Laden...
Sie sind hier:  Home  >  Aktuell  >  Aktuelle Artikel

Eremitage-Direktor Piotrowksi erhält Bundesverdienstkreuz

Von   /  27. Mai 2018  /  Keine Kommentare

    Drucken       Email

eva.- Michail Piotrowski, Direktor des Eremitage-Museums erhielt auf dem deutschen Generalkonsulat St. Petersburg das Bundesverdienstkreuz verliehen. Mit der Auszeichnung würdigt Deutschland Piotrowskis Engagement als «Brückenbauer» und setzt in schwierigen Zeiten ein Zeichen der Versöhnung.

Unter grossem Applaus heftete der deutsche Botschafter in Moskau Rüdiger von Fritsch dem Museumsdirektor das rote Kreuz erster Klasse an die Brust. In seiner Ansprache würdigte von Fritsch das Engagement Piotrowskis für Kultur und Humanität über seine Funktion als Museumsdirektor hinaus.

Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Initiator der Ordensverleihung und langjähriger Freund Piotrowskis schloss sich diesen Worten an. In seiner Ansprache lobte er die Offenheit und Kooperation Piotrowskis im deutsch-russischen Museumsdialog gerade in heiklen Fragen, wie etwa der Beutekunst.

Trennendes verbindet

Es sei paradox, dass gerade dieses Thema, das die beiden Länder eigentlich trennen sollte, sie mittlerweile am meisten verbinde. Damit sprach er die gemeinsamen Ausstellungsprojekte an, welche zum Ziel haben, die umstrittenen Kunstwerke einem möglichst grossen Publikum zu zeigen – auch der politische Streit um ihr Eigentum noch nicht geklärt ist.

In diesem Zusammenhang erwähnte er auch Piotrowskis guten Sinn für Humor und schilderte einen Moment während des politisch schwierigen Treffens von Angela Merkel mit Wladimir Putin 2013 in Petersburg. Damals wurde der Besuch Merkels in der Ausstellung „Bronzezeit – Europa ohne Grenzen“ in der auch der Goldschatz von Eberswalde zu sehen war, mehrmals zu- und abgesagt, weil Merkel öffentlich die Rückgabe fordern wollte und damit die russische Regierung verärgerte.

Während des stundenlangen Abwartens in der Eremitage, so Parzinger, habe Piotrowski immer wieder nach oben aufs Dach geschaut, worauf er ihn gefragt habe, zu welchem Zweck. Darauf habe Piotrowski geantwortet: «Der Scharfschütze ist da, also kommen sie.» An der Ordenverleihung nahmen zahlreiche prominente Persönlichkeiten teil, unter ihnen der Regisseur und Freund Piotrowskis Alexander Sokurow.

Piotrowski – wortgewandte Persönlichkeit

Michail Piotrowski ist promovierter Arabist und übernahm 1991 die Leitung des Eremitage-Museums von seinem Vater. Er gilt als engagierte Persönlichkeit, der sich einerseits für sein Museum einsetzt und sich andererseits getraut, auch seine Meinung zu gesellschaftlichen und kulturellen Fragen zu äussern. So sprach er sich zum Beispiel öffentlich gegen den geplanten Bau des Gazprom-Turms im Petersburger Zentrum aus.

Ausserdem «verteidigt» er den Schlossplatz immer wieder gegen Grossanlässe, wie Konzerte oder Kunsteisbahnen, deren Lärm seiner Meinung nach die Bilder im Museum beschädigen. Piotrowski erhielt bereits zahlreiche hohe Auszeichnungen, darunter zweimal den Orden der französischen Ehrenlegion.

Bilder: Eugen von Arb/ SPB-Herold

Weitere Artikel zu diesem Thema:

Eremitage bereitet sich auf Einzug in das Generalstabsgebäude vor

Piotrowski „erlaubt“ Madonna-Konzert auf dem Schlossplatz und stellt Bedingungen

    Drucken       Email

Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Sie auch interessieren...

Russland-Blog: Megapolis Moskau – Begegnung mit Bulgakow

mehr…