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Erste Transgender-Ehe in St. Petersburg registriert

Von   /  11. November 2014  /  Keine Kommentare

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TOPTICKER.- Irina und Alena, so heisst die erste gleichgeschlechtliche Ehe, die in St. Petersburg geschlossen wurde – das heisst nicht ganz: Auf dem Standesamt registrierten sie sich als Denis und Alena, doch wird sich Denis innerhalb der kommenden Monate einer Geschlechtsumwandlung unterziehen und sich dann ganz offiziell umtaufen lassen. Petersburgs Sittenwächter Vitali Milonow tobt – doch auf dem Standesamt Nr. 4 beteuert man, dass alles legal gelaufen sei.

So ist das junge Paar in „traditioneller“ Kleidung zur Anmeldung auf dem SAGS Nr. 4 erschienen – und erst bei der Eheschliessung sind beide im weissen Hochzeitskleid aufgetaucht, schreibt Fontanka.ru. Die Gay- und Lesben-Gemeinde Petersburgs proklammiert den Ehebund als erste gleichgeschlechtliche Ehe der Stadt – die homophoben Kreise hingegen toben. Wie bereits gewohnt, zieht allen voran der Stadtabgeordnete Vitali Milonow in den Kampf für Anstand und Sitte.

Er hat bereits eine Untersuchung des Standesamtes und seiner Mitarbeiter durch den Staatsanwalt veranlasst. Doch schon jetzt versichern Juristen: Die Zivilstandsbeamtinnen haben gegen keinen einzigen Paragraphen verstossen. Die Tatsache, dass die beiden am Hochzeitstag beide im weisser Tracht erschienen sind, ändert auch nichts daran. Eine aussergewöhnliche Kleidung ist auch im traditionell gesinnten Russland keine Sensation mehr. Brautleute kommen als Hasen oder Bären verkleidet oder gar die Ehegattin als Mann und der Bräutigam als Frau verkleidet zur Eheschliessung.

Ehe nur bis zur Namensänderung legal

Entscheidend sind die Passdaten, und diese sind auch in diesem Fall in Ordnung, denn nach wie vor heisst darin die zukünftige Transsexuelle Irina immer noch Denis. Sobald diese(r ) seine Namensänderung im neuen Pass vornehmen wird, verliert die Ehe juristisch gesehen automatisch ihre Gültigkeit.

Wenn es nach dem Willen von Vitali Milonow geht, so wird es mit derartigen „Spässen“ bald vorbei sein. Gegenüber Fontanka.ru gab er bekannt, dass er für eine Kleidervorschrift für Brautleute eintreten werde. Es gehe nicht, darum, Hochzeitskleidung vorzuschreiben, denn das könnten sich nicht alle leisten, aber Verkleidungen sollten verboten werden. Einen ähnlichen Fall gab es vor kurzem in Moskau als Alina (Dmitri) und Alisa vor den Traualtar traten. Zwar verursachte das Paar im Vorfeld der Trauung einigen Aufruhr, doch wurden die beiden schliesslich trotz allem verheiratet.

Vitali Milonow wurde als Autor des Verbots der „Homosexuellen-Propaganda“ bekannt, das mittlerweile in ganz Russland gilt, jedoch im In- und Ausland wegen seiner willkürlichen Anwendung kritisiert wird. Am 10. November griff ein Student den Abgeordneten vor dem Stadtparlament an, wurde jedoch festgenommen und soll wegen Rowdytums verurteilt werden.

Bild: Wikimedia Commons

www.fontanka.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

Keine Kommentare

  1. realsatire sagt:

    Na da kann Herr Milonov noch so toben – an der Lebensrealität der Menschen wird das wenig ändern.

    Das er jedoch Russland in dieser Frage der sexuellen Randgruppen, der Ausländer und Gastarbeiter spaltet hat eine tiefere politische Bedeutung.

    Durch die Identifikation von Minderheiten, denen die Probleme des Landes zugeschrieben werden können, lenken die Herrschenden ja von dem Mangel an Bewegung bei den eigentlichen Probleme im Land ab.

    In Russland hilft der Hass auf Ausländer, Schwarze, „Faschisten“ aller Art, Schwule, Lesben und Menschen mit einer unpassenden geschlechtlichen Identität eben als Blitzableiter weg von den Verantwortlichen im Staat.

    Wenn jedoch betrachtet wird, wie schnell in Russland Gesetze gegen die Menschen gemacht werden und wie lange überlegt wird, um eines für das Wohl der Bürger zu verabschieden (ok das ist mein Standpunkt) dann glaube ich schon das diese Gesetzeslücke weiteren Irinas und Alinas und deren gemeinsame Zukunft recht bald verbaut wird.

    Wäre wirklich schön wenn die Politik sich mal zur Abwechslung auf echte Probleme der Familien konzentrieren könnte.

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