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Fliegen statt fahren – die russische Bahn gerät durch Billigflüge unter Druck

Von   /  11. Mai 2010  /  Keine Kommentare

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eva.- Nach einem glänzenden Start zu Jahresbeginn erhält der Hochgeschwindigkeitszug „Sapsan“ auf der Strecke Petersburg-Moskau immer mehr Konkurrenz durch die Fluggesellschaften, die ihr Billig-Angebot stark erweitert haben. Auf den ersten Blick war die Einführung der schnellen Zugsverbindung zwischen Russlands Hauptstädten eine Erfolgsstory. Wegen der hohen Nachfrage konnten die russischen Staatsbahnen die Frequenz auf mittlerweile zehn Züge täglich erhöhen. Abgesehen von technischen Pannen und Stein-Attentaten verärgerter Anwohner der Strecke verlief der Start mehr als rund.


Dem „Sapsan“ mussten günstigere Züge weichen

Wie der „Kommersant“ schreibt, täuscht diese Entwicklung darüber hinweg, dass die russische Bahn auf diesem wichtigen Abschnitt im ersten Quartal 2010 einen Viertel ihrer Passagiere verloren hat. Schuld daran ist der „Sapsan“ selbst, durch dessen Einführung eine Grosszahl alternativer und günstiger Verbindungen eingestellt wurden. Züge wie der „Newski Express“ oder „Junost“, die zwar langsamer fuhren, aber Platz für mehr Passagiere boten, wurden ersatzlos gestrichen. Viele Bahnkunden, denen der neue Zug zu teuer ist, sind auf andere Verkehrsmittel umgestiegen – zum Beispiel auf das Flugzeug.

Tickets ab 250 Rubel

In der Zeit von Januar bis März haben Fluggesellschaften wie Aeroflot, Sky Express, S7 und Avianova ihr Passagiervolumen zwischen Moskau und Petersburg um 45 Prozent auf 466.350 Personen erhöht. Die Billiglinie S7 fliegt mittlerweile vier Mal täglich auf dieser Strecke – ab Ende Mai werden es fünf Mal sein. Je nach Kontingent und Buchungsdatum kann man bereits ab 250 Rubel fliegen. Wer also mit wenig Gepäck unterwegs ist, reist günstiger oder gleich teuer, aber wesentlich schneller ans Ziel.

Bahn verliert auf dem gesamten Bahnnetz Kunden

Verkehrsexperten bewerten diese Entwicklung als sehr gefährlich für die Bahn und raten dringend dazu, die Konkurrenzfähigkeit des Schienentransports zu erhöhen. Nicht nur zwischen Moskau und Petersburg, sondern auf dem gesamten Netz haben die russischen Staatsbahnen in den vergangenen Jahren viele Passagiere verloren. So gingen die Passagierzahlen auf den Strecken zwischen Petersburg und Südrussland sowie den GUS-Staaten im ersten Quartal 2010 um zehn Prozent zurück, während in derselben Richtung 15 Prozent geflogen sind.

Bilder: Wikimedia Commons/Avianova

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Zahl der “Sapsan”-Schnellzüge zwischen Petersburg und Moskau wird erhöht

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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