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Galerie „Schweineschnauze“: rauhbeinige russische Kunst im Dachboden

Von   /  5. April 2018  /  Keine Kommentare

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eva.- Dass die schöngeistige Kulturhauptstadt noch ein anderes Gesicht hat als jenes der Eremitage, ist nur Insidern bekannt. Mit der Galerie „Schweineschnauze“ hat sich eine kleine, aber freche und spassige Galerie ins Kulturleben der Stadt eingenistet, die fröhlich vor sich her grunzt und jene Kunst zeigt, über die andere nur die Nase rümpfen.

eva.- Wem die Petersburger Alternativ-Kultur vertraut ist, der kennt beispielsweise die Galerie „Borey“, wo die „Parasiten“ stationiert sind, oder die „Mitki-Galerie. Vor kurzem hat sich nun eine weitere fidele Plattform zu hinzugesellt – die „Schweineschnauze“. Unter dem Dach eines sechsstöckigen Hauses am Fontanka-Kanal unweit des Zirkus, wird bunte und fidele Kunst gezeigt.

„Weltall der Schweine“

Schon ab der Eingangstür ist alles mit Schweinemündern garniert – eine Art „Weltall der Schweine“ beginnt. Am besten macht man es wie einige der Besucher und setzt sich gleich eine Schweinemaske auf, um diese Welt besser zu verstehen und sich mit vollem Genuss in ihr zu suhlen.

Bevor man das kleine Labyrinth aus engen Korridoren und kleinen aneinandergereihten Ausstellungsräumen betritt, stösst man auf das „Schweinezimmer“. Dort ist alles Schwein – Schweine-Politiker, Schweine-Künstler, Schweine-Gramophon, Schweine-Sofa, Schweine-Orden, Schweinepuppen usw. Kurz gesagt, das Schwein erhält ein menschliches Antlitz – ob es dadurch weniger schweinisch wird?

Kunst-Klassiker aufs Korn genommen

Dann folgen Schlag auf Schlag die bunten Wechselausstellungen – momentan sind es deren drei: Kyril Miller nimmt mit seiner Ausstellung „Russisches Museum“ die russichen Kunst-Klassiker aufs Korn. Die Ikonen von Künstlern wie Ilya Repin oder Pawel Fedotow verwandeln sich clowneske Szenerien. So werden beispielsweise Repins berühmte „Wolgatreidler“ zu „Mitki“-Künstlern, die in ihren Matrosenhemden die „Aurora“ schleppen.

Andrei Sikorski präsentiert in seiner Werkschau „Weiber, Schädel, Katzen und Bitumen-Lack“ ein thematisch wie stilistisch ausschweifendes Schaffen. Unter seinem Blick scheint sich alles zum Totenschädeln zusammenzusetzen – Zigaretten, Pfannen und sogar Teigwaren. Doch keine Angst, kein Todernst – sie tragen allesamt ein feines Lächeln im Gesicht. Mit den Frauen geht Sikorski wenig zimperlich, wenn auch kumpelhaft um – ihr Bild reicht von der zartfühlenden Muse bis hin zur (Sex-) Puppe in der Mausefalle.

An der stolzen „Kunst-Eiche“ gewetzt

Die Koldow-„Kunst-Sekte“ hat sich den konstanten Tabubruch in Sprache und Sitte zum Programm gemacht und versteht es mit frivolen, ein- und mehrdeutigen Sprach- und Bildspielen alles zu illustrieren, was gut erzogenen Petersburgern einen roten Kopf beschehrt. Die Vulgär-Sprache „Mat“, die von letzteren tunlichst gemieden wird, ist dabei ein ständiger Begleiter.

An der geistigen Hand geführt – mal von Miss Piggy, mal von Piggeldy und Frederick, flaniert man durch die Räume und verlässt die Galerie mit dem Gefühl eines Borstenviehs, das sein Fell gerade genüsslich an der stolzen (Kunst-) Eiche gewetzt hat.

Bild: Eugen von Arb/ SPB-Herold

Weitere Artikel zu diesem Thema:

25 Jahre Galerie „Borey“ – Geburtshelferin der jungen und „anderen“ Kunst

Galerie „Schweineschnauze“ (Pig Snout Gallery), Fontanka 5, 7. Etage. www.vk.com/kolhui

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  • Veröffentlicht: 22 Stunden vor auf 5. April 2018
  • Von:
  • Zuletzt geändert: April 6, 2018 @ 3:23 pm
  • Rubrik: Aktuell, Kultur

Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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