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Estland hat ein neues Nationalmuseum in Tartu erhalten

Von   /  19. Januar 2017  /  Keine Kommentare

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eva.- Seit dem vergangenen Herbst ist die estnische Universitätsstadt Tartu (Dorpat) um eine architektonische und kulturelle Attraktion reicher. Auf einem ehemaligen sowjetischen Fliegerhorst wurde das neue Estnische Nationalmuseum (ERM) errichtet.

Das Nationalmuseum existiert als Institution bereits seit 1909 als Estland noch zum Zarenreich gehörte. Sein Bestand basiert im wesentlichen auf der Sammlung des Volkskundlers Jakob Hurt. 1923, bereits im unabhängigen Estland wurde die erste ständige Sammlung eröffnet.

Nachdem es im Zweiten Weltkrieg durch einen Brand schwer beschädigt worden war, wurde es unter der sowjetischen Herrschaft als „Staatliches Ethnographisches Museum der Estnischen SSR“ wieder eröffnet, wobei die Sammlungen an verschiedenen Orten der Stadt Tartu untergebracht worden waren.

In erster Linie ethnographisches Museum

Erst 1988 im Zug der „Perestrojka“ erhielt es seinen ursprünglichen Namen wieder zurück und 2009 wurde der Neubau nach dem Projekt des Pariser Architekturbüros Dorell Ghomtmeh Tane begonnen, den Staatspräsident Ilves am 29. September 2016 einweihte.

Das ERM ist in erster Linie ein ethnographisches Museum, das Geschichte und Traditionen der Esten und anderer finno-ugrischer Völker zeigt und erforscht. In der ständigen Ausstellung mit dem Titel „Begegnungen“ sind unter anderem die Liedertradition (Runo-Gesang), die Bräuche der Bauern, die Feste und Feiertage, Trachten, sowie Handwerk und Kunsthandwerk zu sehen.

Fotografischer Bilderschatz von Johannes Pääsuke

Einen besonderen „Schatz“ stellen dabei die rund 3000 Fotografien von Johannes Pääsuke aus den Jahren 1908 bis 1918 dar. Dargestellt wird aber auch die jüngere Geschichte und die Zeit der sowjetischen Okkupation. In einem zweiten Teil mit dem Titel „Echo des Urals“ wird die Geschichte und Kulture der finno-ugrischen Völkergruppen in Bereich des Urals gezeigt.

Der innovative Museumsbau, der bereits tausende von Gästen anlockte, hat durchaus Symbolcharakter. Einerseits steht er für Estlands Unabhängigkeit und das Ende der Sowjetära. Der Militärflugplatz Raadi machte Tartu während Jahrzehnten zur „geschlossenen Stadt“, was die völlige Isolation nach aussen bedeutete, die nun endgültig zu Ende sein soll.

Kirche wegen Madonna-Installation empört

Andererseits stehen die dynamischen Formen des zugespitzten Baus auch für die positiven Seiten des Fliegens – Aufbruch und Flug zu neuen hohen Zielen. Die Universitätsstadt Tartu, die bisher hinter den baltischen Hauptstädten Tallinn, Riga und Vilnius zurückstehen musste, erhält dank dem spektakulären Museumsbau einen ganz neuen Status. Jährlich werden bis zu 200.000 Besucher erwartet.

Auch für Sensationen hat das Museum bereits gesorgt: Eine zeitgenössische Kunst-Installation, die eine Mutter Gottes auf einem Display darstellt, die sich beim Fusstritt auf eine markierte Stelle unterhalb des Bildes auflöst hat die Kirche verärgert. Wie der Bischof der estnischen lutherischen Kirche Urmas Viilma meinte, verletzt das Kunstwerk die Gefühle der Gläubigen.

Bild: Wikimedia Commons/ Marco Verch

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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