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Gedenken an die Opfer des Stalinismus im ganzen Land

Von   /  1. November 2016  /  Keine Kommentare

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eva.- In ganz Russland fanden am 30. Oktober Gedenkveranstaltungen für die Opfer der Repression während des Sowjetregimes, insbesondere während der Stalinzeit statt. Neben der Verlesung der Namen von Opfern mobilisierte die Bewegung „Unsterbliches Gulag“ die Bevölkerung.

In Petersburg fand die traditionelle Veranstaltung beim Solowezki-Stein, dem Denkmal für die Opfer der Repression unweit des „Hauses der politischen Gefangenen“ statt. Bei dieser Aktion werden jeweils hunderte Namen von Opfern des Gulag und des NKWD von Freiwilligen vorgelesen.

Dabei werden Name, Geburtsdatum, Beruf, Verhaftungsdatum, Gerichtsurteil und Haft- oder Hinrichtungsdatum genannt. Neben dem Stein, der aus dem hohen Norden Russlands, aus der Welt der Arbeitslager nach Petersburg gebracht wurde, werden Blumen, Kerzen und Fotos der Opfer gelegt.

„Unsterbliches Gulag“

Dieses Jahr fand zum zweiten Mal die Aktion „Unsterbliches Gulag“ statt, eine Bewegung, die nach dem Vorbild des „Unsterblichen Regiments“ gegründet wurde, das an die russischen Weltkriegsopfer erinnert. Die Teilnehmer des „Unsterblichen Gulags“ stellten sich an der Rubinstein-Strasse im Petersburger Zentrum vor die Häuser, in denen Stalinismus-Opfer vor ihrer Verschleppung gewohnt hatten. In den Händen trugen sie Schilder mit Fotos der Opfer.

Auch nordöstlich von Petersburg, auf dem Rschewsker Poligon, einem Schiessplatz, der schon zur Zarenzeit gegründet worden war, gedachte man der Opfer des Terrors. Ab Ende der Zwanzigerjahre bis zum Zweiten Weltkrieg sollen hier Zehntausende per Genickschuss hingerichtet und verscharrt worden sein. Zwar gibt es mittlerweile Ausgrabungen und eine kleine Gedenkstätte. Einmal pro Jahr wird das militärische Sperrgebiet für die Trauernden geöffnet.

Todesarchive auf weitere 30 Jahre verschlossen

Doch Menschenrechtler und Historiker kritisieren, dass Staat und Geheimdienst immer noch die Aufklärung der Vorgänge behindere, obwohl seit den Massakern bald ein Jahrhundert vergangen ist. Auf Erlass der Regierung wurden kürzlich die geheimen NKWD-Archive für weitere 30 Jahre gesperrt.

Dennoch gibt viele Zeugenaussagen von Anwohnern, welche die Massenerschiessungen bestätigen, die oft täglich stattfanden. Manchmal wurden Opfer gefunden, manchmal konnten sich Verletzte aus den Gräbern retten. Das Licht der Lastwagen-Scheinwerfer und die Schüsse in der Nacht haben die Menschen nicht vergessen.

Bild: Wikimedia Commons

www.fontanka.ru

www.newtimes.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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