Laden...
Sie sind hier:  Home  >  Aktuell  >  Aktuelle Artikel

Finnland plant nächtliche Schliessung des Grenzübergangs Imatra

Von   /  30. August 2016  /  Keine Kommentare

    Drucken       Email

eva.- Die geplante nächtliche Stilllegung des Grenzübergangs Imatra-Swetogorsk hat für einen Aufschrei im Transport- und Tourismusgewerbe gesorgt. Man findet, Finnland würde sich damit selber schaden, und in der jetzigen Krise sollten die Politiker den russisch-finnischen Grenzverkehr eher ankurbeln, statt ihn einzuschränken.

Der Grenzverkehr hat seit dem Beginn der Krimkrise und der Einführung des Lebensmittelembargos von russischer Seite drastisch abgenommen. Die überfüllten Busse mit Russen, die ihre Einkäufe in Lappeenranta, Imatra und Tampere erledigten, sind selten geworden. Immer öfter kommen jetzt Finnen auf Shopping-Tour ins russische Wyborg, um vom billigen Rubelkurs zu profitieren.

Auch die Reisefreudigkeit der Russen, die früher mit Billigflügen aus den grenznahen finnischen Flughäfen in die ganze Welt flogen, hat dramatisch abgenommen. Billigflieger wie Ryanair haben ihre Flüge gestrichen, doch die Bedeutung von Helsinki als „Sprungbrett“ für russische Passagiere ist immer noch gross. Darum machen diese immer noch einen Grossteil der nächtlichen Grenzgänger aus.

Nachtschicht streichen aus Sparzwecken

In Zahlen ausgedrückt, hat die Zahl der nach Finnland reisenden Russen im ersten Jahresdrittel 2016 im Vergleich zum Vorjahr um 13 Prozent abgenommen. Umgekehrt hat sich die Zahl der Finnen, die nach Russland kommen, um fünf Prozent erhöht. Natürlich schlägt sich das auch in der Statistik der Grenzposten nieder, bei denen Imatra-Swetogorsk mit 13 Prozent weniger Personen eindeutig zu den Verlierern gehört. In der Nacht werden dort zwischen 22.00 und 6.00 zirka 50 Personen abgefertigt.

Die Sparpläne im finnischen Budget 2017-2020 sehen vor, diese unrentable Nachtschicht zu streichen. Bisher ist das nur ein Vorschlag, und die Behörden haben versprochen, Vertreter von Business und Tourismus in Finnland und Russland in dieser Frage anzuhören.

Einbussen beim Tourismus und Verkehrskollaps

Russische und finnische Transport- und Tourismusunternehmer, die bei einem solchen Schritt am meisten zu verlieren hätten, sagen einhellig, dass sich die Finnen damit ins eigene Fleisch schneiden würden, weil sich die Einsparungen letztlich in Verluste beim Tourismus verwandeln könnten. Ausserdem würde die Einschränkung im Grenzverkehr bei Imatra für einen Kollaps bei den anderen Grenzposten sorgen. Die Übergänge Brusnitschnoe-Nuijamaa, Torfjanowka-Vaalimaa und Swetogorsk-Imatra fertigen in diesem Abschnitt knapp drei Viertel des Grenzverkehrs ab.

Zudem findet man, in der jetzigen Krise müsste man von staatlicher Seite den Grenzverkehr unterstützen, um Tourismus und Konsum zu stimmulieren. Die Unterbrechung des Grenzverkehrs in der Nacht könnte ihrer Meinung nach für zusätzliche Probleme hinter der finnischen Grenze sorgen. Da das Übernachten im Auto in Finnland verboten ist, könnten sich wartende Grenzgänger „in die Büsche schlagen“ und damit für zusätzlichen Aufwand bei der Polizei sorgen. Nicht zu unterschätzen seien ausserdem die wilden Müllhalden und Toiletten, die dabei entstehen.

Beim russischen Grenzschutz in Wyborg weigerte man sich, die geplante Massnahme zu kommentieren. Man merkte jedoch an, dass eine solche Entscheidung sowieso nur im beidseitigen russisch-finnischen Einvernehmen getroffen werden könne, weil die Arbeit der Grenzübergänge 1994 auf Regierungsebene geregelt worden seien.

Bild: Alexey Ivanov/ Wikimedia Commons

www.fontanka.fi

Weitere Artikel zu diesem Thema:

Russisch-finnischer Grenzverkehr nimmt ab

Velo-Voyage – mit dem Bus an die Grenze und dem eigenen Fahrad nach Finnland

Finnische Grundstücke sind beliebt bei russischen Käufern

[ad#ad-3]

 

    Drucken       Email

Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Sie auch interessieren...

Geschichte: Johann Strauss und der „Musik-Bahnhof“ Pawlowsk

mehr…