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Filmkritik: Joseph Vilsmairs St. Petersburg Thriller – Russisch Roulette Teil 1 – Weit daneben ist auch vorbei

Von   /  3. Januar 2012  /  11 Kommentare

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Von Markus Müller

So perfekt die Schauplätze fotografiert sind, so erschreckend der platte Plott des mit grossem Brimborium in der ARD angekündigten Polit-Thrillers „Russisches Roulette“, der Anfang 2011 in der Stadt gedreht wurde. Gestern um 23:15 Ortszeit, hat die ARD einen echter Sankt-Petersburg Thriller gezeigt. Der Zweiteiler wurde von Joseph Vilsmair mit Katherina Böhm und Heinz Hoenig in den Hauptrollen inszeniert und spielt in der nördlichen Hauptstadt.

Zu Beginn freut man sich an der  perfekten und Werbefilm-schönen Inszenierung der Stadt, dem Weihnachtsmarkt am Ostrowski Platz samt Eisbahn und dem winterlich-festlich erleuchteten Zentrum. Aber  spätestens ab dem Moment, in dem die Hauptdarstellerin in die Metro Station beim Narwa-Tor einsteigt, um am Ende der Rolltreppe dann in der Majakowskaya-Station den Sohnemann zu verlieren, zeigt sich der geneigte und ortskundig Zuschauer verwirrt.

Das der Plot massive Schwächen hat, wird spätestens dann erkenntlich als sie, statt die minütlich folgende nächste Metro zu benutzen, um dem verlorenen Kind zu folgen und Station für Station nach ihm zu suchen, erst die ewig langen Rolltreppen raus aus der Metro rollert und überirdisch dem Metrozug folgend den verlorenen Sohn wiederfinden will. Die Bilder bleiben schön – die Wiedersprüche auch.

So trifft sich die Heldin konspirativ mit einem ehemaligen Kollegen in einer russisch-orthodoxen Kirche, und sie sitzen in der Kapelle auf Betbänken wie sie einst Joseph Mohr in der kath. Kirche St. Nikola bei der Erstauführung der Stillen Nacht-Heiligen Nacht. Dabei mussten selbst die Zaren in der orthodoxen Kirche stehend den Gottesdienst durchhalten.

Und so setzen sich trotz der schönen Locations die Wiedersprüche fort. Die Heldin spricht offensichtlich kein Russisch, war aber als Journalistin in Sankt Petersburg?  Sie arbeitete mit dem Vater Ihres Sohnes in einem – Achtung Preisfrage! – russischen oder deutschsprachigen Fernsehsender?  Und falls doch auf deutsch, als deutschsprachiges Medium in Sankt Petersburg wissen wir den Markwert bzw. die Reichweite eines solchen TV Kanals gut einzuschätzen – der alterniert um die Null…

Die Neigung russischer Milizionäre Fälle dadurch zu lösen, dass sie diese erst gar nicht zu Protokoll nehmen, bzw, nicht oder nur mit Wiederwillen zur Anzeige bringen lassen,  ist dagegen gut getroffen. Abgesehen davon das der „Obesijanik = Affenkäfig“ in der Wache kein dreckiger Stahlkäfig sondern ein garantiert nicht vandalenfester Glaskasten ist, haben die Milizionäre im Schnitt 80 Kg zu wenig auf den Rippen und an den Hälsen.

Doch wie kommt es, dass die schlagkräftige Chefin vom Milizposten anschliessend als Ermittlerin den Mord an einem Ex-Schachweltmeister bis in die Sauna des bösen Helden und Mafiös-Oligarchischem „Chef der Stadt“ verfolgen kann?  Einem Bösewicht und Antiheld der Kraft seines Willens und selbstverliebten  Macht sogar „Metrozüge im Tunnel anhalten könnte“.

Ja solche Typen gibt es, aber davon haben wir in der Stadt gleich mehrere Hundertschaften, und die halten sich schön in der Balance – da lehnts sich selbst die geheimdienstnahe Variante dieser Businessmen nicht durch aufällige Aktionen allzuweit aus dem Fenster. Und rüpelhaft autofahren brauchen die auch nicht, das machen nur die mittelständischen Neureichen.

