Laden...
Sie sind hier:  Home  >  Aktuell  >  Aktuelle Artikel

Geheimdienst durchsucht Petersburger Majakowski-Bibliothek

Von   /  27. Juni 2016  /  Keine Kommentare

    Drucken       Email

eva.- Am 26. Juni wurde das Ende des Kulturprojekts „Dialogi“ in der Petersburger Majakowski-Bibliothek bekannt gegeben. Als Grund gab die Bibliotheksleitung politischen Druck an. Drei Tage zuvor war das Büro Bibliotheksleitung vom Geheimdienst FSB durchsucht worden.

Wie der stellvertretende Leiter Nikolai Solodnikow gegenüber Fontanka.ru erklärte, werde die Bibliothek bereits seit anderthalb Jahren von Regierungskreisen unter Druck gesetzt, das Projekt „Dialogi“, das seit 2014 läuft, abzubrechen, weil es „unerwünscht sei für die Stadt und für die Bibliothek“.

Laut Solodnikow kamen am 23. Juni in seiner Abwesenheit drei FSB-Leute der Abteilung für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung in die Bibliotek und durchsuchten sein Büro. Als Vorwand gaben sie an, sein Arbeitsvertrag sei vermutlich fiktiv und es sei eine grosse Summe an Budgetgeldern verschwunden.

Damokles-Schwert schwebte schon lange über dem Projekt

Die Verbindung zur Gesprächsrunde „Dialogi“, an der Prominente wie der Kulturminister Wladimir Medinsky, Eremitage-Direktor Michail Piotrowski oder die Literatur-Nobelpreisträgerin Swetlana Aleksjewitsch teilnahmen, ist für den Bibliotheksleiter klar. Der Geheimdienst habe sich etwa zweimal monatlich erkundigt, wobei die Bibliothek erklärt habe, das Projekt werde von der gesellschaftlichen Organisation „Offene Bibliothek“ organisiert und entspräche ganz den Zielen der Bibliothek.

Es sei im bewusst, meinte Solodnikow, der die „Offene Bibliothek“ leitet, dass über der Organisation schon lange das Damokles-Schwert schwebe. Die Diskussionsrunde habe sich wohl politisch zu offen geäussert und zu oft „unerwünschte“ Gäste eingeladen. Unter ihnen befanden sich der Chef des Radiosenders „Echo Moskwy“ Alexei Venediktow, der ehemalige Redaktor des Fernsehkanals „Doschd“ oder der Oppositionspolitiker Lew Schlosberg aus Pskow.

Veranstaltung zum Thema „Ukraine“ abgesagt

2015 wollte „Dialogi“ eine Diskussion zum Thema „Ukraine“ anbieten, doch wurde diese nach einer Intervention der Bewegung „Antimaidan“ bei Gouverneur Georgi Poltawtschenko abgesagt. Mittlerweile hat Solodnikow seine Stelle bei der Bibliothek aufgegeben und angekündigt, „Dialogi“ würde eventuell im Ausland weitergeführt. Seine Frau, die Journalistin Katerina Gordejewa leitet in der lettischen Hauptstadt Riga ein ähnliches Projekt mit dem Namen „Offene Vorlesung“.

Auf Anfrage bei den Petersburger Kulturbehörden stritt man gegenüber Fontanka.ru jegliche Druckversuche ab, gab jedoch zu bedenken, dass die Finanzierung von „Dialogi“ zweifelhaft sei und sich Nikolai Solodnikow zu oft im Ausland aufhalte. Mittlerweile hat der „Jabloko“-Abgeordnete Boris Wischnewski beim Petersburger Stadtparlament eine Eingabe zu dieser Angelegenheit gemacht.

Bild: Wikimedia Commons

www.fontanka.ru

[ad#ad-3]

    Drucken       Email

Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Sie auch interessieren...

Milde Strafe für jugendlichen Streich

mehr…