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Fliegeralarm, Artilleriebeschuss und immer dieser Hunger – eine Ausstellung zur Blockade Leningrads

Von   /  17. Februar 2017  /  Keine Kommentare

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spn.- Das deutsch-russische Ausstellungsprojekt „900 und etwa 26.000 Tage“ im „Novi Musei“ in St. Petersburg soll die kollektive Erinnerung an die unvergleichbare Tragödie des von Hitler-Deutschland belagerten Leningrads wachhalten, sagt Astrid Wege, Initiatorin des Projekts und Verantwortliche für Kulturprogramme des Goethe-Instituts in Moskau.

Insgesamt ist die Blockade Leningrads im öffentlichen Diskurs Deutschlands nur wenig präsent. Anders als für viele andere Opfergruppen des Nationalsozialismus gibt es in Deutschland kein öffentliches Denkmal für die Hungertoten von Leningrad. Besonders Hamburg als deutsche Partnerstadt von St. Petersburg könne das ändern. Auf Initiative des Goethe-Instituts in Moskau haben sich 17 junge Künstler aus St. Petersburg, Hamburg und Moskau schon vor drei Jahren zu einem Workshop in der Newa-Stadt getroffen, um Entwürfe für eine Erinnerungsstätte in Hamburg zu erarbeiten.

Die erste Ausstellung war dann 2015 im Hamburger Kunstverein durchgeführt worden. „Eine der Hauptideen dieses Projektes war und ist“, betont Wege im Interview mit Sputnik-Korrespondent Nikolaj Jolkin, „ein Bewusstsein vor allem in der deutschen Öffentlichkeit für diese historischen Ereignisse zu schaffen. Bei der aktuellen Ausstellung in Petersburg geht es nicht darum, dem russischen Publikum etwas Neues über die Fakten zu erzählen, sondern es geht um eine Auseinandersetzung: Wie erinnern sich unsere Gesellschaften daran? Darum auch der Titel der Ausstellung: 900 Tage dauerte die Blockade, die 26.000 Tage sind die Zeit, die seit ihrem Ende vergangen ist.“

Die Stadt wurde wegen des Hungers immer stiller

Ein anderer wichtiger Aspekt des Projekts, welches nicht nur die Ausstellung der Ideen und Entwürfe für eine mögliche öffentliche Form des künstlerischen Erinnerns und des Gedenkens an die Opfer der Leningrader Blockade umfasst, sondern auch Vortrags- und Gesprächsprogramme vorsieht, ist es, „junge Künstler aus Russland und Deutschland zusammenzubringen, einen Rahmen für Begegnung zu schaffen und gegenseitiges Zuhören voneinander zu lernen.“

Zum Beispiel gebe es eine Arbeit, die sich mit der immer stiller werdender Stadt während des Hungers beschäftige, erläutert Wege, oder „eine eindrucksvolle Arbeit von Anastasia Kisilowa, die Information aus Tagebüchern zusammengetragen hat, was Menschen während der Blockade gegessen und woher sie überhaupt Energie genommen haben. Und sie hat daraus eine Installation gemacht.“

Lautsprecher-Signale bei Bombenalarm als Erinnerungsintervention

Alexej Gratschew setzte sich wiederum damit auseinander, dass während der Blockade, „wenn die Bombardements der Nazis kamen, immer die Lautsprecher in einem bestimmten Rhythmus Signale aussendeten. Gratschew hat einen Vorschlag zur Erinnerungsintervention im öffentlichen Raum an diese Situation gemacht, wie man über Akustik eine Situation ankündigen kann. Oder wir haben eine spannende Arbeit von Natalja Tichonowa. Um unglaubliche Zahlen der Opfer zu zeigen, hat sie ein Video aufgezeichnet und die Zahlen ausgeschrieben, wie viele zivile Opfer während der Blockade umgekommen sind.“

In Deutschland sei die Resonanz auf diese Ausstellung sehr groß gewesen, so Wege, „in den Medien, aber auch vom Publikum her. Während der Eröffnung haben wir ein Podiumsgespräch mit russischen und deutschen Wissenschaftlern abgehalten, um das Thema auch aus anderen Perspektiven zu beleuchten.“

Bilder: Goethe-Institut St. Petersburg / Valery Smirnov

www.sputniknews.com

Bis 5. März. Neues Museum, 6. Linie der Vassiljewski Insel, 29. Tel. 323-50-90. www.novymuseum.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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