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„Garagenkrieg“ im Norden Petersburgs sorgt für böses Blut

Von   /  21. Oktober 2010  /  Keine Kommentare

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Schon lange schwelt der Konflikt um die tausenden von Garagen am nördlichen Stadtrand. Das Gebiet soll überbaut werden, die Garagenmieter wollen nicht raus, die Rechtslage ist umstritten – und nun wurde die Zwangsräumung unter Polizeischutz eingeleitet.

eva.- Im Stadtteil Parnas, am Stadtrand, wo sich auch ein Industriegebiet befindet, stehen zwischen 7000 und 8000 Garagen. Der Grundbesitzer, die zur Deripaska-Gruppe gehörende „OOO Glavstroi“ kündete bis im Sommer sämtliche Mietverträge und forderte die Inhaber zur Räumung auf.

Die Mieter, welche hier teilweise schon seit Sowjetzeiten eine Garage benutzen und sich in einer Gewerksschaft zusammen geschlossen haben, bestreiten jedoch die Rechtmässigkeit des Vorgehens der Baufirma und weigerten sich, zu gehen. Ausserdem fochten sie den Entscheid gerichtlich an.

Ein Versprechen der Gouverneurin

Ihre Hauptargumente sind zum einen das Versprechen der Gouverneurin Valentina Matwijenko, die Garagen könnten weiterhin stehen bleiben. Zum anderen führen sie an, dass auf diesem Areal wegen der Hochspannungsleitung gar nicht gebaut werden dürfe.

Hatte der Konflikt im Sommer noch im Stillen gegärt, so kam es vergangene Woche zur ersten offenen Konfrontation: „Glavstroi“ schickte seine Arbeiter mit Trennscheiben und Brecheisen, um die ersten Garagen zu „knacken“. Die gut organisierten Garagenmieter reagierten allerdings schnell und riefen Genossen zum Protest auf, an dem rund tausend Personen teilnahmen.

Abreisskommando besass keine Vollmacht

Boris Karpow, den Garagisten-Vertreter begründete die Abwehr damit, dass die Arbeiter kein Dokument vorweisen konnten, das sie zur Räumung berechtigte. Jene 80 Mieter, die laut „Glavstroi“ ihre Einwilligung zum Wegzug gegeben hatten, schienen nichts vom Geschehen zu wissen.

Die Abreisskommandos, sowie die Vertreter der Bezirksregierung, die zur Beobachtung anwesend waren, mussten unverrichteter Dinge abziehen. Die Garagen-Mieter, die sich verhandlungsbereit zeigten, hatten nicht lange Ruhe – kurz darauf brachen mehrere Brände aus, denen mindestens drei Garagen zum Opfer fielen. Für Karpow, war das eindeutig Brandstiftung, auch wenn die Feuerwehr bisher noch kein eindeutiges Urteil gefällt hat.

Berüchtigte „Omon“ bewacht Abrissarbeiten

Am 18. Oktober in der Früh zog schliesslich die Omon-Sonderpolizei einen Kordon um das Areal „Parnas 1“, und die ersten Garagen wurden aufgebrochen. Den Inhabern bleibt nun offiziell eine Frist von zwei Monaten, um ihre Habe abzutransportieren.

Auch auf politischer Ebene gab die Angelegenheit zu reden, doch herrscht Unklarheit darüber, ob den Garagisten eine finanzielle Kompensation oder ein alternativer Standort zusteht. In ihrer Verzweiflung haben sich die Mieter mit einem Hilfe-Brief direkt an Präsidenten Dmitri Medwedew gewandt.

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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