Wer wirklich Macht im Staat hat, der mietet sich eine Blaulichtkolonne mit „Migalka“ oder lässt sich gleich den Moskauer Prospekt für seinen Konvoi sperren. Aber selbst den einfacheren Genossen dieser wiederlichen Sorte marschiert keine Polizistin in die Sauna – das macht bestenfalls ein paramilitärisch gerüsteter Sturmtrupp mit automatischen Waffen.

Unser Fazit – Weit daneben ist auch vorbei. Das Ergebiss ist so wie man sich Russland in all seinen Klischees so in Deutschland vorstellt. Der einzige Plan der mit dieser Produktion übererfüllt wurde, ist vermutlich der vom Budget. Ansonsten siehts es so aus dass ein paar Drehbuchschreiber mal wieder unbändig Lust auf einen gebührenfinanzierten Arbeitsausflug an die Newa hatten.  Weder die wunderbare Stadtlandtschaft noch das gute Personal vor und hinter der Kamera bringen hier eine glaubhafte Story zusammen.

Warten  wir also „Heute auf Russisch Roulette Teil 2“, freuen uns auf schöne Stadtszenen und spielen weiter „Finden sie den Fehler im Bild“.  ARD, 20:15 bzw. 23:15 in Sankt Petersburg.

FOTO:  © ARD Degeto / Graf Film / Vadim Grischko

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11 Kommentare

  1. Anonymous sagt:

    dieses schiksal ist grausam und das sollte man nimandem zumuten. :-(
    sowas sollte nicht in öfendliche zeitungen gesetzt werden weil das grausam ist.
    ich finde das dermasen unhöflich das das sogar strenstens verboten werden solte.

  2. Till Heidenheim sagt:

    Erst jetzt hatte ich Gelegenheit, die zutreffenden Kritiken sowie die passenden Meinungen von Piter-Kennern zu lesen. Als Deutscher (aus der Filmbranche, Bereich Technik) mit Peterburger Tochter schäme ich mich weiter. Dabei hatte ich mich so gefreut auf diesen vielversprechenen Zweiteiler. Endlich wird von St.Petersburg-Kennern dieses stümperhafte, dabei mit Steuergeldern finanzierte zusammengeschusterte Machwerk auseinandergenommen. Wohltuend alle Kritiken.
    Selbst Touristen mit wenig Stadtkenntnissen mussten erkennen, das die schönen Aufnahmen von St.Petersburg teilweise völlig falsch zusammengeschnibbelt wurden.
    Der einzige glaubhafte Darsteller, Heinz Hoenig, spielte seine Rolle wie immer sehr gut.
    Der/die Drehbuchschreiberlinge mit offensichtlichen Vorurteilen gegen Russland hätten als Drehort besser Chikago gewählt. Selbst da werden nicht annähernd solche Dinge passieren.
    Selten habe ich mich so geärgert wie über dieses Machwerk – dabei von einem bekannten Regisseur inszeniert. Dann der Sprachen-Salat und die vielen Ungereimtheiten. Unglaublich !
    Till Heidenheim D-23568 Lübeck als großer Freund Russlands.

  3. stummeier sagt:

    @mm…hast alles gesagt sowohl der Kommentar zum 1. Teil als auch jetzt…. kann mich nur anschliessen und es ist wirklich schade…

  4. Deirun sagt:

    Ich kann mich bereits o. a. Gedanken nur anschließen.
    Dass ein Vilsmeier, der mit mehreren Fernsehpreisen ausgezeichnet wurde, solch einen hanebüchenen Mist dreht, hätte ich nicht für möglich gehalten.
    Grobe Drehbuchfehler in einem zweiteiligen ARD-20.15 Uhr-Aufmacher kommentarlos zu dulden, nötigt einem schon großen Schmerz zu.
    Ich habe mit jeder Minute , die verstrich immer gehofft, dass alles irgendwie aufgeklärt wird, aber Pustekuchen.
    Da kommt ein j
    unge Mutter also nach Russland, nicht um ihren gerade verstorbenen Mann zu sich zu nehmen, nein um ihrem Sohn sein Grab zu zeigen.
    Man fragt sich auch, was die Frau eigentlich zwischen Tod des Mannes und Beerdigung gemacht hat. In seiner Wohnung war sie jedenfalls erst nach seiner Beerdigung.
    Und diese Wohnung sah zunächst so aus, als sei der Ehemann mal gerade unter der Dusche.
    Und warum war die Frau eigentlich in D und der Mann in RUS, -Nicht geklärt!!

