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Gedenkstein für Fotografen Viktor Bulla (1883-1938) angelegt

Von   /  15. Juni 2017  /  Keine Kommentare

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eva.- Auf dem Friedhof des Petersburger Vororts Lewaschowo, wo ein Grossteil der Opfer des roten Terrors und des Stalinismus begraben wurden, ist ein Gedenkstein für den deutschstämmigen Fotografen Viktor Karlowitsch Bulla gesetzt worden.

Viktor Bulla war der Sohn des aus Schlesien stammenden Fotografen Carl Oswald Bulla, der Ende des 19. Jahrhunderts in St. Petersburg eine Fotoagentur gründete und als einer der Begründer der russischen Fotografie gilt. Viktor Bulla wurde 1883 in Petersburg geboren und arbeitete nach einer Fotografen-Ausbildung in Deutschland bald in der Agentur des Vaters.

Unter anderem berichtete er 1905 als Fotoreporter über den Russisch-japanischen Krieg, wofür er mit einer Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet wurde. Auch über die beiden Revolutionen von 1917 berichtete er in Film und Foto. Dabei entstand unter anderem das weltberühmte Bild, auf dem Demonstranten an der Ecke von Newski-Prospekt und Sadowaja zu sehen sind, die unter Beschuss gerieten. In dieser Zeit entstand unter anderem sein Foto-Esay „Oktober“ der später von Sergei Eisenstein als Vorlage für den gleichnamigen Film benutzt wurde.

Der Vater wanderte aus, die Söhne blieben

Während sein Vater Carl Bulla nach der Oktoberrevolution nach Estland auswanderte, wurde Viktor vom Petrograder Sowjet zum Leiter eines Foto-Komitees ernannt. Er und sein Bruder Alexander dokumentierten unter anderem 1918 den Jahrestag der Oktoberrevolution.

Doch trotz seiner erfolgreichen Mitarbeit als Fotochronist beim „Aufbau des Sozialismus“ wurde Viktor Bulla 1938 Opfer des Stalinterrors. Ein Mitarbeiter des Fotosalons schwärzte ihn beim NKWD an, worauf er nach zweimaligem Verhör „gestand“ als Spion für Deutschland gearbeitet zu haben. Zu dieser Zeit wurde ein Grossteil der Ausländer ohne jegliche Beweise und mittels erzwungener Geständnisse wegen Spionage verurteilt.

Während man den Verwandten mitteilte, er sei im Lager an Krebs gestorben, wurde er in Wahrheit erschossen. Erst 1958 wurde er rehabilitiert. Bei der Verhaftung Bullas wurde auch ein grosser Teil des kostbaren Glasplattenarchivs zerstört. Die Agenten des NKWD zertraten sie bei der Durchsuchung des Ateliers und zerstörten damit eine ganze Epoche russischer Fotogeschichte.

Bilder: Wikimedia Commons

www.bullafond.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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