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Europäische Universität: Neustart mit Verzögerung

Von   /  1. Oktober 2018  /  Keine Kommentare

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eva.- Trotz der drohenden Schliessung konnte die Europäische Universität St. Petersburg ihre Neuzulassung erreichen. Mit grosser Verspätung nimmt sie im Oktober ihren Lehrbetrieb wieder auf.

Wie Fontanka.ru schreibt, wurden trotz der verzögerten Eröffnung der Registrierung 171 StudentInnen registriert – 57 Prozent Frauen, 43 Prozent Männer, 49 Prozent aus Petersburg und 51 Prozent aus anderen Regionen Russlands (Tomsk, Omsk, Kazan, Perm, Wladiwostok). Ihr Alter liegt zwischen 21 und 57 Jahren. Aufgenommen wurden für das Wintersemester 105 Person – die private Hochschule bietet Platz für 226 Studierende.

Die überraschende Wiederzulassung wird auf Veränderungen in der politischen Führung nach der Präsidentenwahl im März zurückgeführt – die genauen Gründe weiss jedoch niemand. Es scheint, dass der Einfluss des Petersburger Duma-Abgeordneten Vitali Milonow („Einiges Russland“) zurückgegangen ist. Der religiöse Fanatiker hatte die Hochschule beschuldigt, sie würde ihre Studenten zwingen, Arbeiten über Homosexualität zu schreiben. Unter anderem hatte er das Gerücht verbreitet, ausländische StudentInnen würden ihre Studiengebühren in Dollars bezahlen, die sie illegal „im Kuvert“ abgeben würden.

Lizenzentzug und Räumungsbefehl

Wie stark sein Einfluss war, ist unklar, doch bekam die Universität seit 2016 massive Probleme mit der staatlichen Erziehungsbehörde und dem Petersburger Bauamt und wurde zahlreichen Kontrollen unterzogen. Nachdem die Hochschule sämtliche baulichen und feuerpolizeilichen „Missstände“ beseitigt hatte, wurde ihr noch die Lizenz entzogen – auch dies aus kaum nachvollziehbaren Gründen.

Letztlich wurde sogar ihre Schliessung und der Umzug in ein anderes Gebäude angekündigt. Bis zuletzt schien es, dass alle Studentenprotste und selbst die guten Beziehungen der Hochschulratsmitglieder Ex-Finanzminister Alexei Kudrin und Eremitage-Direktor Michail Piotrowski zum Kreml an der verfahrenen Situation nichts ändern können. Doch im August wurde dem Gesuch der Universitätsleitung für eine neue Lizenz überraschend stattgegeben.

Wie der neue Rektor der Uni Vadim Volkow in einem Interview mit Fontanka.ru sagte, haben die Schwierigkeiten der letzten Jahre viel Geld (rund 140 Millionen Rubel) und den Verlust einer Reihe wichtiger Lehrpersonen und Studenten gekostet, die zu anderen Hochschulen wechselten. Ausserdem sagte er, dass für den Fall einer Schliessung ein „Plan B“ existiert hätte, um die Universität im eingeschränkten Rahmen als Forschungsinstitut weiterzuführen. Man hätte wohl die Uni als Lehrinstitut verbieten können, aber nicht ihre Idee.

Bild: Eugen von Arb/ SPB-Herold

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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