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Kommentar: Russland und Estland leben Ihre Empfindlichkeiten aus

Von   /  3. März 2010  /  Keine Kommentare

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von Markus Müller

Russland hat den Generalkonsul Estlands in St. Petersburg gebeten, die Koffer zu packen –  Rasmus Luni soll Russland im Laufe von zwei Wochen verlassen. Die schon belasteten Beziehungen der beiden Nachbarn kühlen weiter ab.

Was treibt den Konflikt immer wieder an ?

Estland ist die winzige „Minderheit“ an der Russischen Peripherie mit einer großen russischen Minderheit im eigenen Land. Der Weg zu einer guten Nachbarschaft ist nicht einfach zu erreichen. Zu tief sitzen die Empfindlichkeiten auf beiden Seiten.

Keine einfaches Verhältnis

Estland und Russland haben schon seit 1988 und der Staatsgründung 1991 immer wieder diplomatische Auseinandersetzungen. Als im April 2007 ein sowjetische Ehrenmal zur Befreiung Estlands durch die Rote Armee aus dem  Zentrum von Tallin an den Stadtrand versetzt wurde – provozierte dies heftigen Wiederstand der russischen Bevölkerung in Estland. Visaregeln für Reisen wurden verschärft, der Tourismus begann sich erst im vergangenen Jahr wieder langsam zu erholen. Ob gewollt oder nicht – das Verhältnis von Estland zu Russland hat einen postkolonialen Charakter und dieselben Empfindlichkeiten auf beiden Seiten.

Erbe der Sowjetunion

1934 waren 8,2 % der Bevölkerung in Estland von russischer Nationalität. Vor der Staatsgründung 1989 dagegen über 30% und aktuell ca. 25%.   Estland verfolgt eine restriktive Einbürgerungspolitik und kämpft als kleine Nation mit knapp 1  Million estnischen Einwohner um die Sprachliche und kulturelle Identität

Die Chancen der knapp 350.000 russische stämmigen Bürger auf eine Teilnahme und Entwicklung innerhalb der Estnischen Gesellschaft sind nicht gut.  Dies wurde unlängst in einem Expertenpapier der EU Kommision bemängelt und von Russland dankbar registriert.  Estland verlangt u.A. das beherrschen der estnischen Sprache durch russischstämmige Bürger  um die Estnische Staatsbürgerschaft und damit normale Bürgerrechte zu erhalten. Auf der anderen Seite weigern sich viele  Russen aus Stolz die estnische Sprache zu lernen und aktiv am Gesellschaftlichen Dialog teilzunehmen.

Normale Nachbarschaft – aber wie ?

Russland empfindet immer noch den Phantomschmerz der Amputation der Baltischen Staaten, diese weigern sich die „Befreiung vom Faschismus“ 1944 als etwas anderes anzusehen als den Übergang unter eine neue Fremdherrschaft. Der erste Für eine Beilegung des Konflikts müsste jedoch von Moskau der erste Schritt gemacht werden. Die Größenunterschiede sind zu gewaltig als dass ein ähnlicher Prozess wie bei der Deutsch-Französischen Aussöhnung stattfinden könnte.

Freundliche Zeichen der Normalisierung wären im kulturellen Bereich möglich, wo man der jungen Generation die Möglichkeit geben könnte, die Nachbarn kennen zu lernen . Es wäre wünschenswert,  dass Moskau ein klares Signal geben würde, dass es keine  “ Südossetisch / Adegische“ Abspaltung im Osten Estlands plant. Estland muss es ermöglicht werden, seine russische Minderheit als vollwertige Staatsbürger anzunehmen, ohne den Blick über die Schulter des grossen Bruders zu spüren.

Russische Minderheit fühlt sich nicht von Talinn vertreten

Am wichtigsten wäre jedoch ein klares Zeichen an die russisch-stämmigen Estländer, dass Hilfe von Russland nur via Tallin zu erwarten ist. Solange die größte Minderheit Estlands sich mehr von Russland als von der eigenen Regierung vertreten fühlt, kann wird keine Integration stattfinden. Auch wird die Zeit einige Wunden heilen – junge Russen in Estland haben kein Problem, sich in beiden Kulturkreisen zurechtzufinden und beantragen meist lieber den Estländischen Pass.

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