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Kommentar: Frucht-Kultur-Kampf in Pawlowsk

Von   /  12. August 2010  /  Keine Kommentare

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von Markus Müller – Es mag einen verwundern,  das in einem Land, in dem nicht einmal ein selbstgemaltes Bild ohne Stempel der Kulturverwaltung (falls es älter als 10 Jahre ist) das Land verlassen darf, eine staatliche Behörde beschliesst, einen weltweit einmaligen und wissenschaftlich bedeutsamen Genpool von Pflanzen einzuplanieren.

Auch alles nur um auf dem Grund dann Wohnungen bauen zu lassen, die nebenan oder etwas weiter vom Zentrum genausogut stehen könnten. Das juristische Verfahren ist gestern einmal mehr vom Arbitragegericht in Moskau für rechtlich korrekt und damit für gut befunden worden.

In Pawlowsk, das die Peterbürger als Naherholungs, Park und Schlösserstandort kennen, schwelt seit Ende letzten Jahres ein Konflikt zwischen der staatlichen Verwaltung für Wohungsbau und dem Institut für Gartenbau „Wawilowa“ bzw. dessen Pflanzstation in Pawlowsk.

Im Normalfall ist die Übernahme von Land der einen staatlichen Institution zur Anderen keine besondere Nachricht. Die zuständige Behörde wählt aus, übernimmt den Besitzt vom belehnten Staatsbetrieb und privatisiert. Meist geschieht das entlang eines Flächennutzungsplans bei dessen Erstellung und Beratung Betroffene ohne die Kenntnis davon, nicht für Ihre Interessen einstehen können.

Kenner sind an die ersten Kapitel von Douglas Adams satirischen Zukunfts Roman „Per Anhalter durch die Galaxis“ erinnert – Die bürokratischen auserirdischen „Vogonen“ sprengen darin die Erde aufgrund einen Nutzungsplans für eine Weltraumumgehungsstrasse der seit über 50 Jahren auf dem Orion zum Widerspruch aushing, Pech wenn das auf der Erde eben keiner mitbekommen hatte.

Die Grundstücke wurden 1926 mit der Bemerkung „unbefristet“ von der Sowchose „Roter Ackerbauer“ an das neugegründete Institut für Gartenbau dem Genetiker und Leiter Nikolai Wawilow überrantwortet. Später wurde das zu Institut nach ihm benannt.

Das Institut pflanzte uns sammelte seitdem alle Arten von Beeren, Sträuchern, Gemüse, Blumen, Nutz- Zierhölzer aller Art. Über 5000 verschiedene mehrjährige Arten. Dieser über fast 85 Jahre angesammelte Genpool umfasst auch die speziell für die nörlichen kälteren Regionen geeigneten Züchtungen.

Bereits im April 2010 war klar das das Institut die Grundstücke Räumen muss. Doch das Umsetzen von vielen Tausenden mehrjährigen Pflanzen erfordert Geld und Arbeitskraft welche dem Institut nicht ohne Weiteres zu Verfügung steht. Die Aufmerksamkeit die seitdem um das Gelände des Instituts entbrannte, hat der lokalen Öffentlichkeit die Existenz und Einmaligkeit in Erinnerung gebracht und auch die Bilder der wunderbaren Pflanzensammlungen welche nun des Öfteren durch die Medien gehen lassen dem allgegenwärtigen Kleingärtner bzw. Datschnik im Herzen der Bürger das Herz bluten.

Auch wen die Situation rechtlich wenig Aussicht hat, hoffen Bürger und Institutsmitarbeiter um den Direktor Fjodor Michowitsch auf ein Wunder das den Wahnsinn noch stoppt. Petitionen an die Staatsführung wurden bereits geschrieben und Kerzen in den Kirchen aufgestellt.

Die Institutsleitung gibt sich Hoffnungsvoll das sie zumindestens die notwendigen Fristen erkämpfen kann die es Benötigt, um die Pflanzen zu retten.

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  • Veröffentlicht: 8 Jahren vor auf 12. August 2010
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  • Zuletzt geändert: August 12, 2010 @ 6:16 pm
  • Rubrik: Aktuell, Ticker

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