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Endgültiges Aus für den „Maiskolben“ – Gazprom-Turm wird nicht im Petersburger Zentrum gebaut

Von   /  10. Dezember 2010  /  Keine Kommentare

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eva.- In Verhandlungen mit dem Gazprom-Konzern sei beschlossen worden, das Hauptquartier endgültig nicht im Petersburger Zentrum zu bauen, gab die Petersburger Gouverneurin Valentina Matwijenko gestern abend an einer Pressekonferenz bekannt. Gleichzeitig werde damit auch die Ausnahmeregelung in den Bauvorschriften ausser Kraft gesetzt, welche den 400 Meter hohen Turm zugelassen hätte.


Nur wenige Tage, nachdem Matwijenko angedeutet hatte, das “Ochta-Zentr” könnte möglicherweise an einer anderen Stelle errichtet werden, fiel der Entschluss endgültig aus. Nicht unwesentlich hat dazu eine Stellungnahme von Russlands Präsident Medwedew beigetragen, der vor einem Monat geäussert hatte, er könne sich das Gazprom-Headquarter auch gut am Stadtrand vorstellen.

Fünf Jahre lang versuchte die Stadtregierung gemeinsam mit dem Energieriesen, den Riesenturm durchzuboxen – mal schienen bereits die Bagger aufzufahren, dann wieder kamen wirtschaftliche oder politische Krisen dazwischen. Schrittweise zog sich die Stadtregierung, die das Hochhaus ursprünglich zu einem Grossteil mit Steuergeldern finanzieren wollte aus der Affäre zurück. Aus “Gazprom-City” wurde “Ochta-Zentr”, mit aufwändigen PR-Kampagnen versuchten die Befürworter der Bevölkerung den Turm schmackhaft zu machen.

Beharrlicher Widerstand

Trotz allem war ein grosser Teil der Menschen dagegen und versammelte sich an Kundgebungen und Märschen gegen den Turm. Entscheidend war sicher der beharrliche Widerstand der politischen Opposition, der Petersburger Denkmalschützer und der Organisation “Schiwoi Gorod” (“Lebendige Stadt”), die von internationalen Organisationen wie der Unesco Unterstützung erhalten hatten.

Zwar bleibt ein letzter Rest Misstrauen bei gewissen Oppositionsvertretern, die noch nicht an einen wirklichen Rückzieher glauben können, doch ist ein Widerruf dieser Sensationsmeldung sicher sehr unwahrscheinlich. Ein neuer Standort für Gazprom wurde noch nicht genannt – die Gouverneurin versprach, man werde ihn diesmal gemeinsam mit der Bevölkerung wählen.

Gazprom muss wieder bei Null anfangen

Wo auch immer sich Gazprom ansiedeln wird – der neue Bauplatz wird ein völlig neues Baukonzept verlangen, und all die Millionen Rubel, die bereits für Architekturwettbewerbe, Werbekampagnen, Bodensondierungen und Bauvorbereitungen ausgegeben wurden, sind verloren. Der “Kukuruz” (Maiskolben), wie das Hochhaus des britischen Architekturbüros RMJM im Volksmund genannt wurde, ist Geschichte. Dafür wissen die Petersburger wieder einiges mehr über ihre Stadt, denn währenden Sondierungen haben Archäologen an der Ochta-Mündung einige interessante historische Funde gemacht.

Bild: Eugen von Arb/ SPB-Herold

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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