    Da verliert ein russischer Schachmeister erst seine Frau ( Warum die eigentlich-Nicht geklärt!!)
    und dann sein Leben, weil er warum auch immer einen Mikrochip in einer weissen Dame versteckt hielt. Doch wie kam er dazu?-Nicht geklärt!!

    Da tritt ein immer wie vom Himmel gefallener Pole auf , der erst rund 22 jahre nach dem Tod seine Bruders aktiv wird , um sich dann ausgerechnet an eine deutsche Journalistin, die gar nicht mehr im Land lebte, an die Fersen zu heften, um was eigentlich zu erreichen?-Nichts geklärt!!

    Da werden Klischees vom dekadenten, mafiösen, rumhurenden, korrupten Russen derart überstrapaziert, dass das Zuschauen fast schon wieder lustig wäre. Aber leider sollte der Zweiteiler keine Klamotte ala HOT Shots sein, sondern ein ernst gemeinter Mafia- Thriller.
    Da sind natürlch ehemalige STASI Bösewichte unterwegs, die wie rührend ,ein Regional TV Sender leiten, um ihre Botschaft( welche Botschaft?) weiter zu geben.
    Da gibt es scheinbar nur eine Polizeistation in ganz Petersburg, es gibt auch kein eingeschaltetes deutsches Konsulat oder auch keine russische Kriminalpolizei. -Nichts geklärt!!

    Der grösste Wiederspruch und gleichzeitig Hauptstrang des Films besteht in der Entführung des Sohnes.
    Warum sollte man jemanden ein Kind nehmen, von dem man hofft, das er wieder abhaut. Peinlich und witzig ist denn auch der mitgelieferte,verzweifelte Erklärversuch über diese Zwickmühle, in die sich der Entführer begeben hat.

    Der eingebaute Sprachmix war so peinlich wie lustig, Da sprechen Russen beim Sender perfekt deutsch, da sprechen Bösewichter mit Deutschen mit russischem Akzent, da sprechen Russen auf der Straße nur russisch und untereinander wieder mit russischen Akzent (Mafia-Oligarch-russischen Sachspieler).

    Und da tut mir dann doch wieder der Gedanke an die ,wie bereits von anderen Lesern bemerkt, verballerten GEZ Gebühren weh !!!
    Peinlich Peinlich!

  5. mm sagt:

    Liebe Leser ich erspare mir dank Ihrer Rückmeldungen den 2. Teil auch noch zu kommentieren. Bleibt die Frage warum wir für soviel Geld (und glauben Sie mir in SPB so einen technisch aufwendigen Film zu drehen ist nicht billig) so wenig zurück bekommen.

    Meiner Meinung nach, und da stimme ich Herr / Frau realsatire zu ist die Vergabe von Produktionsaufträgen nicht unter der Kontrolle der russische Mafia sondern der einer typische deutschen „Seilschaft“. Mann kennt sich schon lange, beisst junge Kreative weg von den Futtertöpfen und schusstert sich die grossen Produktionsbudgets zu. Das alles auf Kosten der Bürger.

    Ist noch Geld Übrig wird mit der heissen Nadel halt noch eine Story gestrickt bzw. und aus der Unterhose gezogen. Ein Plot der auf dem Antrag gut aussieht, aber nicht ausgegoren daherkommt, von den Mitarbeitern nur mit Wiederwillen und ohne Lust abgearbeitet wird. Alle Beteiligten sind zu satt sind um noch Esprit zu versprühen.

    Auf gut Russisch hier fehlt der Pfeffer und das Bild von einer saturierten Künstlerelite die zu Staatsbeamten verkommen bleibt stehen.

    Ansonsten – mich freuts das Ihnen der Unsinn im 2. Teil auch aufgefallen ist und nicht nur uns vor Ort.

  6. Felix Gärtner sagt:

    Im zweiten Teil ging es genau so haarsträubend weiter.

