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Friedrich Ludwig Konrad Fiedler: „Kein Russe liebte die russische Literatur so wie dieser Deutsche“

Von   /  16. Dezember 2009  /  Keine Kommentare

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eva/wikipedia.- Das Puschkinhaus widmet eine Ausstellung dem Leben und Werk von Friedrich Ludwig Konrad Fiedler. Das Archiv dokumentiert anhand von Bildern und Dokumenten das Wirken Fiedlers. Seine Eltern waren Wolgadeutsche, der Vater stammte aus Jekaterinenstadt. Fiedler wurde in St. Petersburg geboren, beherrschte schon als Kind die russische Sprache und war gut mit der russischen Literatur vertraut.

Theaterkritiker und Übersetzer

Während seines Studiums begann Fiedler Theaterstücke (er arbeitete auch als Theaterkritiker) und Prosa ins Deutsche zu übertragen. Von 1890 bis 1900 erschienen in seiner Übersetzung die Werke praktisch aller Klassiker der russischen Poesie des 19. Jahrhunderts (Lermontow, A. K. Tolstoi, Puschkin, Nekrasow, Tjuttschew) und vieler zeitgenössischer Autoren — persönlicher Bekannter Fiedlers wie Nadson, Fofanow, Majkow, Polonskij und Fet. 1889 gab er in deutsch die Anthologie Russischer Parnas (58 Autoren), danach Russische Poetinnen (1907, 20 Autorinnen) heraus.

Autor des „St. Peterburger Herold

Fiedler publizierte seine Übersetzungen in der deutschsprachigen Zeitung St. Peterburger Herold. Ab 1884 arbeitete Fiedler als Deutschlehrer in verschiedenen Petersburger Lehranstalten. 1913 wurde er als Staatsrat pensioniert. Unter seinen Schülern waren viele bekannte Kulturschaffende, so zum Beispiel Nikolaj Gumiljow, den Fiedler später als „faulen Schüler“ bezeichnete.

Aktives Mitglied des literarischen Lebens in Petersburg

Fiedler war 30 Jahre lang ein aktives Mitglied des literarischen Lebens Petersburgs, nahm an allen Literaturgesellschaften der Stadt teil (viele entstanden auf seine Initiative). Zu seiner engsten Umgebung gehörten Dmitrij Mamin-Sibirjak, aber auch Alexander Kuprin und die heute fast vergessenen Michail Albow und Kasimir Baranzewitsch. Unter seinen deutschen und österreichischen Briefpartnern waren Friedrich von Bodenstedt, Georg Brandes, Kuno Fischer, Lou Andreas-Salomé, Rainer Maria Rilke und andere.

Gründer des ersten russischen Kulturmuseums

In die Geschichte der russischen Kultur ging Fiedler als der Gründer des ersten russischen Kulturmuseums ein, das er in seiner kleinen Wohnung einrichtete. In diese riesige Sammlung gingen die Handschriften einer Vielzahl russischer und deutscher Autoren ein (u.a. Heine, Gogol, Nekrasow, Herzen). Sie enthielt Fotografien, Zeichnungen, Zeitungsartikel, seltene Ausgaben und auch „Reliquien“, zum Teil kurioser Art, wie Zigarettenstummel, Geschirr oder Teile des Grabkreuzes bekannter Dichter, sowie eine Bibliothek mit Büchern, welche die Autoren signiert und Fiedler geschenkt hatten.

Opfer von Nationalismus und Revolution

Finanziert wurde die Sammlung durch Fiedlers Gehalt als Lehrer. Über das „Fiedlermuseum“ berichteten zu seinen Lebzeiten Zeitungen und Zeitschriften, wobei oft geschrieben wurde, dass „kein Russe die russische Literatur so liebt, wie dieser Deutsche“. Wie viele Russlanddeutsche fiel er dem Nationalismus zum Opfer, der sich nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs in Russland entfachte. Sein Museum wurde nach der Otkoberrevolution aufgelöst, und ein Grossteil seines Bestands wurde vom Staat vereinnahmt.

21. Dezember bis 1. März im Puschkin-Haus. Institut für Russische Literatur der Russischen Akademie der Wissenschaften. Nab. Makarowa 4. Eintritt frei. Tel. 328-19-01. www.pushkinskijdom.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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