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Europäischer Universität Petersburg droht polizeiliche Räumung

Von   /  4. Oktober 2017  /  3 Kommentare

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eva.- Anfang Oktober wurde bekannt, dass die Europäische Universität weder eine neue Lizenz erhält, noch die Genehmigung für den Umzug in ein anderes Gebäude. Nach der Kündigung des bisherigen Standorts drohen die Behörden nun gar mit einem Ultimatum – sollte sie bis am 10. Oktober nicht ausgezogen sein, will man die Hochschule mit Polizeigewalt vor die Tür setzen.

Im Existenzkampf der Europäischen Universität scheint die heisse Phase erreicht zu sein: Einerseits verweigert die Erziehungsbehörde Rosobrnadsor der Hochschule mit fadenscheinigen Argumenten eine neue Lizenz. Andererseits verbieten die städtischen Behörden den Umzug in andere Räumlichkeiten und stellen der Uni gleichzeitig ein Ultimatum für den Auszug.

Die neue Lizenz wird unter anderem mit fehlenden Unterlagen begründet – das obwohl der Rektor Nikolai Wachtin deren Einreichung bestätigt. Seinen Angaben nach wurden Rosobrsadsor sämtliche verlangten Dokument – insgesamt 27 Kartons Papier.

Ohne Dach über dem Kopf

Auch der Einzug an einer anderen Adresse wurde verweigert, weil das Gebäude angeblich nicht behindertengerecht sei. Diese Argumentation erstaunt Wachtin laut Fontanka.ru in zweifacher Hinsicht – zum einen weil die Mängel nicht konkretisiert wurden, zum anderen weil die neue Unterkunft für Behinderte viel besser geeignet wäre als die bisherige. Diese verfügt beispielsweise über keinen Lift – im Gegensatz zur Neuen.

Das Ultimatum, dass die Hochschule ihre Räume bis zum 10. Oktober zu räumen habe, ist nicht nur technisch gesehen unmöglich. Per Gesetz ist die Hochschule dazu verpflichtet, das Haus vor der Räumung vom städtischen Denkmalschutz abnehmen zu lassen. Bevor dies nicht geschehen sei, rühre er sich nicht vom Fleck, gab Wachtin zu verstehen.

Uni erwägt auch Umzug ins Ausland

Die Willkür der Behörden erscheint seit langem klar – die Hochschule soll offensichtlich von der Bildfläche verschwinden. Die Zusicherungen von Unterstützung aus den Kreisen des Ex-Finanzministers Alexei Kudrin und Wladimir Putin nichts. Der konservative Block um den Petersburger Duma-Abgeordneten Vitali Milonow, welcher die Hochschule seit langem bekämpft, scheint sich bei der Petersburger Regierung durchzusetzen.

Doch dagegen will man sich bei der Europäischen Uni solange wie möglich auf gesetzlichem Weg wehren. Wachtin ist sogar bereit, es auf eine gewaltsame Räumung durch vermummte Polizisten ankommen zu lassen und rechnet mit allem. Den rund 100 Studenten, die durch den Lizenzentzug ihren Studienplatz verlieren, rät er, sich gemeinsam bei der Erziehungsbehörde zu beschweren.

Selbst ohne Lizenz kann die Euro-Uni noch zwei bis drei Jahre als wissenschaftliches Institut bestehen – solange die Sponsorengelder reichen. Was danach kommt, ist offen – erwägt wird ein Umzug ins Ausland, zum Beispiel nach Zypern.

Bild: Eugen von Arb/ SPB-Herold

www.fontanka.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

3 Kommentare

  1. Die Universität ist kein „ausländischer Agent“, wie in Russland gewisse NGOs bezeichnet werden, erhält jedoch unter anderem Mittel aus dem Ausland. Wikipedia: Die Universität wird u.a. von der Ford Foundation, MacArthur Foundation, Soros Foundation und der Fritz Thyssen-Stiftung unterstützt.

  2. Gerald Hübner sagt:

    Sehr geehrte Damen und Herren
    Ist die Universität ein ausländischer Agent?? Fließen Gelder aus dem Ausland??

  3. Alexander Dernburg sagt:

    Es ist ja klar, dass diese “Uni“ nicht unabhängig sein kann: Finanziert wird sie ja von der EU. Es kann selbstverständlich nicht angehen, dass einflussreiche Lobbygruppen sich ins Bildungssystem eines Landes einkaufen. Die Schliessung dieser “Uni“ ist daher voll zu begrüssen.

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