    Erst lernen wir z.B., wie kriminell es in SP angeblich zugeht, und dann…? Dann kann man dort über die Feuerleiter in die Büros eines TV-Senders einfach mal so reinklettern. Ausgerechnet das Fenster neben der Leiter kann man einfach mit der Hand aufdrücken, und das in einer kalten russischen Winternacht …

    Eine Szene später sieht man den Chef, wie er umständlich einen Zahlencode eingibt, um in´s Gebäude zu gelangen. Naja, mit dem Gehstock kann er ja schlecht die Leiter hoch. Also wenigstens für Körperbehinderte ist der Zugang erschwert ;-)

  7. realsatire sagt:

    Das beim Gebührenfernsehen viel Geld zur politischen Lanschaftspflege an verdiente „Künstler des Volkes“ verteilt werden ist schon länger klar. Das an diesem Subventionstropf eine ganze Produktionsindustrie hängt die – mit verlaub die technische Glanzleistung hinbekommt in SPB Szenen zu inszenieren die in 70 Jahren Lenfilm keiner in den Kasten bekommen hat ist bewundernswert. Einzig der Aufwand verpufft, wenn das Drehbuch so gottserbärmlich schlecht gemacht ist. Würde ich noch Deutschland weilen hätte ich der GEZ für diesen Flopp anteilig am Jahresbudget ein paar Cent aus der Rechnung an ein Sperrkonto überwiesen. Mit der Begründung für Rosamunde Pilcher und ARD DEGETO Lustreisen zahle ich nicht mehr. Das öffentlich rechtliche Fernsehen geht mit seinem Staatsvolk nicht Besser um wie Kim Jong Un mit seinem.

  8. Werner sagt:

    möchte noch hinzufügen, dass die Schauspieler alle einen guten Namen haben, aber in diesem Film weder Lust aufs Spiel noch irgendwelchen Ehrgeiz, auch nur halbwegs irgendein entfernt erkennbares Schauspielkönnen an den Tag legen zu wollen. Denn mancher schlecht inszenierte Film wird aufgrund des grandiosen Spiels der Schauspieler oft noch in Erträgliche gerettet. Am schlimmsten war die Hauptdarstellerin, die immer auf der Suche nach dem imaginären Sauertopf war, nach dem ihr Mund die ganze Zeit aussah. Die für die Hauptrolle zu engagieren, war der große Griff ins Klo.
    Fazit: Hitparade der schlechten Schauspieler in diesem Film:
    1.K.Böhm
    2.Wolf
    3.die Sendertussi, Namen vergessen
    4.die Polizistin
    5.der Dicke, der dauernd rauchte
    6.der junge im Sender
    Dem Polen nahm man seine Rolle noch halbwegs ab, richtig stark gespielt war die Rolle des Millionärs romanov oder wie der hieß.

    Film so unnötig wie ein Kropf, gucken war vertane Zeit, Geld für Film hätte man auch in die Neva kippen können.

    Und Katharina Böhm sollte man sich in Zukunft ganz ersparen, denn nur eine verzweifelte Fresse hinziehen, reicht nicht, wenn der Rest von jedem unausgebildeten Statisten hätte gespielt werden können.

  9. Dirk Jungnickel sagt:

    Nach dem unsäglichen „Chinesen“ der zweite ARD – Fehlstart im Marathonformat im Neuen Jahr.
    Das – wie so oft – unausgegorene Drehbuch ist durch die gediegene Kameraarbeit nicht zu kompensieren.
    Hoenig gibt einen mit paranormalen Hellseherfähigkeiten ausgestatteten Polen, Katharina Böhm spielt
    tapfer aber meist vergeblich gegen ihren Typ an, die russische Komissarin könnte einem schlechten
    amerikanischen Nazifilm entsprungen sein und russichen Bösewichter ergänzen das Kasperletheater.
    Nur: Im Kasperletheater haben die Kinder immer die Gelegenheit einzugreifen.
    Hier nutzte es nichts, wenn der Zuschauer drei Stunden zu brüllen geneigt war: Mensch, Du verwzeifelte
    Mutter, schalte das deutsche Konsulat ein !!!
    Die Mutter – eine angeblich clevere Journalistin – kommt nämlich darauf nicht.

  10. Bacardi sagt:

    Vielen Dank für die Filmkritik. Ich kann nur voll zustimmen. Der Film ist ein Reinfall. Ich gucke gerade den zweiten Teil (die lächerliche Szene, in der das Tattoo des Skorpions entdeckt wird)… Es kann nur schlechter werden!

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