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Weg frei – Petersburger Veloaktivisten markieren ersten „Partisanen“-Radweg auf dem Trottoir

Von   /  23. Juli 2013  /  Keine Kommentare

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TOPTICKER.- In einer Nachtaktion haben Mitglieder der Bewegung „Frühling“ das geschafft, was die Stadtregierung trotz vieler Reden und jahrelanger Planung nicht geschafft hat: Mittels origineller Bodenmarkierungen haben sie auf den Trottoirs entlang des Moskowski-Prospekts einen ersten inoffiziellen Veloweg festegelegt.


Ein grosses Velosymbol, Pfeile in beide Richtungen und das Wort „Pora“ – auf Deutsch in etwa „Es ist soweit“ – so wird Radfahrern seit kurzem der Weg über die Trottoirs entlang des Moskowski Prospekts vom Zentrum in die südliche Vorstadt gewiesen.

Zwar werde der Radweg durch geparkte Autos, Reklameschilder und Lichtsignale erschwert, aber es sei immer hin ein Anfang, schreibt die Lokalzeitung „Moi Rayon“. Seit einiger Zeit machen Bewegungen wie „Schöne Stadt“ und „Frühling“ mit friedlichen Aktionen von sich Reden.

Mehr Platz für Fussgänger und Radfahrer gefordert

Sie setzen sich ein für mehr Fussgängerzonen, Zebrastreifen, Blumenschmuck und Informationsschilder. Vor kurzem hat die Bewegung „Frühling“ die Stationen des neu eingeführten Nachtbusses mit Stickern markiert – jetzt sind die Radwege dran.

Sie sind schon lange im Gespräch, und einige scheue Versuche in den Vorstädten wurden bereits unternommen, doch hat die Stadtregierung bisher kein klares und vor allem kein reales Bekenntnis zum Drahtessel gegeben. Davon hat die grosse und ständige Bike-Gemeinde jetzt genug und hat darum ein Zeichen gesetzt.

Illegal, dafür praktisch und billig

Formal gesehen, verstösst der Radweg auf dem Gehweg gegen die Vorschriften. Doch die Trottoirs am Moskowski Prospekt sind sehr grosszügig angelegt und an gewissen Stellen bis zu zehn Meter breit, so dass sich Fussgänger und Velofahrer bei vernünftigem Verhalten in keiner Weise stören.

„In der Stadt gibt es viele Gehwege und Strassen, auf denen sich Radwege anlegen lassen, ohne gross etwas umzubauen“, sagte der „Frühling“-Aktivist Alexander Schurschew gegenüber „Moi Rayon“. „Einfach, billig und ohne globale Projekte zu entwerfen. Am Moskowski-Prospekt haben wir gesehen, dass an gewissen Stellen die Trottoirs zugunsten von Parkplätzen verengt wurden – anstattdessen würde man den Platz besser für Radwege nutzen.“

Sollen Fussgänger die Trottoirs mit Radfahrern teilen?

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Viele Strassen mit breiten Gehwegen vorhanden

Als weiteres geeignetes Rad-Objekt sieht er zum Beispiel den Statschek-Prospekt – ebenfalls eine grosszügig angelegte Strasse mit breiten Trottoirs und Stalin-Architektur. Er wirft der Stadt vor, nur von Radwegen zu reden, statt sie zu bauen und rechtfertigt damit die Aktion.

Doch es gibt auch Kritik aus Radlerkreisen – zum Beispiel findet die Koordinatorin der Bewegung „Velofizierung Petersburgs“ die Aktion absurd. Die Radwege müssen auf der Strasse gezeichnet werden, um zu testen, wie die Automobilisten darauf reagieren. Die Idee findet sie zwar toll, aber ihre Umsetzung gar nicht. Allerdings gesteht sie ein, dass es wegen der vielen Genehmigungen sehr schwierig sei, legale Radwege anzulegen. Ausserdem ist es bei dem aggressiven Verkehrsverhalten russischer Lenker sehr gefährlich, sich mit dem Rad auf der Fahrspur zu bewegen.

„Velopiter“: Mittel zur Agitation gerechtfertigt

Pawel Semenow von der Vereinigung „Velopiter“ findet diese Aktion als Mittel zu Agitation gerechtfertigt und gibt gleich noch weitere Orte an, wo es genügend Platz für Radfahrer und Fussgänger gibt. Zum Beispiel den Prospekt Prosweschenia, Prospekt Marschala Blüchera oder den Prospekt Veteranow. Solche Orte gebe es haufenweise, meint er, und wenn man koordiniert vorgehen würde, könnte man innerhalb eines Monats fünf Prozent aller Strassen in Petersburg markieren.

Die Bewegung „Schönes Petersburg“ hat bereits eine Liste mit 125 geeigneten oder erwünschten Radweg-Adressen für eine Eingabe an die Stadtregierung im Internet vorbereitet. Darauf sind unter anderem der Ligowski-Prospekt, die Torfjanaja Doroga, der Leninski Prospekt, die Smolnaja-, Sinopskaja-, Oktjabrskaja-Uferstrasse sowie die Blagoweschenski-, die Troizki- und die Tutschkow-Brücke eingetragen. (eva)

Vorschläge können unter der folgenden Adresse eingereicht werden:

www.bikable.ru

Bild: Eugen von Arb/ SPB-Herold

www.mr7.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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