ernten ist.

Wenn nicht persönlich,  so verkündete er die Termine eben im Radio, Fernsehen fand er kontraproduktiv und ich bezweifele das die Einführung des ersten TV-Kanals 1990 sein Gefallen fand. Er war sozusagen ein netter alter Papa,  der wusste was gut für seine Kinder ist, aber eben auch ein Diktator der keine Schwarzen Schafe in der Landesfamilie duldete und somit gab es auch keine sichtbare Opposition.

Lauwarme Cervisia

domasi valley zomba malawi

1966 kam also der Dänisch Außenminister (ich vermute es war Per Haekerup, Carlsberg schweigt zu dem Thema) zur offiziellen Party nach Malawi und das Bier war furchtbar. (Siehe Band 8 „Asterix bei den Briten“ Stichwort lauwarme Cervisia). Als Liebhaber einheimischer dänischer Getränke erkennt er das Potential des Landes zum Bier brauen, denn als Hauptnahrungsmittel wird hier ja Mais angebaut.

Ja – Reinheitsgebot hin oder her – in Malawi kommt Mais ins Bier. Und jeder Reinheitsgebotsrassist darf gerne mal in einen Doppelt-Blind-Test ausprobieren ob er das auch rausschmecken kann.  Wichtige Bedingung – der Tester stapft wie ich damals 30km durchs Buschland um zum Bier zu gelangen. Offensichtlich vermisste der frisch exportierte Kamuzu Banda auch sein lauwarmes englisches Bier und die beiden wurden sich schnell einig.

Die 1968 gegründete Carlsberg Malawi Brewing Brewery Limited war somit die erste Carlsberg Brauerei außerhalb von Dänemark und der  Beginn einer globalen Erfolgsgeschichte der Dänen.

Roll Back the Memories –



Vor genau 25 Jahren war ich als Junger Student für 4 Monate in Malawi, Zentralafrika. Noch nicht wirklich der Milch ent- bzw. an das Bier gewöhnt,   wunderte ich mich über das fantastische Gebräu das man dort wirklich in jedem Ort – und sei es Mitten im Nirgendwo und im kleinsten Dorf Malawis kaufen konnte. Die Wandlung zum Biertrinker war programmiert.

Malawi hatte 1984 gerade mal 2 Hotels an einem fast 600km langen See der nach dem Baikalsee der 2. tiefste See der Erde ist.  Da er mit köstlichem, sauberem Süßwasser gefüllt ist und innerhalb der Wendekreise liegt, hat der See einer der artenreichsten Fischpopulationen überhaupt. Er ist Herkunftsort unzähliger bunter, endemischer*, Fische für die Aquariumliebhaber und deren Export ist ein wichtiger Geschäftszweig.

Ein Kwatscha für ein Bier

Einer der schönsten Strände Malawis war bereits von den Engländern zu Kolionalzeiten erschlossen. Er liegt am Ende der Halbinsel Cape McClear hinter dem Ort Monkeybay. Der Ort wurde von den Kolonialisten Golden Sands genannt und liegt am Anderen Ende einer Bucht in der Nähe vom Dorf Chembe. Die letzten 30km musste ich allerdings zu Fuß zurücklegen. So kam ich sehr erschöpft und vor allem sehr durstig dort an.

Zauberhaft, extrem klares Wasser im See und aus heutiger Sicht ein echter „ÖKO“ Campingplatz. Es gab kein Strom und, mir damals sehr angenehm, auch keine anderen Gäste.

Als ich ein eiskaltes Bier in der kleinen Bar erhalten habe war ich extrem überrascht. Das kühle Blonde war tatsächlich kühl und blond. Das Premium Bier „Gold“ kostete genau 1 Kwacha und 10 Tambalas. Aber mit meinem Mini Budget entschiede ich mich für Green das Marketing gerecht genau 1 Kwacha kostete. Klasse !

Kühlkerzen

Neugierig und in im Standesbewusstsein eines zukünftigen Maschinenbauers musste ich dem Geheimnis des kühlen Biers auf den Grund gehen. Der belustigte Barkeeper führte mich zu seinem Kühlschrank im Freien, dessen Aggregat mit einem Paraffin-Verdampfer gekühlt wurde. Der Schock war doppelt, da ich als selbsternannter „Techniker“ von so was noch nie gehört hatte. Eine Kerzenflamme zum Kühlen ?
Nach einer Woche Urlaub am Strand und vielen „Green“s später wusste ich dann alles über Paraffin-Kondensator-Kühlschränke und hatte Einiges über die Geschichte von Carlsberg in Malawi gelernt.

Ein Land ein Bier

Carlsberg Malawi  hat es tatsächlich geschafft, nicht nur eine Brauerei in der ehem. Hauptstadt Blantyer zu installieren und binnen 2 Jahren 97% des lokalen Biermarkts zu erobern, sondern vollbrachte auch das logistisches Meisterstück, Bier und Paraffin-Kühlschränke über das ganze Land zu verteilen. 1982 hatte die Firma die Bier-Zivilisation und den Kapitalismus bereits seit 14 Jahren etabliert. Viele Berufe hingen am Betrieb der neuen Bars und Bierschenken in allen Landesteilen. Shops, Barkeeper, Lastwagenfahrer, Kühlschrank“schmiede“, Bardamen, Musiker und glücklicher Kunden. Ein gutes Beispiel für alle folgenden Unternehmen die sich in die gleiche Infrastruktur einhängen konnten.

Eines kann man den Brauern aber nicht nachsagen, nämlich dass sie den Alkoholismus förderten. Die Stämme Malawis hatten bereits Ihr traditionelles Hirsebier „Chibuku“. Ein alkoholschwaches Gebräu, das früher noch durch kauen und ausspucken erzeugt wurde, und das dennoch gerne in Übermassen getrunken wurde. Es war wie bei uns das Bier im Mittelalter „die gesündere Alternative“ zum ungefilterten Brunnenwasser.  Die Marke „Chibuku“ wurde 1983 hygienisch korrekt im Tetrapak geliefert und ohne vorgekaute Enzyme hergestellt. Keiner Frage, auch Chibuku wurde allerorten in den Carlsberg Paraffin Kühlschränken eingelagert.

So oder ähnlich hat der Kapitalismus sich ja auch durch die neue russische Heimat während und nach der Perestroika gewühlt – mit Coca Cola (in Sowjetzeiten gab’s ja nur Pepsi) und gutem Bier im Gepäck.

Give a Guy a Green

Mit dem Bier kam auch die Werbung ins Land. Auf jeder geeigneten Hauswand, egal ob Lehmhütte oder Amtsgebäude, sie wurde von wirklich begabten Schildermalern mit „Give a Guy a Green“ bepinselt. Ein lachender einheimischer Konsument und die grüne Flasche – fertig war die Großmalerei. (ich forsche noch nach Bildern aber ich werde sie ankündigen wenn ich ein Foto der Originalreklame finde…)

Nach 10 Jahren Baltika Abstinenz habe ich kürzlich dann wieder mal ein „Green“ also ein BALTIKA 3 probiert. Und es hat super geschmeckt.  Mal sehen was die Baltikas und Carlsbergs sonst noch so auf die Beine stellen. Meinen Segen haben sie jedenfalls.

Photos: Menzies Mublings, Photo of Mumbo Island courtesy of Kayak Africa

*endemische Arten – Tier Arten welche nur an einem einzigen Ort, Gewässer oder Region vorkommen. Klar man könnte auch sagen, Eisbären sind in der Arktis endemisch und Menschen auf der Erde endemisch, aber meist ist wirklich ein kleineres abgegrenztes Gebiet gemeint.

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