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„Gescannte“ Natur und Gefühle – Christian Schütz im Russischen Museum

Von   /  6. Juli 2012  /  Keine Kommentare

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Von Eugen von Arb

Der digitale Künstler Christian Schütz verbindet zwei Welten, von denen man im allgemeinen annimmt, sie seien unvereinbar. In seinen Werken, die unter dem Titel „Im Kosmos der Zeichen“ im Marmorpalast zu sehen sind, stellt er Natur, Gefühle und Musik mit Hilfe des Computers dar (Fotogalerie).


Hinter der Illusion der digitalen Bilderwelt gibt es ein verborgenes Reich der Kreativität, das nur die allerwenigsten gesehen haben. Nur wer zufällig einmal ein „beschädigtes“ oder „misslungenes“ Digitalfoto geöffnet hat, kann anhand seiner Leuchtkraft erahnen, dass ein Farbenkosmos existiert, der bisher kaum erforscht wurde.

Auf die Idee sei er gekommen, als er Ende der Neunzigerjahre in Amerika eine koreanische Musikerin kennenlernte, deren Musik er umzusetzen versuchte, erzählt Schütz. Er baute sich einen eigenen leistungsfähigen Computer und begann mit Pixeln zu malen. Technisch sei das zunächst nicht einfach gewesen, weil die damaligen Computer bei grossen Grafiken oft an die Grenzen ihrer technischen Möglichkeiten kamen.

Der mathematische Musiker – Bach

Schütz setzt mit dem „kalten“ Rechner Dinge um, welche von den meisten bisher zur subjektiv-organischen „Gegenwelt“ gezählt wurden – zum Beispiel Musik, zum Beispiel Bach. Die Bezeichnung „BA-CH 50“, die auf den ersten Blick wie eine technische Typenbezeichnung aussieht, verweist auf eine von Bachs Variationen.

Schon seit jeher ist die Musikwelt von der genialen Kombinationsgabe des Komponisten fasziniert, dessen Musik nicht nur schön, sondern gleichzeitig voller mathematischer Kunststücke sind. Auch in der Kunst von Schütz schafft er eine Brücke zwischen Musik und Computer.

Feine Farbstufen, harter Pixel

Aus der Distanz erscheinen die Übergänge in den meist abstrakten Farbstudien fein wie bei einem Aquarell – geht man näher erkennt man hingegen „harten“ Abstufungen der einzelnen Bildpunkte. Immer wieder neu entstehen Farbenkörper, Farbenlandschaften, Farbenträume…

Es ist kein Zufall, dass Schütz auch den Renaissance-Künstler Leonardo da Vinci aufgreift. Auch er war fasziniert von der naturwissenschaflichen Erfassung von Mensch und Natur. Musste sich Da Vinci seine Erkenntnisse beim heimlichen Sezieren von Leichen erarbeiten, so stehen Schütz heute Röntgenbilder zur Verfügung, die er auf seine Weise „durchleuchtet“umgestaltet und einfärbt. Dabei entsteht ein neuer digitaler Universal-Mensch, dessen Kopf vor Farben zu explodieren scheint.

 

Dossier:

pd.- Der deutsche Künstler Christian Schütz (geb. 1941) präsentiert seine Werke erstmals in einer Ausstellung des Staatlichen Russischen Museums in Zusammenarbeit mit dem Museum Ludwig in St. Petersburg. Der Künstler, der an der Universität der Künste in Berlin Malerei und Grafik studierte, hat sich seit 1998 fast ausschließlich auf die digitale Umsetzung seiner bildnerischen Ideen spezialisiert. Seine Arbeiten zählen zu den Pionierleistungen auf dem Gebiet der digitalen Kunst.

Christian Schütz‘ Arbeiten sind in großen Themenzyklen angelegt. Sie beschäftigen sich  u.a. mit der Beziehung zwischen Musik und bildender Kunst; mit der Universalität von Zeichen in ihrem kommunikativen und meditativen Ausdruck.

Die Ausstellung „Im Kosmos der Zeichen“ ist bis am 23. Juli im Marmorpalast zu sehen. www.rusmuseum.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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