Laden...
Sie sind hier:  Home  >  Aktuell  >  Aktuelle Artikel

Frauenkunst im Skulpturenmuseum – Dialog statt Konfrontation

Von   /  19. März 2009  /  Keine Kommentare

    Drucken       Email

Das städtische Skulpturenmuseum zeigt zeitgenössische Kunst von Frauen. Die Ausstellung sucht den Dialog zwischen den Geschlechtern und ist es eine gute Möglichkeit, sich mit zeitgenössischen Künstlerinnen vertraut zu machen. Mitten im femininen Kunst-Kunterbunt veranstaltet das Museum Lesungen, Theateraufführungen und Diskussionsrunden.

Von Eugen von Arb

Der Frauentag am 8. März ist ein Feiertag, der auch Jahrzehnte nach dem Zerfall der Sowjetunion ungebrochene Popularität geniesst wie kaum anderswo. Schliesslich gibt es auch etwas zu feiern, denn die russischen Frauen haben in Gesellschaft, Wirtschaft, Politik und Kultur weitaus gewichtigere Positionen als vielen anderen Ländern.

Dass die Russinnen nicht nur dank dem Sozialismus, sondern auch dank dem weit gehenden Versagen des russischen Männervolkes viel Verantwortung tragen (müssen), ist eine Tatsache, über die in der Öffentlichkeit allerdings nicht gross diskutiert wird.

Eine gelungene „Krisen-Ausstellung“

Die Ausstellung im Skulpturenmuseum kommt nicht kämpferisch daher. Sie sucht vielmehr den Dialog und beweist, dass Frauenkunst nicht unbedingt ernst, kopflastig und problembehaftet zu sein hat und Künstlerinnen nicht um jeden Preis ihr Frau-Sein in ihr Schaffen einbringen müssen. Vielmehr ist es ein unbeschwertes Kunstfest, an dem sich Frauen jeglicher Couleur und Ausrichtung begegnen, und der Ausstellungssaal des Skulpturenmuseums bietet einmal mehr wertvollen Raum für Spiele, Experimente und Diskussionen.

Nicht einmal die Tatsache, dass mit Enver Baikiejew ein Mann die Frauenausstellung kuratiert hat, stört. In Natascha Chwoenkowa hatte er eine ebenbürtige Co-Kuratorin, die ihre Kontakte mit den zeitgenössischen Petersburger Künstlerinnen spielen liess. Das musste rasch geschehen, denn wie die Leiterin des Ausstellungssaals Anna Lebedkowa erklärte, wurde ihr zu Jahresbeginn wegen der Wirtschaftskrise kurzerhand das Budget gestrichen. Deshalb musste anstelle einer geplanten Fotoausstellung innert kurzer Frist eine Ersatzausstellung aus dem Boden gestampft werden.

Hamonie und ätzende Kontraste

Trotz allem macht die Ausstellung keinen „improvisierten“ Eindruck – sie ist sorgfältig komponiert und bietet auf zwei Etagen eine Masse interessanter, besinnlicher und lustiger Eindrücke. Dort, wo Anja Schiolud an der Vernissage wie eine richtige Hausfrau in einer Performance Pelmeni für das Publikum gekocht hat und Wärme und Gemütlichkeit verbreitet hat, liegen noch die russischen „Ravioli“ jetzt als Keramik-Objekte ausgebreitet. Gegenüber fliegen in Marina Alexejewas witzigem Kurz-Trickfilm Mann und Frau über die Leinwand. Das Spiel der Geschlechter wird als Dauer-Um-Aus-Anziehen von Kleidern dargestellt.

Daneben stechen die rustikal-giftigen Wandbehänge Irina Dudinas ins Auge – sie geben der Ausstellung den nötigen Pfeffer. Tausendsassa Dudina: Die Schriftstellerin, Dichterin, Journalistin und Künstlerin tritt nicht nur mit ihren „Stoff“ in Aktion, den sie wild mit einer uralten Nähmaschine aus Resten zusammen näht. An einer Lesung mit Klavierbegleitung hat sie in der Ausstellung ihre Gedichte vorgestellt. Kunstvoll aber gut verständlich, poetisch und doch schonungslos zeichnet sie darin ihre russischen Alltagsbilder, die Hamonie und ätzende Kontraste in sich vereinen.

Blutrot pulsierender „Embrion“ und Riesen-Doppelhelix

Auch in der oberen Etage begegnet man (und Frau) sich wiederum auf verschiedene Weise. Hier befinden sich die blutrot pulsierende „Embrion“-Lichtinstallation von Inna Posina und die riesige buntfarbene DNH-Doppelspirale von Olga Rostostra. Gewissermassen in der Mitte, direkt unter dem Bild einer deformierten Familien-Idylle von Elena Figurina hat man sich zum Gespräch über die Frau in der aktuellen Kunst getroffen.

Nicht unerwartet, kam das Gespräch der PhilosophInnen Alla Mitrofonova und Alexander Sekazki nicht über Grundlagen-Thesen hinaus. Dabei wurden jedoch einige interessante Grundfragen angesprochen – zum Beispiel welchen Einfluss sieben Jahrzehnten Sozialismus auf die Position der russischen Frauen gehabt haben und inwiefern sich der Feministinnen verschiedener Nationalität gegeneinander abgrenzen.

Die Ausstellung ist noch bis am 25. März zu sehen. Am Samstag, 21. März um 17 Uhr wird in der Ausstellung das Stück „Brut“ von Anna Sokolowa aufgeführt.

Weitere Artikel zu diesem Thema:

„VaterlandsverteidigerInnen“ oder: zwei Feiertage voller Unbehagen

Milena Moser machte Petersburg zur “Putzfrauen-Insel”

Die “gezähmten” Sprayer von Petersburg

    Drucken       Email

Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Sie auch interessieren...

Deutsch-Russischer Salon: Deutschland und Russland: Zwischen Realität und Mythos

mehr…