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Gazprom-Turm – die Stadt Petersburg steigt aus dem Projekt aus

Von   /  10. November 2008  /  1 Kommentar

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eva.- Nachdem die Stadtregierung vergangene Woche in letzter Minute die erste Tranche von 2,94 Milliarden Rubel (umgerechnet 850 Millionen Euro) an den Bau des „Ochta-Zentr“ aus dem Jahresbudget 2009 gestrichen hatte, gab sie gestern ihren völligen Ausstieg aus dem Gemeinschaftsprojekt mit Gasprom bekannt.

Konkret bedeutet das, dass die Stadt auch folgenden Jahres-Raten von insgesamt fast 30 Milliarden Rubel bis 2016 nicht zahlen wird, meldet der „Kommersant“. Ausserdem wird auch die Zielvereinbarung mit dem Energiekonzern gestrichen. Darin war unter anderem festgehalten, dass Petersburg 51 Prozent der Baukosten aus Steuergeldern finanzieren wird. Gazprom steht damit mit seinem Bürohochhaus allein.

Die Wirtschaftskrise ist schuld

Die Begründung der Stadt für diesen Schritt ist einfach: Die gegenwärtige Wirtschaftskrise zwinge die Stadt dazu, auf die Finanzierung dieses Baus zu verzichten, liess Eduard Batanow, Vorsteher des städtischen Finanzministeriums verlauten. Wie die „Scheidung“ von Gazprom juristisch im Detail aussieht, wird im Moment zwischen den beiden Partnern ausgehandelt. Die Gouverneurin Valentina Matwijenko und Gazprom-Chef Alexei Miller haben sich bereits zu Gesprächen getroffen. Gazprom hat die Entscheidung der Stadtregierung bisher nicht kommentiert.

Gerüchteküche kocht schon seit einiger Zeit

Die Krise und das fehlende Geld sind sicher der ausschlaggebende Grund für den einseitigen Ausstieg der Stadt aus dem Ochta-Zentr-Projekt. Die Gerüchteküche hatte bereits zu kochen begonnen, nachdem sich Gazprom geweigert hatte, sich an den massiv steigenden Kosten für das Zenit-Stadion zu beteiligen. Wie der „Kommersant“ jedoch vermutet, hatte der geplante Bau des fast 400 Metern hohen Büroturms im Verlauf der letzten Monate massiv an politischer Unterstützung verloren, so dass die Wirtschaftskrise der Gouverneurin nun einen willkommenen Vorwand für die Liquidierung des heiklen und kostspieligen Projekts bot.

Günstiger Moment

Der Moment ist auch deshalb günstig, weil erst eine verhältnismässig kleine Summe für Vorbereitungsarbeiten (Räumung des Grundstücks und Bodensondierung) ausgegeben wurden. Damit können die übrigen Mittel in Höhe von 4,4 Milliarden Rubel für andere Zecke ausgegeben werden, und die Regierung kann ihr Gesicht wahren. Wie Gazprom ohne seine Partnerin zurecht kommt ist noch ungewiss. Angesichts sinkender Einnahmen dank niedrigem Ölpreis wird vermutlich auch der Energieriese in die Defensive gezwungen werden.

www.kommersant.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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