Laden...
Sie sind hier:  Home  >  Aktuell  >  Aktuelle Artikel

Fußballclub als Spielzeug: Russische Milliardäre im Kaufrausch

Von   /  30. Januar 2012  /  Keine Kommentare

    Drucken       Email

TOPTICKER.- Seit 2003 gehört die Übernahme von Fußballclubs zu den  Lieblingsbeschäftigungen von zahlungskräftigen Großunternehmern aus Russland. Den Anfang machte Milliardär Roman Abramowitsch, der 2003 den FC Chelsea kaufte.

Fußballclubs im Ausland sind offenbar ein heiß begehrtes Spielzeug für die reichen „Jungs“. Häufig entsteht der Eindruck, dass die russischen Superreichen nicht wissen, wohin sie ihr Geld stecken sollen.

Das neueste Beispiel: Am Donnerstag wurde bekannt gegeben, dass der russische Unternehmer Anton Singarewitsch das Kontrollpaket am englischen Zweitligisten FC Reading für 25 Millionen Pfund erworben hat. Der Deal soll im März über die Bühne gehen, wenn Prüfungen seitens des englischen Fußballverbandes abgeschlossen sind. Als der Fußballklub gekauft wurde, rangierte der Club auf Platz acht und hat alle Chancen auf den Aufstieg in die Premier League.

Abramowitsch legte 140 Millionen Pfund für den FC Chelsea hin (230 Millionen Dollar) auf den Tisch. Nach Angaben des Forbes-Magazins verpflichtete sich Abramowitsch, die 80 Millionen Schulden zu übernehmen. Zudem kaufte er für 59,3 Millionen Pfund das Kontrollpaket am Unternehmen Chelsea Village als Besitzer des Clubs. In den ersten zwei Saisons pumpte Abramowitsch mehr als 23 Millionen Pfund in den Club.

2006 hatte der ehemalige Aufsichtsratschef des FC Zenit St. Petersburg und einer der früheren Besitzer der Promstrojbank, Dawid Traktowenko, 22 Prozent am Sydney FC gekauft. Zwei Jahre später übernahm Traktowenko zusammen mit seinem Geschäftspartner Paul Ramsey komplett den australischen Fußballclub.

Im August 2007 hatte die Firma Red and White Holdings Ltd. (einer der Miteigner ist der russische Milliardär Alischer Usmanow) 14,5 Prozent der Anteile am FC Arsenal beim ehemaligen Vereinsvizepräsident David Dean gekauft. Der Gesamtwert des Deals lag bei 75 Millionen Pfund Sterling. Laut britischen Medien ist Usmanow nach dem Arsenal-Einstieg der „zweite Russe im britischen Fußball“. Im Juni 2011 erhöhte der russische Unternehmer seinen Anteil am FC Arsenal auf mehr als 29 Prozent.

Im September 2009 hat der russische Milliardär Michail Prochorow (der jetzige Präsidentschaftskandidat bei den Wahlen am 4. März) einen Antrag in die NBA für den Kauf des Basketballclubs New Jersey Nets eingereicht. Prochorow investierte gemäß dem unterzeichneten Absichtsabkommen 200 Millionen Dollar im Tausch gegen 45 Prozent am Bauprojekt Barclay Center, 80 Prozent im Kapital des Basketballcubs New Jersey und eine Option für einen Erwerb von bis 20 Prozent am Unternehmen Atlantic Yards Development Company, das den Bau der Wohn- und kommerziellen Immobilien im Rahmen dieses Projekts leitet. Im Mai des vergangenen Jahres hat die NBA den Erwerb des Basketballclubs durch Prochorow gegen 200 Millionen Dollar gebilligt.

Im Februar wurde bekannt gegeben, dass Juri Korablin, Unternehmer und ehemaliger Bürgermeister von Chimki, den FBC Unione Venezia gekauft hat. Laut der italienischen Zeitung „Corriere Del Veneto“ wurde der Deal von Korablins engstem Vertrauten in die Wege geleitet, der in Venedig lebt ( Jungunternehmer Alex Samochin mit weißrussischen Wurzeln). Vom Gesamtwert des Deals steht in den italienischen Medien nichts geschrieben. Als der Verein gekauft wurde, spielte FCB Venezia in der Serie D, der fünfthöchsten Fußballliga Italiens.

Am 6. Mai gab der tschetschenische Unternehmer Bulat Tschagajew im Interview mit dem Schweizer Fernsehsender TSR bekannt, dass er Xamax Neuchâtel (Schweiz) gekauft hat. Mitte April des vergangenen Jahres waren bereits Gerüchte aufgetaucht, dass Neuchâtel einen neuen Besitzer bekommt. Laut Schweizer Medien wollte Vereinspräsident Silvio Bernasconi die Mannschaft zwar verkaufen, fand aber keinen Interessenten. Tschagajew weigerte sich, den genauen Kaufpreis zu nennen. Am 26. Januar musste Xamax Neuchâtel Xamax Insolvenz anmelden.

Im Juni wurde bekannt gegeben, dass die Firma Convers Sports Initiatives der russischen Unternehmer Wladimir Antonow und Roman Dubow den FC Portsmouth übernommen haben. Der Wert des Deals wurde nicht bekannt gegeben. Ein weiterer Mitinhaber von Convers Sports Initiatives ist der frühere Exekutivdirektor des FC Leeds, Chris Ackers. FC Portsmouth gehörte früher dem gebürtigen Nepalesen Balram Chainrai. Im November trat Antonow als Präsident des FC Portsmouth zurück.

Am 28. Oktober berichtete SkySports, dass der russische Unternehmer Maxim Djomin beim FC   Bournemouth als Miteigner eingestiegen war. Djomin erwarb 50 Prozent der Anteile bei den Aufsichtsratsmitgliedern Steve Sly und Jeff Mostyn. Als der Fußballclub gekauft wurde, spielte er in der dritthöchsten Liga Englands.

Am 23. Dezember gab das Unternehmen Monaco Sport Invest MSI (verbunden mit dem russischen Unternehmer Dmitri Rybolowlew) bekannt, das Mehrheitspaket am AS Monaco gekauft zu haben. Das Unternehmen besitzt 66,67 Prozent der Anteile des monegassischen Fußballclubs, der in der zweiten französischen Liga spielt. Der Eigentümer der restlichen 33 Prozent der Anteile bleibt die Association Sportive de Monaco Football Club (AS Monaco FC), die die Interessen des Fürstentums Monaco vertritt. MSI hat sich verpflichtet, in den kommenden vier Jahren mindestens 100 Millionen Euro in den Fußballclub zu investieren. (rian)

Bild: Der Chelsea-Besitzer Roman Abramowitsch (Wikimedia Commons)

www.rian.ru

Weitere Neuigkeiten finden Sie auf unserem Nachrichtenticker >>>

    Drucken       Email

Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Sie auch interessieren...

Milde Strafe für jugendlichen Streich

mehr…