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Gegner des Gazprom-„Maiskolbens“ feiern ihren Sieg – und blicken in die Zukunft

Von   /  11. Dezember 2010  /  Keine Kommentare

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Von Eugen von Arb

Mit einem kleinen Fest im Haus der Architekten feierten die Gegner des „Ochta-Zentr“ die Annulierung des Projekts im Stadtzentrum. Mitglieder sämtlicher am Protest beteiligten Gruppierungen waren versammelt, unter ihnen „Schiwoi Gorod“ (Lebendige Stadt), „Baschne Net“ (Nein zum Turm) und die „Jabloko“-Partei. Neben einem kleinen Imbiss mit belegten Broten servierte man gekochte Maiskolben – in Anspielung auf den Spitznamen „Kukurus“, den der Gazprom-Turm in der Bevölkerung erhalten hatte.

Wie gross der Sieg denn nun wirklich war, darüber waren sich die verschiedenen Rednerinnen und Redner nicht ganz einig. Während die einen ihrer Freude über den Rückzug von Stadtregierung und Gazprom freien Lauf liessen, warnten die  anderen davor, sich zu früh zu freuen.

Auch darüber, wer denn nun am meisten zum Sieg beigetragen habe, war man sich uneinig. Der Petersburger Jabloko-Leader Maxim Reznik gab zu bedenken, dass sich die Jabloko-Partei von Anfang an gegen das Hochhaus eingesetzt habe. Die Jabloko-Partei wurde nach ihren Protesten 2006/2007 nicht mehr zu den Wahlen ins Stadtparlament zugelassen.

„Gesellschaft verändert“

Alexander Karpow, Leiter des Zentrums für Umweltexpertisen Ekom betonte in seiner Ansprache, dass man neben der Verlegung des Turms auch ein Um- und Mitdenken in der Bevölkerung bewirkt habe. Man habe etwas in der Gesellschaft verändert, und das sei sehr wichtig. Die meisten Votanten gaben zu bedenken, dass es nach der Verlegung des Gazprom-Hauptquartiers darum gehen müsse, die archäologischen Schätze an der Ochta-Mündung und alle anderen bedrohten Kulturgüter der Stadt zu schützen.

In einem Film wurde gezeigt, welche neuen Erkenntnisse, die Ausgrabungen an der Ochta-Mündung gebracht haben, die man im Vorfeld des erwarteten Baubeginns durchgeführt hatte. An der Stelle, wo einst die Festungen Ninschanz und Landskron standen und sich Russen und Schweden Gefechte lieferten, kamen Funde zum Vorschein, die bereits Siedlung vor 5000 Jahren belegen.

Archäologisches Museum wie im holländischen Groningen

Aus diesem Grund möchte man an dieser Stelle nun ein archäologisches Museum errichten. Als ein Beispiel wurde die Festung Bourtange im holländischen Groningen angeführt. Die beinahe völlig zerfallene Festung aus dem 16. Jahrhundert im Sumpfgebiet an der holländisch-deutschen Grenze wurde in den vergangenen Jahrzehnten wieder völlig rekonstruiert und ist heute ein Touristenmagnet.

Bild: Alexander Karpow serviert eine Portion kochter Maiskolben. Eugen von Arb/ SPB-Herold

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Endgültiges Aus für den “Maiskolben” – Gazprom-Turm wird nicht im Petersburger Zentrum gebaut

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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