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Erinnerung an: Leon Theremin

Von   /  18. November 2009  /  1 Kommentar

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Am 3. November vor 16 Jahren starb in Moskau der St. Petersburger Erfinder und Wissenschaftler Leon Theremin. Er hinterließ ein umfangreiches Erbe aus allen Bereichen der Technik und der musischen Fächer. Er beschäftigte sich während seiner 97 Lebensjahre mit einigen Wissenschaften u. A. Radio- und Fernsehtechnik, Spionage, dem Design von elektromagnetischen Schaltungen.
Am berühmtesten wurde er jedoch als Instrumentenbauer.

Der Radiophysiker war bekannt für das nach Ihm benannte Gerät, welches „berührungslos“ gespielt werden konnte. Das Instrument, welches nach allem dafürhalten das allererste elektronische Instrument überhaupt ist, erkennt jeder Hörer sofort an der gleitenden Tonerzeugung und an der hohen, teils klagenden, Stimmung. Das Theremin hatte großen Einfluss auf die populäre und klassische Musik, das Fernsehen und vor allem in den 50er Jahren auf die Kinosoundtracks. Auch die musikalische Avantgarde war vom ersten Elektroinstrument beeindruckt.

Musikalischer Elektrophysiker

Leon Theremin hat schon in jungen Jahren begonnen mit Tesla-Spulen und Elektroniktechnik zu experimentieren.

Nach seiner Dienstzeit als Funker im Ersten Welt- anschließenden Bürgerkrieg, begann er mit seinem Mentor, dem Experimentalphysiker Abram Fjodorowitsch Joffe am Physikalisch-Technischen Institut von St. Petersburg mit Arbeiten zur Röntgenstrahlung, Gasentladungsröhren und an Hochfrequenz Oszillatoren.

In einem Experiment brachte er einen kleinen Lautsprecher an einer Antenne an und entdeckte, das er mit der Bewegung seiner Hand nach an der Antenne die Tonhöhe steuern konnte. Die Lautstärke änderte er durch eine Bewegung zu oder von der Antenne weg.

Durch seine früheren Cello Stunden trainiert konnte er mit ein wenig Übung auf der Antenne einfache Melodien erzeugen, durch schnelles Schütteln der Hand erklang ein Vibrato und bald konnte er durch eine 2. Antenne die Lautstärke mit der linken Hand steuern. Er nannte das Instrument „Ätherphone“ in Anlehnung an die geisterhafte, außerirdische Klangfarbe. Aber schon bald wurde das Instrument von allen Thereminvox genannt.

Das Theremin

Die Erfindung war mysteriös anzuschauen. Eine Holzkiste mit zwei herausragenden Antennen. Die Klangerzeugung beruhte auf dem Grundsatz dass die Hände des Spielers nie das Instrument berührten. Nur durch die Annäherung oder Entfernung der Hände wurde gespielt.

„Ich schuf ein Instrument das den Klang ohne mechanische Einflussnahme erzeugte. Wie ein Dirigent eines Orchesters“ erzählte Theremin der Musikwissenschaftlerin Olivia Mattis im Jahr 1989. „Ein Orchester spielt mechanisch, benutzt mechanische Energie, der Dirigent bewegt nur seine Hände und diese haben dennoch einen Einfluss auf die Musikkunst.“

Der Ton, ein flötenähnliches Summen das wie eine menschliche Stimme in einem stufenlosen Glissando zum nächsten Ton Gleiten kann – war zuvor ungehört. Bis zum Ende der 20er Jahre trat Theremin zu Konzerten in der Sowjetunion und ab 1927 auf einer Euopa Tournee auf.

In New York war er eine Sensation. Theremin spielte mit dem New Yorker Philharmonie und dirigierte ein Theremin Ensemble in der Carnegie Hall. Er wurde Partner bei der RCA und begann sein Instrument Ender der 20er auch kommerziell zu vermarkten.

Nach ein paar Jahren in den Staaten kehrte er plötzlich in die Sowjetunion zurück. Er behauptete aus persönlichen und finanziellen gründen. Es ging aber auch das Gerücht um die Sowjets haben ihn gekidnappt. So oder so, er wurde erst einmal in ein Gefängnis geworfen und musst dort Abhörgeräte für die Nachrichtendienste entwickeln. Er arbeitete über 3 Dekaden in den Regierungslabors und er sagt über diese Zeit, dass er gut behandelt wurde, ein überdurchschnittliches Gehalt bezog und eine eigene Wohnung erhielt.
Auch in Sachen Spionage eine Klasse für sich

In den 40er und 50er Jahren erfand er diverse Richtmikrofone und das berühmte „DING“.

