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Führung der Baltischen Flotte gefeuert – neuer Kommandeur aus der Ukraine

Von   /  3. Juli 2016  /  Keine Kommentare

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eva.- Am 29. Juni platzte eine Bombe: Der russische Verteidigungsminister Sergei Schoigu entliess den Kommandeur der Baltischen Flotte Vizeadmiral Viktor Krawtschuk sowie Stabschef Sergei Popow von ihren Posten. Weitere 50 hohe Offiziere im Admirals- und Kapitänsrang wurden ebenfalls entlassen. Dahinter steckt jahrelanger Schlendrian in der Baltischen Flotte.

Schoigu begründete die „Säuberungsaktion“ damit, dass die Flottenführung unter Krawtschuk und Popow ihre Verpflichtungen nicht eingehalten hätten und in ihren Berichten falsch über den Zustand der Truppe berichtet hätten.

Insbesondere ging es dabei um die Kampfbereitschaft. So wurde beispielsweise 2015 die Kampfkraft der Baltischen Flotte noch als hoch eingestuft, doch entsprach dies offenbar nicht der Wahrheit. So wäre die Baltische Flotte nicht fähig gewesen, einen militärischen Schlag westlicher Staaten abzuwehren.

Zusammenstoss mit polnischem Kriegsschiff

Das wurde bei einer Überprüfung festgestellt, die nach einem Unfall auf einem U-Boot der Baltischen Flotte im April stattfand. Laut polnischen Quellen stiess dabei ein U-Boot mit einem polnischen Kriegsschiff zusammen, was leicht zu einer Wiederholung einer „Kursk“-Katastrophe hätte führen können.

Laut Experten soll Krawtschuk nicht fähig gewesen sein, die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Truppenteilen zu koordinieren. 2012 erhielt er die Aufgabe, in Kaliningrad eine neue Kampfgruppe aufzubauen, wozu ihm neue Flugzeuge und Fliegerabwehrraketen und vier Divisionen Marineinfanterie unterstellt wurden. Doch bei einer Inspektion der Truppe kam ihre Untauglichkeit ans Licht.

Gut befreundet mit „Bernsteinkönig“

Neben militärischen Vergehen gibt es noch weitere Vorwürfe, so zum Beispiel die Unterschlagung von Geldern. Verschiedene Marinebasen und Unterkünfte wurden nicht wie vorgesehen gebaut oder renoviert. Berufsmilitärs hausen in teilweise heruntergekommenen Wohnheimen, konnten sich jedoch nicht wehren, weil ihnen unter Androhung der Entlassung verboten wurde, darüber zu sprechen.

Dem Flottenchef werden ausserdem enge Verbindungen zum „Bernsteinkönig“ Igor Bogdan nachgesagt. Seine „Ballett“-Bande bereicherte sich nicht nur am illegalen Bernstein-Handel, sondern verschacherte auch tonnenweise gestohlenen Treibstoff der Baltischen Flotte.

Neuer Flottenchef aus der Ukraine

Besonders pikant ist, dass der neue Kommandeur der Baltischen Flotte Sergei Jelisejew ein „Überläufer“ aus der ukrainischen Schwarzmeerflotte ist. Er gehörte 2014 zu jenen Offizieren, die im Kriegshafen Sewastopol auf der Krim dafür sorgten, dass den Russen bei der Besetzung der Insel keinen Widerstand entgegenschlug. Kurz darauf lief er auf die russische Seite über und wurde kurz darauf zum stellvertretenden Kommandeur der Baltischen Flotte ernannt.

Ungewohnt ist, dass die Entlassungen öffentlich geschehen, denn früher versuchte man die Leute heimlich zu entlassen. Das weist darauf hin, dass die Aktion als abschreckendes Exempel für die übrigen Heeresteile gelten soll. Anfang Juni fanden in der Ostsee Nato-Seemanöver mit 50 Schiffen und 60 Flugzeugen, Helikoptern und Drohnen aus 50 Nato- und Partnerländern statt. 4.500 Soldaten nahmen daran teil. Schoigu gab bekannt, dass die Kampfbereitschaft der Baltischen Flotte Ende 2016 erneut auf ihre Kampftüchtigkeit getestet wird.

Bild: Eugen von Arb/ SPB-Herold (Archiv)

www.fontanka.ru

www.newsru.com

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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