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Flughafen Petersburg: Flug-Drehscheibe zwischen Moskau und Helsinki

Von   /  9. Februar 2011  /  Keine Kommentare

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Von Eugen von Arb

Bis Ende 2013 soll der Petersburger Flughafen Pulkowo einen modernen Flughafenterminal bekommen. Der Deutsche Michael Richter, seit April 2010 Chief Operations Director, hat die Aufgabe, bis dahin mit bescheidenen Mitteln und der vorhandenen Infrastruktur die Bedingungen für Passagiere und Fluggesellschaften zu verbessern (Fotogalerie).


Auf den ersten Blick nimmt man an, die beiden Petersburger Terminals Pulkowo 1 und 2 bildeten eine Einheit wie bei anderen internationalen Flughafen. Doch ihr Name und das gemeinsame Pistensystem täuschen darüber hinweg, dass die Terminals seit der Sowjetzeit in vieler Hinsicht getrennt sind.

Während Pulkowo 1 früher die russischen Inland-Flüge und damit die Hauptlast des Flugverkehrs bewältigte, fertigte Pulkowo 2 den bescheidenen internationalen Verkehr ab. Wegen der starken Zunahme internationaler Flugbewegungen wurde 2003 zum Stadtjubiläum ein kompakter neuer Terminal Pulkowo 2 eingerichtet.

Flughafen Pulkowo – nahe an zwei starken Konkurrenten

Obschon Petersburg die zweitgrösste Stadt Russlands und eine der grössten Metropolen Europas ist, hat sein Flughafen Mühe sich zu entwickeln. “Der Flughafen liegt nahe an zwei starken Konkurrenten – Moskau und Helsinki”, erklärt Michael Richter. Beide Städte verfügen bereits über moderne und leistungskräftige Flughäfen und können damit die hohen Ansprüche der Fluggesellschaften leichter befriedigen können als Pulkowo mit seiner veralteten Infrastruktur.

Ein weiterer erschwerender Faktor sind die relativ hohen Flughafengebühren und die stark schwankenden Passagierzahlen. Als typisches Touristenziel erlebt Petersburg über das Jahr wenige Spitzenzeiten – die kurze Sommersaison mit dem Wirtschaftsforum und die Tage über Neujahr. Dazwischen herrscht relative Flaute.

Wenig Business-Class-Passagiere

Zwar hat sich die Stadt in den letzten Jahren wirtschaftlich stark entwickelt, doch ist der Abstand zum Riesen Moskau noch immer gross . Daher fehlt auch die wichtige konstante Auslastung der Business-Class. Doch trotz dieser schwierigen Ausgangsposition erhöhte sich die Zahl der in Petersburg abgefertigten Passagiere 2010 um 30 Prozent auf 8,5 Millionen.

Eine der wichtigsten Massnahmen, um Pulkowos Attraktivität und Leistungskraft zu verbessern, besteht darin, die beiden Terminals einander näher zu bringen, zum Beispiel mit einer Shuttle-Verbindung mit integrierter Pass- und Zollkontrolle für Reisende, die umsteigen müssen. “Heute können wir Transitreisende innerhalb von 45 Minuten abgefertigen – das entspricht den Normen des Flughafens Wien-Schwechat”, so Richter. So kann heute, wer zum Beispiel von Deutschland nach Perm oder Murmansk reist, ohne unnötiges Ein- und Auschecken über Petersburg fliegen.

Visa-Erleichterung würde helfen

Eine weitere Steigerung der Frequenz verspricht sich Richter von der möglichen Anwendung der dreitägigen Visafreiheit für Touristen im Flugverkehr – so wie sie bereits für Fährtouristen gilt. “Das könnte die Passagierzahlen um zehn Prozent steigern”, schätzt Richter.

Daneben versucht Pulkowo seinen Service zu verbessern und seinen Passagieren den Aufenthalt möglichst angenehm zu machen. Zum Beispiel wurde die Abfertigungsdauer im Terminal 2 soweit wie möglich verkürzt. Einen wesentlichen Anteil daran hatte auch die Aufhebung der lästigen Zutrittskontrolle zum Gebäude. Leider machte der Terroranschlag in Moskau-Domodedowo im Januar einen Strich durch die Rechnung – seither gelten wieder verschärfte Bestimmungen.

Service-Bereich hinter Check-in vergrössern

Wer warten muss, der möchte es möglichst gemütlich haben – darum versucht Richter, den Wartebereich nach dem Check-in zu vergrössern. Mit Hilfe von einfachen Stellwänden soll das grosse Gebäude von Pulkowo 1 so strukturiert werden, dass Wartesäle, Bars und Geschäfte hinter der Ticket- und Pass/Zoll-Kontrolle untergebracht sind.

“Erst wenn der Passagier den Check-in hinter sich hat, kann er sich entspannen und nimmt sich Zeit, um auszuruhen, etwas einzukaufen oder einen Kaffee zu trinken”, argumentiert Richter. Über zwei neue schöne Wartesäle verfügt Pulkowo-1 bereits, eine VIP-Lounge im Bereich für die Passagiere von und nach Moskau, sowie ein Wartesaal mit intgrierter Kinderabteilung. Eine weitere Verbesserung mit grossem Effekt bei vergleichsweise geringem Aufwand ist der Check-in per Mobiltelefon, der demnächst eingeführt werden soll.

Hohe Erwartungen, begrenzte Mittel

Schon sind die Baumaschinen daran, das Fundament für den neuen Terminal Pulkowo 3 vorzubereiten, dessen Kosten auf rund 900-Millionen Euro geschätzt werden und der bis 2013 stehen soll. Bis dahin will Michael Richter im alten Flughafengebäude soviel möglich verbessern – die Erwartungen an ihn sind hoch, seine Mittel begrenzt.

Dossier: Am 29. April 2010 übernahm ‚Northern Capital Gateway‘, zu deren Anteilseignern die VTB Bank, die Fraport AG und der griechische Investor Copelouzos Group gehören, den internationalen Sankt Petersburger Airport Pulkovo. Zum Chief Operations Officer und Mitglied des Vorstandes wurde der 43- jährige Michael Richter ernannt, der zuvor schon beim Frankfurter Flughafen wichtige Einheiten der Bodenverkehrsdienste mit über 2500 Mitarbeitern geleitet hat. Der Bau eines neuen und modernen Terminals sowie das Etablieren eines stabilen Homecarriers am Flughafen Pulkovo sind wesentliche Voraussetzungen, um aus dem Flughafen künftig ein starkes Drehkreuz zu entwickeln.

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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