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Galerie „Borey“ im Mai: „Sachensucher“-Fotografie, Kollektivkunst, „Roter Matrose“ und Tod des Fernsehers

Von   /  4. Mai 2010  /  Keine Kommentare

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Von Eugen von Arb

Er stelle sich vor, die Erde wie ein Ausserirdischer zu besuchen und durch das Objektiv eines Mars-Mobils zu betrachten, schreibt Konstantin Krikunow aus Armawir, der vom 4. bis 15. Mai seine Werke unter dem Titel „Erde“ zeigen wird. Alles, was auf dem Erdboden herumliegt, wird erfasst, festgehalten und analysiert.


Zigarettenstummel, Benzinflecken, kaputte Spielsachen, Papierchen und Plastikteile, Blätter und vieles andere mehr gehören zu den Objekten, die ein „Sachensucher“ auf seinen endlosen Touren vor die Augen, bzw. vor die Linse kommt. Zu jedem Gegenstand gehört ein passender Hintergrund – Sand, Erde, Beton, Erde, Wasser. Krikunow hat die Erdoberfläche in Petersburg, auf den Waldai-Höhen und in Ägypten erforscht und einen vielfältigen Fundus zusammengetragen, den er in der Galerie am Boden auslegt – damit die Perspektive stimmt.

Kunst = Kollektiv

Für einmal stellt ein Künstler die Grundregel „Kunst = Individualität“ in Frage – der 1958 geborene Petersburger Oleg Kotelnikow ist Spezialist für so gennannte „Kollektivkunst“. Das heisst, dass an einem Kunstwerk mehrere Künstlerinnen und Künstler arbeiten. Oder ein Kunstwerk entsteht im Kontext zu einem anderen, oder zu Musik, Film oder Literatur.

Kotelnikows Kunst ist in der Regel monumental – mehrfach hat er seine Werke als Einrichtungen in Wohnungen oder im Theater integriert. Vom 18. bis 29. Mai stellt er sich und seine Arbeit unter dem Titel „Collage“ in der Galerie vor.

„Sowjet-Retrokunst“ ohne ideologischen Unterbau

Der Verlag „Roter Matrose“ wird dieses Jahr 15 Jahre alt – das „revolutionäre“ Label steht für „Sowjet-Retrokunst“, jedoch mit demontiertem ideologischem Unterbau. Ähnlich wie die Künstlervereinigung „Mitki“ stammen die Ästhetik und viele Motive aus Sowjet- oder Postsowjet-Epoche. Das verschlafene Leningrad mit seinem gemütlichen Schlendrian, vertreten durch Künstler, Seeleute, Clochards, Fischer, Strassenwischer, Strassenhunde, Katzen und allen anderen Figuren, die in den Hinterhöfen und um die Kanäle der prächtigen Provinzstadt hausten und hausen.

Immer geschmückt mit den Losungen und Emblemen von Partei und Revolution, jedoch meilenweit entfernt von allen politischen Angelegenheiten, passt wohl am ehesten die Bezeichnung „Genossenschaft“ zu dieser „Non-Profit“ Vereinigung. Sämtliche Einnahmen werden umgehend in das nächste Projekt investiert. Ihr Werk wird in der Jubiläumsausstellung vom 25. bis 29. Mai gezeigt.

Jung gestorben – der Tod der Fernseh-Epoche

„Der tote Fernseher“ heisst die Ausstellung des bekannten Petersburger Künstlers Nikolai Matrenin, diem vom 1. bis 12. Juni im kleinen Saal der Galerie zu sehen ist. Tatsächlich ist der Fernseher wie der Plattenspieler und das Radio bereits zu einem aussterbenden Accessoire geworden, das mehr und mehr vom Computer verdrängt wird.

Matrenins Foto-Stillleben sind gewissermassen ein Nekrolog auf eine ausgehende Epoche des Flimmerkastens, ihrer Motive und ihrer Ästhetik. Dieser „Todesfall ist um so tragischer, als dass sich das Fernsehen noch heute als ein junges Vorreiter-Medium fühlt, obschon doch alles zu seiner Beerdigung vorbereitet ist.

Weitere Artikel zu diesem Thema:

Galerie “Borey” im April: israelische Fotografie – Schaufechten – russischer Expressionismus – tierische Grafik

Galerie Borey, Liteiny Prospekt 58, Tel. 275-38-37, Dienstag bis Samstag von 12.00 bis 20.00 geöffnet, Eintritt frei

www.borey.ru


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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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