Das „DING“ ist eine Passive Abhörwanze, die er um 1952 fertigstellte. Es hatte ein Kondesator Mikrofon, eine Antenne aber keine Batterie oder sonstige Stromversorgung, welche das Geräte als Elektroinstrument verraten konnte. Es wurde durch das Ausrichten eines RADIO Strahls von einem in der nähe befindlichen Übertrager aktiviert. Durch das Abhören der angeregten Radiowellen vom „Ding“ konnten die Sowjets alle Gespräch in der Umgebung des Ding mitschneiden.

Die Wanze wurde in einer Holztafel mit einem geschnitzten grossen Staatssiegel der Vereinigten Staaten versteckt und als Geschenk an den US-Botschafter in Moskau übergeben. Er hatte das Siegel an die Wand seines Büros gehängt und die Kollegen von „Lausch und Schau“ waren immer dabei.

Erst nach Jahren bemerkte ein Offizier des Britischen Nachrichtendienstes zufällig den Richtstrahl als er im Radio  amerikanisches Englisch hörte. So wurde Leon Theremin auch die Ehre zuteil, eine der genialsten Abhörwanzen der Geschichte erfunden zu haben. Die Passive Signalisierung findet sich heute unter Anderem in den RFID Chips wieder.

Er machte jedoch auf anderen Gebieten bahnrechende Erfindungen – so erfand er unter anderem das Interlace Verfahren für die Fernsehbildübertragung. Durch die verdoppelung des Signal mit zwei Halbbilder (je einer Hälfte eines Fernsehbilds, mal die gerade mal die ungeraden Zeilen) wird das Fernsehbild plötzlich flimmerfrei.
Eine Technik die beim klassischen Fernsehen noch heute üblich ist.

Dennoch ist die Holzkiste mit dem ätherischen Klang seine berühmteste Erfindung geblieben.

Ein Wunderkind am Theremin und berühmte Fans in Klassik, Pop und Hollywood

Die bekannte Theremin Virtuosin Clara Rockmore galt seinerzeit als  Wunderkind. Sie perfektionierte Ihre Kunst noch in den 20er Jahren mit dem Erfinder persönlich. Fortan klassisch ausgebildet, machte sie Karriere und beeindruckte durch ihr unvergleichliches Geschick auch schwierige Passagen auf dem Theremin mit absoluter Perfektion zu meistern. Sie verstarb 1998.

Auch Robert Moog, der Erfinder des Moog Synthesizer, beruft sich auf Theremin als sein Mentor und den großen Einfluss den der Erfinder auf sein Lebenswerk hatte.

Auch die modernen Komponisten Dmitri Schostakowitsch, Charles Ives und Edgar Varese haben für das Theremin komponiert.
Die Theremin Töne wurden in unzähligen Sience-Fiction Filmen verwendet. Filme wie „Der Tag an dem die Erde Still stand“, Hitchcocks „Ich kämpfe um dich“ oder Tim Burtons „Ed Wood“. Aber auch Jimmy Page von Led Zeppelin hatte ein vereinfachtes Theremin auf seiner Bühne um of minutenlange Wahlgesänge zur Langversion von “Whole Lotta Love“ zu produzieren.

Die größte Bekanntheit verschaffte dem Theremin jedoch ohne Zweifel Brian Wilson von den Beach Boys. Er war von dem Instrument fasziniert und platzierte am Anfang und in der Mitte von “Good Vibrations” seiner bekanntesten Komposition, außerirdische Theremin Sounds.

Achten sie einmal beim anhören von “Good Vibrations” auf dieses fegende hochtönige gleitende Geräusch und sie bekommen es nicht mehr aus dem Kopf. Der Song war der erste Millionseller Nummer 1 Hit der Beach Boys, auch dank des Theremin.
Vermutlich geht es ihnen jetzt wie mir – sie summen den Song den Schauerton den ganzen Tag vor sich hin…

Quellen:
http://www.wired.com/thisdayintech/2009/11/1103leon-theremin-dies/
http://www.thereminvox.com/story/495/

Videos:

1) Leon Theremin
2) Clara Rockmore

Foto: Clara Rockmore

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1 Kommentar

  1. realsatire sagt:

    Auch Clara Rockmore wurde in St. Petersburg ausgebildet.

    Die drei Schwestern Reisenberg, Nadia (geb. 1904), Anna (Nefta), ge, 1907 und Clara (geb. 1911), wurden in Wilna geboren und sind in St. Petersburg aufgewachsen. Nach der Revolution verliessen sie St. Petersburg und kamen 1922 nach New York.

    Clara war als Kind Violinstudent bei Professor Leopold Auer am St. Petersburger Konservatorium, bevor sie später über 60 Jahre lang als die weltbeste Tereminvox Virtuosin die Zuhörerer begeisterte. 1933 heirate Clara Robert Rockmore der 1963 verstarb. Fast alle Auftritte wurden von Ihrer Schwester Nadia am Klavier begleitet.

    http://www.thereminvox.com/

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