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Düstere Wachstumsprognose: Sanktionen bremsen die Wirtschaftslokomotive

Von   /  6. November 2014  /  Keine Kommentare

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rian.- Der negative Einfluss der antirussischen Sanktionen und der russischen Gegensanktionen auf die Wirtschaft könnte nur dann gestoppt werden, wenn sie 2015 nicht verlängert werden, schreibt die Zeitung „Kommersant“ unter Berufung auf eine Konjunkturprognose der EU-Kommission für die Zeit bis 2016. Die EU-Kommission rechnet in diesem Jahr mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in der Eurozone von lediglich 0,8 Prozent (gegenüber der 1,2-Prozent-Prognose vom  Mai) und 2015 von 1,1 Prozent (gegenüber den prognostizierten 1,7 Prozent). „Die Erholung der EU-Wirtschaft wird langsamer als erwartet erfolgen“, schätzten die EU-Experten ein.

Deutschlands BIP-Zuwachs werde im kommenden Jahr mit 1,1 Prozent geringer als 2014 (1,3 Prozent) sein. (Im  Mai war für 2015 ein Zuwachs von zwei Prozent erwartet worden.) Erst 2016 könnte der BIP-Anstieg 1,8 Prozent erreichen. Auch in Frankreich (0,4 Prozent 2014 und 0,7 Prozent 2015) und Italien (Rückgang von 0,4 Prozent 2014 und Wachstum von 0,6 Prozent 2015) wird sich die Wirtschaft langsamer erholen als erwartet. Laut Zollangaben vom August ist allein der deutsche Export nach Russland um 16,6 Prozent geschrumpft (großenteils wegen der geringeren Maschinen- und Fahrzeuglieferungen).

Beschränkter Zugang zu Technologien schmerzhaft

Auch die russische Wirtschaft müsse sich auf schwere Zeiten gefasst machen: Für das kommende Jahr erwarten die EU-Experten eine Stagnation (ein Wachstum von höchstens 0,3 Prozent wäre möglich). Neben den Sanktionen seien auch die sinkenden Ölpreise schmerzhaft für Russland. Im kommenden Jahr soll der Preis für die Ölsorte Brent nach Einschätzung von Experten durchschnittlich bei 91 Dollar pro Barrel (gegenüber 102,6 Dollar in diesem Jahr) liegen.

Negativ für die Nachfrage auf dem Verbrauchermarkt sei auch die Abwertung des russischen Rubels. „Die optimistischen Prognosen bezüglich des geringen Einflusses der Sanktionen auf die russische Wirtschaft, die im Frühjahr gemacht worden waren, haben sich nicht bestätigt“, räumte der Präsident des Russischen Industriellen- und Unternehmerverbandes, Alexander Schochin, ein. Besonders schlimm sei jedoch vor allem der beschränkte Zugang zu europäischen Technologien für russische Unternehmen geworden, betonte er. Der beschränkte Zugang zum europäischen Kreditmarkt sei „nur“ das zweitgrößte Problem.

Deutsche Unternehmerdelegation in Moskau

Eine Unternehmensdelegation unter Leitung des Vorsitzenden des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft, Eckhard Cordes, ist am 5. November nach Moskau gereist. Die deutschen Unternehmer trafen sich mit Vizepremier Igor Schuwalow und mit Außenminister Sergej Lawrow. Während der Treffen wurde vor allem darüber gesprochen, wie die Geschäftskontakte trotz der Sanktionen und der Krise zwischen Russland und der EU aufrechterhalten werden können.

Laut einer „Kommersant“-Quelle gehörten Wintershall-Vorstandschef Rainer Seele, Metro-Vorstandschef Olaf Koch, der Cheflobbyist der Daimler AG Eckart von Klaeden sowie mehrere Top-Manager wie der Chef der Siemens AG in Russland, Dietrich Möller, der Delegation an.  Insgesamt waren es rund 15 Teilnehmer.

Der Quelle zufolge haben die Repräsentanten der deutschen Unternehmen in den vergangenen Monaten die Bundesregierung davon abzubringen versucht, Sanktionen gegen Russland zu verhängen. Der gegenseitige Handelsumsatz war 2012 auf die Rekordhöhe von 80,9 Milliarden Euro gestiegen. 2013 kam es jedoch zu einem Rückgang um 5,4 Prozent. Russlands sank in der Liste der wichtigsten Handelspartner Deutschlands von Platz 10 auf 11. In diesem Jahr wird es voraussichtlich Platz 13 sein.

Pessimismus in der russischen Bevölkerung

Die meisten Russen (52 Prozent) glauben, dass die westlichen Sanktionen das Finanzsystem ihres Landes überfordern und eine neue Wirtschafts- bzw. Finanzkrise auslösen könnten, schreibt die Zeitung „Nowyje Iswestija“ am Freitag unter Berufung auf eine Studie der Nationalen Agentur für Finanzforschungen.

Die meisten Befragten (70 Prozent) mussten ihre Kaufgewohnheiten zwar nicht ändern, 25 Prozent gaben jedoch zu, auf die Preise zu achten und den Gürtel enger zu schnallen. Jeder zehnte kauft billigere Lebensmittel. Weitere zehn Prozent kaufen weniger Waren. Vier Prozent müssen wegen der schwierigen Wirtschaftslage mehr sparen als früher. Jeweils drei Prozent müssen auf den Kauf von teuren Waren (Haushaltstechnik, Fahrzeuge usw.) und auf Auslandsreisen verzichten.

www.rian.ru

Bild: Eugen von Arb/ SPB-Herold

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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